Sechs Experten im Gespräch

Brandschutz als Führungsaufgabe

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Michael Nowak, Teamleiter Planung stationäre Löschanlagen, Weiser GmbH Bandschutz und Technik

1. Brandschutz frühzeitig in den architektonischen Entwurf zu integrieren, bedeutet, ihn als gestaltenden Parameter zu verstehen. Digitale Planungswerkzeuge wie Building Information Modeling (BIM) ermöglichen es, brandschutztechnische Anforderungen bereits in der Konzeptphase zu simulieren und mit der Architektur abzugleichen. Geprüfte Materialien mit definiertem Brandverhalten erweitern den gestalterischen Spielraum, ohne die Sicherheit einzuschränken. Ergänzend bieten modulare Brandschutzsysteme flexible Lösungen, die sich in offene Raumkonzepte einfügen. So entsteht ein integrativer Ansatz, bei dem Fluchtwege, Materialwahl, Gebäudeststruktur und die TGA nicht nachträglich angepasst, sondern von Beginn an Teil der architektonischen Idee sind.

2. Die Digitalisierung verändert Brandschutzkonzepte grundlegend. BIM schafft eine gemeinsame, datenbasierte Planungsplattform, auf der brandschutztechnische Anforderungen frühzeitig integriert und Konflikte bereits in der Entwurfsphase erkannt werden. KI-gestützte Risikoanalysen unterstützen bei der Auswertung großer Datenmengen und der Identifikation potenzieller Gefahren- und Schwachstellen in unterschiedlichen Nutzungsszenarien. Virtuelle Fluchtwegsimulationen machen Personenströme und Rauchentwicklung sichtbar und unterstützen die Optimierung von Rettungswegen. Dadurch entsteht eine neue Qualität der Zusammenarbeit: Architekten, Fachplaner und Behörden arbeiten stärker modellbasiert, iterativ und transparent zusammen.

3. Brandschutz ist im nachhaltigen Bauen ein strukturierendes Planungselement. Insbesondere bei Holz- und Hybridbauten ermöglichen heutige Systeme hohe Feuerwiderstände durch konstruktiven Holzschutz, Bekleidungen aus Gipsfaser und brandschutztechnisch optimierte Massivholzbauteile. Sie zeigen, dass durch abgesicherte Nachweise, innovative Materialien und digitale Planung sowohl hohe Sicherheitsniveaus als auch signifikante CO2-Reduktionen erreichbar sind. Normativ unterstützen dabei weiterentwickelte Eurocodes (etwa EN 1995), die Muster-Holzbau-Richtlinie sowie die überarbeitete EU-Bauproduktenverordnung (CPR).

4. In 20 Jahren wird Brandschutz voraussichtlich weniger als statisches Regelwerk, sondern als dynamisches System verstanden. Vernetzte Sensorik, KI und automatisierte Aktorik könnten Brände früh erkennen und unmittelbar gegensteuern – etwa durch adaptive Rauchsteuerung, gezielte Löschsysteme oder eine intelligente Evakuierungslenkung.

Michael Nowak ist Teamleiter Planung stationäre Löschanlagen bei Weiser GmbH Bandschutz und Technik. (Bild:  Weiser GmbH)
Michael Nowak ist Teamleiter Planung stationäre Löschanlagen bei Weiser GmbH Bandschutz und Technik.
(Bild: Weiser GmbH)
Die datenbasierte Prävention gewinnt an Bedeutung: digitale Zwillinge, Echtzeit-Sensorik und KI-gestützte Risikoanalysen ermöglichen es, Gefahrenpotenziale bereits vor der Entstehung zu minimieren.

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