Mit der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) wachsen die Anforderungen an öffentliche Gebäude auch in Deutschland. Bis 2028 sollen Energieverbräuche sinken, Emissionen reduziert und die Immobilien mit der niedrigsten Energieeffizienz modernisiert werden. Kommunen erhalten damit einen klaren Handlungsauftrag. Doch vielerorts fehlt es an belastbaren Daten über den eigenen Gebäudebestand.
Bis 2030 sollen die energetisch schlechtesten Nicht-Wohngebäude schrittweise modernisiert werden, während man neue öffentliche Bauvorhaben bereits ab 2028 als Nullemissionsgebäude errichten will.
(Bild: Mike van Schoonderwalt, Pexels)
Die europäische Klimapolitik erreicht zunehmend die kommunale Ebene. Die Energy Performance of Buildings Directive verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten dazu, den Energieverbrauch und die Emissionen im Gebäudesektor deutlich zu senken und die energetisch schlechtesten Gebäude im Bestand vorrangig zu sanieren. Für öffentliche Immobilien gilt dies bereits ab 2028. Sie sollen Energie effizienter nutzen, Emissionen reduzieren und langfristig den Weg zu einem klimaneutralen Bestand ebnen. Für Kommunen bedeutet dies, dass Schulen, Verwaltungsgebäude, Kitas, Sporthallen oder Kulturgebäude künftig deutlich stärker unter energetischen Gesichtspunkten bewertet und modernisiert werden müssen.
Viele Städte und Gemeinden stehen heute vor der Aufgabe, umfangreiche Klimaziele umzusetzen, ohne den energetischen Zustand ihres Immobilienbestands vollständig zu kennen.
Nach der Einschätzung von Thorsten Harig, Co-Founder und Geschäftsführer der Plan4 Software GmbH, liegen Informationen zu Gebäudehüllen, U-Werten, Energieverbräuchen, technischen Anlagen oder den Kosten möglicher Sanierungsmaßnahmen häufig nur teilweise vor oder sind über verschiedene Systeme verteilt. Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Digitalisierung kommunaler Gebäudeverwaltung und der Entwicklung datenbasierter Entscheidungsgrundlagen für öffentliche Liegenschaften.
EU-Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck auf öffentliche Gebäude
Die EPBD verschiebt die Diskussion von langfristigen Klimazielen hin zu konkreten Sanierungsentscheidungen. Bis 2030 sollen die energetisch schlechtesten Nichtwohngebäude schrittweise modernisiert werden, während neue öffentliche Bauvorhaben bereits ab 2028 als Nullemissionsgebäude errichtet werden sollen. Öffentliche Eigentümer müssen zunehmend bewerten können, welche Immobilien den größten Energieverbrauch verursachen, welche Maßnahmen die höchste CO₂-Einsparung ermöglichen und wie Investitionen priorisiert werden sollen. Dafür werden insbesondere energetisch ineffiziente Gebäude in den Fokus genommen. Öffentliche Immobilien stehen dabei unter besonderem Handlungsdruck, da für sie zahlreiche Anforderungen früher greifen als für andere Gebäudetypen.
Parallel gewinnen Themen wie kommunale Wärmeplanung, erneuerbare Energien und CO₂-Bilanzen an Bedeutung. Für viele Verwaltungen bedeutet dies, dass sie in den kommenden Jahren hunderte oder sogar tausende Immobilien bewerten und priorisieren müssen. Ohne belastbare Bestandsdaten können Städte und Gemeinden weder Sanierungsmaßnahmen priorisieren noch die Wirkung ihrer Investitionen belastbar bewerten.
Die politische Diskussion konzentriert sich häufig auf Fördermittel oder Sanierungsziele. In der Praxis beginnt die eigentliche Herausforderung jedoch deutlich früher: Kommunen müssen zunächst wissen, welche Gebäude den größten Handlungsbedarf haben und wo Investitionen die größte Wirkung erzielen.
Für Kommunen geht es dabei nicht nur um die Frage, ob saniert wird, sondern in welcher Reihenfolge. Nach Beobachtung von Harig fehlt vielen Städten und Gemeinden noch immer eine konsistente Datengrundlage für ihren Gebäudebestand. In vielen Kommunen existierten zwar Immobilienlisten, aber keine einheitlichen Informationen darüber, wie hoch der Energieverbrauch einzelner Objekte sei, welche Bauteile energetisch kritisch seien oder welche Sanierungsmaßnahmen den größten Effekt hätten, so Harig. Während die regulatorischen Anforderungen steigen, arbeiten viele Kommunen weiterhin mit verstreuten Bestandslisten, Einzelgutachten oder historischen Dokumentationen. Dadurch entsteht ein fragmentiertes Bild des Bestands.
Themen wie kommunale Wärmeplanung, erneuerbare Energien und CO₂-Bilanzen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
(Bild: Ron Lach, Pexels)
Ob zunächst eine Schule, eine Sporthalle oder ein Verwaltungsgebäude modernisiert werden sollte, entscheidet zunehmend über die Wirksamkeit von Investitionen und die Erreichung kommunaler Klimaziele. „Wenn belastbare Daten fehlen, werden Maßnahmen unter Umständen dort umgesetzt werden, wo der Handlungsdruck gerade am größten erscheint, aber nicht zwingend dort, wo die energetische Wirkung am höchsten wäre“, erläutert Harig. Gerade vor dem Hintergrund begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen wird die Frage nach einer nachvollziehbaren Priorisierung immer wichtiger. Klimastrategien, Sanierungsfahrpläne und Investitionsentscheidungen müssen auf einer konsistenten Datengrundlage aufbauen, um wirksam gesteuert werden zu können.
Digitale Gebäudedaten als Grundlage der Klimawende
Aus dieser Entwicklung heraus gewinnen digitale Werkzeuge für die Gebäudebewertung an Bedeutung. Sie sollen Kommunen dabei unterstützen, Zustandsdaten, Energiekennzahlen, CO₂-Potenziale und Investitionsbedarfe erstmals vergleichbar auszuwerten. Mit seiner Software Gebäude Check verfolgt Plan4 das Ziel, diese Informationen in einer einheitlichen Plattform zusammenzuführen und daraus belastbare Entscheidungsgrundlagen abzuleiten. Dadurch sollen Kommunen einen strukturierten Überblick über ihre Liegenschaften erhalten und Maßnahmen nachvollziehbar steuern können. Erst wenn Immobilienzustände, Energieverbräuche und Sanierungspotenziale transparent vorliegen, lässt sich beurteilen, welche Maßnahmen den größten Beitrag zu den kommunalen Klimazielen leisten. Die Digitalisierung von Gebäudedaten entwickelt sich damit zunehmend von einer Verwaltungsaufgabe zu einer Voraussetzung für die Umsetzung kommunaler Klima- und Sanierungsstrategien.
Stand: 16.12.2025
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Die Zitate stammen vom Autor: Thorsten Harig, Geschäftsführer Plan4 Software GmbH.
Nachhaltigkeit beginnt mit Messbarkeit, nicht mit Zielbildern. Die Zusammenführung von Zustandsdaten, Energiekennzahlen und Investitionsbedarfen soll Verwaltungen dabei unterstützen, Sanierungsmaßnahmen auf einer belastbaren Datengrundlage zu bewerten.