Urbaner Wohnungsbau in der Hamburger Hafencity Eleven Decks: Ein neues Stück Stadt

Von Regine Appenzeller 3 min Lesedauer

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Mit dem Projekt Eleven Decks entstand in der Hamburger Hafencity auf einer Konversionsfläche des ehemaligen Hafengebiets der größte frei finanzierte Wohnungsbau Hamburgs. Zentraler Bestandteil des Konzepts ist die Fassade, die neben ihrer markanten Architektur vielfältige bauphysikalische Aufgaben übernimmt – unterstützt durch Schiebe-Dreh-Systeme als Prallscheiben, die als Schall- und Windschutz an den Loggien zum Einsatz kommen.

Filigrane Prallscheiben in  die Loggien dienen dem Schallschutz und verbessern zugleich als Windschutz die Aufenthaltsqualität. (Bild:  Daniel Sumesgutner für Solarlux GmbH)
Filigrane Prallscheiben in die Loggien dienen dem Schallschutz und verbessern zugleich als Windschutz die Aufenthaltsqualität.
(Bild: Daniel Sumesgutner für Solarlux GmbH)

Auf einem Teilareal des Westfield Hamburg-Überseequartiers entstand mit Eleven Decks ein neues Stück Stadt. Der insgesamt rund 31.600 Quadratmeter umfassende Gebäudekomplex umfasst 306 Wohneinheiten – von kompakten Apartments bis zu großzügigen Penthouses mit begrünten Dachterrassen – und bietet rund 21.000 Quadratmeter Wohnfläche. Die Wohnungen beginnen ab dem ersten Obergeschoss und liegen über gewerblich genutzten Erdgeschosszonen, die zur Belebung des Quartiers beitragen. Der elfgeschossige, nach Süden terrassierte Baukörper reagiert auf die komplexe Grundstücksgeometrie und die umliegende dichte Bebauung mit einer plastisch gegliederten Architektur, abgestuften Freiräumen und einem begrünten Innenhof. 

Herausforderung: Grundstück

Das Baufeld stellte hohe Anforderungen an den Entwurf und die Planung. Ursprünglich für zwei Bürohäuser vorgesehen, wurde es verkleinert und erhielt eine unregelmäßige Form. „Die größte Herausforderung bestand darin, qualitätvolles Wohnen auf einem eigentlich dafür ungeeigneten Grundstückszuschnitt neu zu denken", erläutert Architekt Carsten Roth. Durch eine Staffelung des Baukörpers nach Süden und die Anhebung der nördlichen Traufhöhe auf über 30 Meter gelang es, die Enge des Innenhofs aufzulösen und zugleich eine markante Silhouette zu formen. Der Gebäudekomplex schafft differenzierte Außenräume, gute Belichtungsverhältnisse und vielfältige Bezüge zwischen privatem und öffentlichem Raum. Insgesamt entstanden rund 3.500 Quadratmeter begrünte Dach- und Hofflächen, die dem geringen Grünanteil in der HafenCity entgegenwirken und den ökologischen Anspruch des Projekts unterstreichen.

Eleven Decks: Räume für Gemeinschaft und Vielfalt

Bei Eleven Decks stehen gemeinschaftlich orientierte Wohnformen und differenzierte Nutzungsmöglichkeiten im Mittelpunkt. „Das Konzept setzt Impulse für neue Wohnformen in Deutschland“, erklärt Carsten Roth. Insgesamt 39 Grundrissvarianten bieten Wohnraum für unterschiedliche Lebensentwürfe – vom Single bis zur Familie. Neben den privaten Wohnungen ergänzen gemeinschaftlich nutzbare Flächen das Angebot: Co-Working-Spaces, Fitness- und Yogaräume, eine offene Küche mit Essbereich, eine Bar, eine Lounge und eine Spielzone schaffen Orte für Austausch und Begegnung. Durch die gemeinsame Nutzung dieser Bereiche sind kompaktere Wohnungstypen möglich, ohne dass die Wohnqualität gemindert wird. Zugleich wird das soziale Miteinander im Haus gefördert.

Detail der  barrierefreien Bodenschiene mit 15 Millimeter starker ESG-Verglasung und polierten Glaskanten.(Bild:  Daniel Sumesgutner für Solarlux GmbH)
Detail der barrierefreien Bodenschiene mit 15 Millimeter starker ESG-Verglasung und polierten Glaskanten.
(Bild: Daniel Sumesgutner für Solarlux GmbH)

Architektur und Fassade 

Die Architektur des Gebäudes ist geprägt durch eine klare horizontale Gliederung, abgetreppte Terrassen und die markante Materialität des durchgefärbten roten Sichtbetons. Eine komplexe Matrix aus gedrehten und unterschiedlich ausgebildeten Fassadenelementen sorgt zudem für Privatsphäre auf den Loggien und vermittelt trotz der Größe des Baukörpers ein hohes Maß an Individualität. Eine besondere Herausforderung war die lärmbelastete Lage im Hafenquartier sowie die hohen Brandschutzanforderungen – teilweise bis zum Hochhausbereich. „Die hochkomplexe Fertigteilfassade löste diese Themen“, erläutert Architekt Carsten Roth, „sie ist gebauter Brandschutz und schützt vor Lärmimmissionen durch bewegliche Prallscheiben.“ 

Verglaste Loggien für Eleven Decks

Als raumhohe oder auf Stahlbetonbrüstungen montierte Prallscheiben kamen bei Eleven Decks die Schiebe-Dreh-Systeme Proline T und – für höhere statische Anforderungen – Proline T Mega von Solarlux zum Einsatz. Je nach Ausführung erreichen sie ein bewertetes Schalldämmmaß Rw von bis zu 30 dB. Dank schmaler Rahmenprofile und senkrecht rahmenloser Verglasungen ermöglichen sie eine hohe Transparenz und eröffnen insbesondere aus den oberen Geschossen ungehinderte Ausblicke über das Hafenbecken, zur Elbe und bis zur Elbphilharmonie. Für die Architekten war vor allem der durchdachte Öffnungsmechanismus ausschlaggebend: Oben eingehängt und unten in einer barrierefreien Bodenschiene geführt, lassen sich die Glaselemente leicht zur Seite schieben und um 90 Grad herausdrehen. So können sie auf ihrer Außenseite gefahrlos gereinigt und platzsparend als schmales Glaspaket geparkt werden. 

Entscheidend für die Wahl  des Schiebe-Dreh-Systems Proline T war der Öffnungsmechanismus,  der auch die sichere Reinigung von außen ermöglicht.(Bild:  Daniel Sumesgutner für Solarlux GmbH)
Entscheidend für die Wahl des Schiebe-Dreh-Systems Proline T war der Öffnungsmechanismus, der auch die sichere Reinigung von außen ermöglicht.
(Bild: Daniel Sumesgutner für Solarlux GmbH)

Systemwahl nach Windlastzonen

Ein wesentlicher technischer Aspekt war die projektspezifische Anpassung der Verglasungen an die unterschiedlichen Windlastzonen der Fassade. Dies wurde durch das modulare Baukastenprinzip ermöglicht, auf dem die Produktlinie basiert. Bei Eleven Decks sind die Windlasten in den Randbereichen und in den oberen Geschossen deutlich höher als im sogenannten Regelbereich der Fassadenmitte. Diese Unterschiede wurden konstruktiv berücksichtigt: Im Regelbereich kam das System Proline T mit 12 mm starker ESG-Verglasung zum Einsatz, während in den exponierten Zonen sowie ab dem siebten Obergeschoss die verstärkte Systemvariante Proline T Mega verwendet wurde. Deren statisch optimierte Rahmenprofile und die 15 mm starke ESG-Verglasung – gewählt unter Berücksichtigung der maximal zulässigen Spannung – gewährleisten die erforderliche Stabilität bei einem maximalen Windsog von –1,9 kN/m². 

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