Interview mit Tobias Beuler, Experte, Autor und Speaker für Bauen und Wohnen Das Haus der Zukunft kann auch Sommer

Von Regine Appenzeller 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Klimawandel verändert die Anforderungen an Gebäude grundlegend: Während jahrzehntelang der Fokus auf Heizkosten und Wintertauglichkeit lag, wird sommerlicher Hitzeschutz zunehmend zum entscheidenden Qualitätsfaktor. In einem aktuellen Interview zeigt Bau-Experte Tobias Beuler praxisnah, wie Neubauten und Bestandsimmobilien auf Hitze, Starkregen und neue klimatische Realitäten vorbereitet werden können – von intelligenter Verschattung über geeignete Dämmstoffe bis hin zur strategischen Dachsanierung.

Klimakomfort ist längst kein Nice-to-have mehr.   (Bild:  Pixabay/Pexels)
Klimakomfort ist längst kein Nice-to-have mehr.
(Bild: Pixabay/Pexels)

Früher ging es beim Hausbau vor allem um Kälte. Haben wir das Thema Hitze schlicht verschlafen?

Tobias Beuler: „Absolut. Jahrzehntelang war die Devise: Hauptsache im Winter wird’s warm und die Heizkosten bleiben niedrig. Entsprechend sind viele Gebäude echte Energiesparmeister – allerdings eher für den Januar als für den Juli. Die Folge: Im Sommer werden manche Neubauten zur unfreiwilligen Sauna. Die zunehmenden Hitzewellen machen jedoch deutlich, dass Klimakomfort längst kein „Nice-to-have“ mehr ist, sondern ein entscheidendes Qualitätskriterium.“ 

Was sollte ich beim Neubau konkret anders machen, damit das Haus auch bei 35 Grad kühl bleibt?

„Entscheidend ist, Hitze gar nicht erst ins Gebäude zu lassen. Eine durchdachte Bauweise übernimmt dabei den größten Teil der Arbeit, etwa durch großzügige Dachüberstände, die Fassade und Fenster vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. In Kombination mit geeigneten Dämmstoffen lässt sich der Wärmeeintrag deutlich verzögern. Hochwertige Dämmungen wie die Holzspäne-Dämmung können dafür sorgen, dass sich die Hitze erst zeitversetzt bemerkbar macht, oft erst dann, wenn es draußen bereits wieder abgekühlt ist. So bleiben Innenräume auch ohne Klimaanlage erstaunlich stabil temperiert.“

Und was gilt für Käufer von Bestandsimmobilien oder Sanierer? 

„Hier lohnt sich der Blick auf die Gebäudehülle mehr als auf die Oberfläche. Gerade das Dach bietet enormes Potenzial, um energetisch und klimatisch nachzurüsten. Wer ohnehin saniert, kann Dämmung, Tragfähigkeit und die Vorbereitung für Photovoltaik sinnvoll kombinieren. Ergänzend helfen außenliegende Verschattungen, moderne Fenster oder auch Begrünungskonzepte. Der Unterschied ist spürbar. Eine rein optische Sanierung verbessert das Erscheinungsbild, eine klimaorientierte Sanierung den Wohnkomfort und die Zukunftsfähigkeit.“

Klimawandel bedeutet ja auch Starkregen. Was sollten Eigentümer dabei berücksichtigen? 

„Wasser ist für Gebäude oft das größere Risiko als Hitze. Deshalb sollte man Grundstück und Haus ganzheitlich betrachten. Ein größerer Dachüberstand hält Regen besser von der Fassade fern. Eine leicht erhöhte Bauweise kann bei Starkregen entscheidend sein. Gleichzeitig lohnt es sich, Regenwasser gezielt zu nutzen. Zisternen ermöglichen es, Wasser zu speichern und später im Garten oder im Haushalt einzusetzen. Das senkt Kosten und verbessert zugleich das Mikroklima rund ums Haus.“ 

Ihr wichtigster Rat für alle, die gerade kaufen oder bauen wollen?

„Der Blick sollte über den reinen Kaufpreis hinausgehen. Entscheidend ist, wie gut eine Immobilie mit den klimatischen Veränderungen der nächsten Jahrzehnte umgehen kann. Viele Maßnahmen verursachen zunächst Mehrkosten, zahlen sich aber langfristig aus. Sie senken den Energiebedarf, erhöhen den Wohnkomfort und schützen vor Schäden. Oder etwas zugespitzt formuliert, angelehnt an mein neues Buch ‚Kauf kein Scheiß‘: Lieber einmal klug investieren als später im eigenen Haus ins Schwitzen kommen.“ 

Fünf Tipps von Tobias Beuler

  • Halten Sie Hitze möglichst draußen, statt sie später energieintensiv wegzukühlen. Verschattungselemente, durchdachte Gebäudeausrichtung und ausreichend große Dachüberstände leisten hier einen entscheidenden Beitrag.
  • Denken Sie Dämmung ganzheitlich und nicht nur für den Winter. Hochwertige, möglichst natürliche Materialien können den Wärmeeintrag im Sommer deutlich verzögern und sorgen ganzjährig für ein angenehmes Raumklima.
  • Nutzen Sie eine Dachsanierung strategisch. Wenn das Dach ohnehin erneuert wird, lassen sich Tragfähigkeit, Photovoltaik und ein verbesserter Hitzeschutz sinnvoll miteinander kombinieren. 
  • Gehen Sie bewusst mit Regenwasser um. Statt es einfach abzuleiten, kann es gespeichert und für Garten oder Haushalt genutzt werden, was Kosten senkt und gleichzeitig das Mikroklima verbessert. 
  • Planen Sie Immobilien konsequent klimafit. Berücksichtigen Sie bereits beim Kauf oder Neubau Themen wie Starkregen, Hitzeperioden und zukünftige Anforderungen, um langfristig besser geschützt zu sein. 

Weitere Informationen finden Sie unter https://www.hausbauexperte.net/ 

Tobias Beuler
Tobias Beuler ist ein deutscher Bausachverständiger, Unternehmer und Bau-Influencer im deutschsprachigen Raum. Er gründete unter anderem die Plattformen „Hausbauexperte“, „Fertighausexperte“ sowie die Architekturplattform „A better place“ und begleitet seit mehr als 25 Jahren Bauprojekte in ganz Europa. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen die Beratung von Bauherren, die Aufdeckung von Vertragsfallen und Baumängeln sowie die transparente Aufklärung über Kosten und Risiken beim Hausbau. Gemeinsam mit seinem Team hat er über 10.000 Bauprojekte begleitet und erreicht über digitale Kanäle täglich hunderttausende Interessierte. Darüber hinaus tritt Beuler regelmäßig als Experte in Medien wie ARD, NTV, Capital oder Focus Online auf. Mit Vorträgen, Interviews und Fachbeiträgen setzt er sich besonders für nachhaltiges Bauen, Verbraucherschutz und praxisnahe Aufklärung in der Baubranche ein.

Bildquelle: Steffen Roth

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung