Elf und neun Stockwerke hoch sind die beiden Wohnbereiche, dazwischen ein Funktionstrakt und eine Tiefgarage. Das Wohnheim mit 720 Wohneinheiten ist das höchste Gebäude in Europa, das in Modulbauweise errichtet wurde. Diese Bauweise ermöglicht besonders kurze Bauzeiten und parallele Fertigungsschritte. Für den Brandschutz haben die Sicherheitsexperten der Heckermann Objektschutz GmbH & Co.KG auf die Lösungen von Hertek gesetzt.
Das Studierendenwohnheim in Bochum mit 720 Wohneinheiten ist das höchste in Modulbauweise errichtete Gebäude in Europa.
(Bild: Daiwa House Modular Europe GmbH)
Für das Wohnheim wurde ein Brandmeldekonzept erstellt, das eine flächendeckende Überwachung nach DIN 14675 Kategorie 1 Vollschutz vorsieht. Hier steht der Schutz von Personen im Vordergrund, und deshalb werden alle Gebäudeteile einbezogen. Das gesamte Gebäude ist mit einer dynamischen Alarmierungsanlage nach DIN VDE 0833 ausgestattet. Im Brandfall erfolgt die Alarmierung geschossweise, und zwar zunächst die betroffene Etage sowie die darüber und darunter liegende. Dies erleichtert eine eventuell nötige Evakuierung und trägt dazu bei, Panik zu vermeiden.
Für Sonderbauten, hierzu zählt das Wohnheim als Hochhaus, ist seitens der Bauordnung eine Brandfallsteuerung vorgeschrieben. Sie übernimmt das automatische Auslösen von Sicherheitsfunktionen. Zum Beispiel fahren Aufzüge bei einem Brand ins Erdgeschoss. Sollte allerdings von dort aus die Brandmeldung erfolgt sein, leitet die teildynamische Brandfallsteuerung sie ins 1.OG. Die Türen müssen offenstehen, damit die Rettungskräfte die Kabine überprüfen können. Weitere automatisierte Schutzmechanismen, die die Brandfallsteuerung „übernimmt“, sind das Abschalten der Lüftung oder die Aktivierung von Brandschutzklappen. In den Treppenhäusern und vor den Aufzügen verhindert ein erhöhter Luftdruck, dass Rauch in die Fluchtwege gelangt.
In jedem Hochhaus ist ein Aufzug als Feuerwehraufzug eingerichtet worden. Er verfügt über eine eigene Bedienebene, mit der die Feuerwehr ihn aus der Brandfallsteuerung herausnehmen und für Evakuierung oder Löschangriffe nutzen kann. Die Aufzugschächte sind brandschutztechnisch getrennt und verzögern aufgrund ihrer baulichen Beschaffenheit einen Brandüberschlag über die Etagen.
Passende Melder für jeden Bereich
In den Wohnbereichen und auf den Fluren sind intelligente Mehrkriterienmelder installiert. Diese sind besonders gut geeignet, Täuschungsalarme zu vermeiden. Dazu gleicht der Melder unterschiedliche Sensorsignale ab, zum Beispiel optische und thermische. Erst wenn beide Signale übereinstimmend auf einen Brand hinweisen, löst der Melder einen Alarm aus. Einige Typen verfügen zusätzlich über einen CO-Sensor, der auch Brandgase erkennt.
In den Aufzugsschächten wurden Rauchansaugsysteme (RAS) installiert. RAS werden dort eingesetzt, wo Melder schlecht zugänglich wären. Das vereinfacht die Wartung.
In der Tiefgarage kommen lineare Wärmemelder zum Einsatz.
(Bild: Daiwa House Modular Europe GmbH)
Auch die Tiefgarage ist in das Brandmeldesystem eingebunden. Hier sind die linearen Sensorthermomelder besonders geeignet, weil sie unempfindlich gegen Abgase und Feuchtigkeit sind. Temperaturanstiege erfassen diese auch Wärmemelderkabel genannten Melder über ihre gesamte Länge.
Das Rauch- und Wärmeabzugskonzept umfasst sowohl natürliche Rauchabzüge in den Treppenhäusern als auch eine maschinelle Druckbelüftung der Fluchtwege. Die Brandmelderzentrale steuert gezielt einzelne Abschnitte beziehungsweise Etagen mit der Belüftung an und vermeidet so, dass Rauch in nicht betroffene Gebäudeteile gelangt. Mit dieser Technik bleiben die benötigten Fluchtwege zuverlässig rauchfrei. In allen Fluchtwegen befinden sich zusätzlich zu den automatischen Systemen auch manuell zu bedienende Melder.
Brandschutz: Herzstück der Anlage
Vier vernetzte Penta 5845-Brandmelderzentralen mit insgesamt 32 Ringen bilden das Herzstück der gesamten Brandmeldeanlage. Sie verfügen über eine redundante Ansteuerung der Übertragungseinrichtung. Intelligente Isolatoren lokalisieren jede angeschlossene Komponente schnell und eindeutig. Im gesamten Wohnheim sind ca. 2.000 Melder angebracht worden. Die Visualisierung erlaubt neben der Überwachung vor Ort auch die Fernwartung und Überwachung.
Das Schlüsseldepot für die Feuerwehr befindet sich direkt vor dem Eingang zum Gebäude. Über 400 Laufkarten und Einsatzpläne dienen der Koordination des Einsatzes. Die Brandmelderzentrale stellt alle Informationen über Ort und Art des Alarms zur Verfügung.
Brandschutz stärkt: Erste TMO‑Anbindung in Bochum sichert BOS‑Funk
Der beste Alarmplan und die beste Vorbereitung helfen nicht, wenn die Einsatzkräfte im Gebäude nicht untereinander oder mit der Einsatzleitung kommunizieren können. Dies kann der Fall sein, wenn das Gebäude zu stark abschirmt und etwa Mobilfunknetze versagen. Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie Feuerwehr oder Polizei verwenden deshalb ein nicht öffentliches digitales Funknetz. Im Bochumer Wohnheim ist eine Objektfunkanlage mit TMO-Netzanbindung installiert – die erste Anlage mit dieser Anbindung im Raum Bochum. TMO steht für Trunked Mode Operation, Netzmodus mit Gegensprechen. Es erlaubt den ungehinderten Austausch von mehreren Teilnehmern. TMO basiert auf Tetra, dem einheitlichen Standard für Bündelfunk.
Überblick muss sein
Die parallele Vorinstallation der TGA in die einzelnen Module schon während der Rohbauphase erfordert Überblick und Umsicht auf Planerseite. Alle Schnittstellen müssen definiert und Installationsprozesse abgestimmt werden. Andreas Brückner, Prokurist bei Heckermann Objektschutz, dem ausführenden Facherrichter, verlässt sich schon lange auf die Lieferfähigkeit von Hertek. „Ich bekomme meine benötigten Teile kurzfristig und bereits in der gewünschten Konfektionierung auf die Baustelle geliefert. Bei Hertek weiß ich, dass alle Komponenten zueinander passen und die Integration funktioniert.“
Stand: 16.12.2025
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