Sechs Experten im Gespräch

Brandschutz als Führungsaufgabe

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Marcel Bailey, Geschäftsführer CWA Cellulosewerk Angelbachtal GmbH

1. Schon in der Planungsphase können geprüfte Aufbauten in den Prozess integriert werden. Diese stehen bei den Herstellern aber auch in diversen Datenbanken zur Verfügung. Somit sind die Änderungen nicht erst nach der Planung vorzunehmen, sondern aktiv einzubringen. Die Regularien für zum Beispiel die Feuerwiderstandsklassen sind in diesen Bereichen bekannt. Das macht es nicht nur einfacher, sondern auch genauer, weil dadurch dann keine Extrakosten für das Erreichen der Brandschutzanforderungen mehr entstehen.

2. Die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle, da zukünftig die geprüften Systeme über diese Anwendungen einfach nachvollziehbar sind und die Kommunikation zwischen den einzelnen Parteien damit erheblich erleichtern. Aktuell ist es immer wieder der Fall, dass alles einzeln nachgewiesen werden muss und somit ein erheblicher Verwaltungsaufwand entsteht, der durch die Digitalisierung einfach adressiert werden kann. Bestehende Aufbauten werden immer noch durch diverse unterschiedliche Materialien ausgebremst, obwohl diese zum Beispiel durch genormte Prüfergebnisse einfach übertragbar wären.

3. Das Problem ist relativ einfach: Es gibt viele Normen, die heute nicht mehr auf die Materialien zugeschnitten sind, sondern einfach auf andere Materialien übertragen werden, weil es keine passenden Prüfregularien gibt. Nehmen wir mal das Beispiel Einblasdämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Die müssen in einer offenen Wand selbststehend geprüft werden, obwohl diese im Haus so nie zu Einsatz kommen würden. Gerade in der Praxis aber haben diese gezeigt, welch hohes Feuerwiderstandspotenzial diese Materialien haben. Sie werden also durch solche Normen benachteiligt. Gerade jetzt in Zeiten, in denen uns die Nachhaltigkeit der Baustoffe bedingt durch endende Rohstoffe immer wichtiger werden, müssen diese Aspekte neu überdacht werden. So ist es doch ohne Probleme möglich, Aufbauten aus Holz und Zellulose etwa, die CO2-positiv sind, als Brandschutzwand zu konzipieren.

4. Ich denke, so einfach ist das nicht zu definieren, da die meisten Brände ja nicht wirklich über Baustoffe oder deren Aufbauten entstehen, sondern im Allgemeinen durch Wohnraumbrände oder Fassadenbrände durch Brandstiftung oder Unachtsamkeit. Es gibt aber heute schon diverse Warnmeldesysteme wie Feuermelder oder im öffentlichen oder industriellen Bereich Brandmeldeanlagen mit Löschanlagen gekoppelt. Es muss – wie auch heute schon – immer Primär das Ziel sein, alle Menschen aus dem Gebäude zu bekommen. Hierfür bedarf es gekennzeichneter Fluchtwege und Ausweichmöglichkeiten. Zudem Materialien, die keine giftigen Stoffe ausgasen oder direkt schmelzen. Ein selbstlöschendes Gebäude im privaten Bereich halte ich nicht für richtungsweisend, da der Schaden bei kleinen Bränden dann oft überdimensional sein könnte, wenn eine Löschanlage aktiv wird. Zudem sind die Integration und vor allem aber auch die Wartung solcher Anlagen zu teuer.

Marcel Bailey ist Geschäftsführer der  CWA Cellulosewerk Angelbachtal GmbH. (Bild:  CWA GmbH)
Marcel Bailey ist Geschäftsführer der CWA Cellulosewerk Angelbachtal GmbH.
(Bild: CWA GmbH)
Die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle, da zukünftig die geprüften Systeme über diverse Anwendungen einfach nachvollziehbar sind und die Kommunikation zwischen den einzelnen Parteien damit erheblich erleichtern.

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