Sechs Experten im Gespräch

Brandschutz als Führungsaufgabe

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Carsten Janiec, Leiter Vertriebsmanagement Brandschutzsysteme, Doyma GmbH & Co.

1. Brandschutz darf nicht als einschränkendes Korrektiv am Ende der Planung verstanden werden, sondern als integraler Bestandteil des Entwurfs von Anfang an. Wer schutzzielorientiert denkt, gewinnt Gestaltungsspielraum: transparente Brandschutzverglasungen statt massiver Wände, Abschottungssysteme in Leitungsanlagen garantieren Sicherheit ohne gestalterische Kompromisse. Entscheidend bleibt der fachübergreifende Prozess: Nur wenn Hochbauplaner, Fachplaner, Brandschutzingenieur und Ausführende von Leistungsphase 1 an zusammenarbeiten, wird Sicherheit zur gestalterischen Chance.

2. Digitalisierung verändert die Planung grundlegend. Nicht als Selbstzweck, sondern weil sie Möglichkeiten eröffnet, die über präskriptive Vorgaben hinausgehen. BIM führt dazu, dass Probleme auf Basis parametrischer Modelle frühzeitig erkannt werden: Kollisionen zwischen Leitungsführung und Brandschutzanforderungen werden automatisch gemeldet, nicht erst auf der Baustelle. KI-gestützte Risikoanalysen beginnen, wiederkehrende Planungsfehler frühzeitig zu identifizieren. Der tiefgreifendste Wandel betrifft die Zusammenarbeit: Konsistente Modelle zwingt Architekten, Fachingenieure, Brandschutzsachverständige und Behörden zur gleichzeitigen Auseinandersetzung mit denselben Daten. Brandschutz wird damit vom sequenziellen Prüfschritt zum kontinuierlichen Planungsbestandteil.

3. Holz und Brandschutz schließen sich nicht aus aber erfordern ein anderes Planungsverständnis. Holzbauten und Hybridkonstruktionen sind sicher nachweisbar. Die normative Entwicklung ist jedoch im Fluss: Die Muster-Holzbaurichtlinie wurde fortgeschrieben, die Länder folgen unterschiedlich schnell, nicht für jede Situation liegen gesicherte Standardlösungen vor. Deshalb ist frühe Kooperation zwischen den Planungs- und Baubeteiligen entscheidend. So können rechtzeitig Lösungen entwickeln werden. Das Ergebnis sind Gebäude, deren Brandschutzkonzept nicht trotz, sondern mit dem Material entwickelt wurde.

4. Die Grenzen zwischen Prävention und Reaktion werden verschwimmen: Anlagentechnik wird Brände antizipieren, bevor sie entstehen. Adaptive Brandfallsteuerungen sind keine Utopie mehr, stellen aber hohe Anforderungen an Konzeption und Zuverlässigkeit. Dennoch bleibt der bauliche Brandschutz das Rückgrat des Brandschutzes. Die Zukunft liegt in der Kombination: bewährte bauliche Maßnahmen, smarte Anlagen, organisatorischer Brandschutz usw.

Carsten Janiec ist  Leiter Vertriebsmanagement Brandschutzsysteme,  bei Doyma GmbH & Co. (Bild:  Doyma GmbH & Co.)
Carsten Janiec ist Leiter Vertriebsmanagement Brandschutzsysteme, bei Doyma GmbH & Co.
(Bild: Doyma GmbH & Co.)
Brandschutz fängt beim Entwurf an, da nur so das Höchstmaß an Sicherheit effektiv und effizient erreicht wird.

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