Sechs Experten im Gespräch

Brandschutz als Führungsaufgabe

< zurück

Seite: 2/7

Anbieter zum Thema

Odette Splanemann, Geschäftsführerin BSSP Brandschutzplan GmbH

1. Der Fachplaner für Brandschutz sollte von der ersten Planungsidee an mit am Tisch sitzen. Das ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass der Brandschutz integrativer Teil der Planung und nicht notwendiges Übel ist. Schon bei Grundsatzentscheidungen ist die richtige brandschutztechnische Einordnung wegweisend. Kann das Stahltragwerk mittels zu genehmigender Abweichung ohne Feuerwiderstandsdauer erstellt werden? Kann das Holztragwerk großflächig gezeigt werden? Kann auf Feuerwehrflächen oder streng ausgelegte Rettungswege zugunsten alternativer Lösungen verzichtet werden? Eine frühzeitige Beantwortung dieser Fragen kann den architektonischen Ansatz frühzeitig öffnen und unterstützen.

2. Architektur- und Ingenieurbüros sind zunehmend geschult in der Anwendung digitaler Arbeitsmethoden. Behörden ziehen nach, allerdings ist derzeit an vielen Stellen noch Standard, Bauvorlagen nach Bauvorlagenverordnung, oftmals noch in Papier vorzulegen, was bei Simulationen natürlich nur bedingt sinnvoll ist. Tatsächlich ist es so, dass moderne Technologien wie etwa intelligente Kamerasysteme bereits eine, wenn auch bisher außerhalb der Gesetzgebung, relevante Rolle bei der Sicherheitsplanung von Gebäuden spielen. Kamerasysteme können große Bereiche wirksam überwachen und durch Einsatz von KI etwaige Brandentwicklungen in sehr frühem Stadium erkennen. Virtuelle Fluchtwegsimulationen sind aus der modernen Gebäudeplanung nicht mehr wegzudenken. Sind BIM-Gebäudemodelle vorhanden, können diese direkt als Gebäudemodell für die Simulation verwendet werden. Oftmals ist die Entfluchtung abhängig von der Rauchentwicklung im Gebäude, beides wird dann Hand in Hand simuliert und berechnet, die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Planung ein. Hier insbesondere bei Rettungswegbreiten, Tür- und Treppenbreiten, Anordnung von Rauchableitungseinrichtungen, baulich oder maschinell, Anordnung von Rauchlenkungseinrichtungen wie Rauchschürzen und vielem mehr.

3. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Brandschutz und Holzbau kein Widerspruch sind. Zum einen werden immer anspruchsvollere Gebäude in Holzbauweise realisiert, zum anderen sind Forschung und Gesetzgebung mit hohem Tempo daran, Holzbauweisen zu etablieren und zur Vereinfachung der Planung in der Baugesetzgebung zu verankern. Unter anderem seien hier die Holzbauoffensive „Auf Holz Bauen“ der Landesregierung Baden-Württemberg genannt oder die umfassende Forschung zum Thema Holzbau der TU München.

Hochhäuser in Holzbauweise oder Versammlungsstätten, die sich über mehrere zehntausend Quadratmeter erstrecken, sind keine Seltenheit mehr. Dies ist nur möglich, wenn der Brandschutz im Holzbau von Anfang an planerisch so mitgedacht wird, dass die Vorteile der Holzbauweise optimal ausgenutzt werden und ihr „Nachteil“ der Brennbarkeit nicht im Nachgang anlagetechnisch aufwändig zu kompensieren ist. Ein wesentlicher Baustein ist hier die Wahl des richtigen Baustoffs für die jeweilige Aufgabe. Hybridbauweisen können dieses Ziel gut erfüllen, sind aber brandschutztechnisch aufgrund der Menge an Detailanschlüssen mit unterschiedlichen Materialien herausfordernd.

4. Ganz klar beides. Es wäre unklug, die technischen Möglichkeiten, die der Einsatz intelligenter Systeme bietet, nicht vollständig zur Verbesserung von Sicherheitsstandards und zur Reduzierung von Ressourcen zu verwenden. Hier zeichnen sich bereits heute technische Möglichkeiten ab, deren Einsatz vor ein paar Jahren noch außerhalb des Vorstellbaren waren. Notwendig ist natürlich, für deren Einsatz fortlaufend und zeitgerecht den jeweils notwendigen bauordnungsrechtlichen Rahmen zu schaffen.

Datenbasierte Risikoanalyse wird in deutlich stärkerem Umfang als bisher Eingang in die brandschutztechnische Fachplanung und mittelfristig in die bauordnungsrechtliche Gesetzgebung finden. Was die Lebenserfahrung der Menschen in der Vergangenheit war, wird zukünftig – unterstützend auch – die datenbasierte Risikoanalyse sein. Dies ist auch vor allem deshalb angezeigt und notwendig, weil sich Bauweisen und Bauprodukte viel schneller wandeln als in der Vergangenheit. Um deren Bewertung aktuell halten zu können, muss die Risikoanalyse mit dem technischen Fortschritt Schritt halten.

Odette Splanemann ist Geschäftsführerin bei BSSP Brandschutzplan GmbH. (Bild:  BSSP GmbH)
Odette Splanemann ist Geschäftsführerin bei BSSP Brandschutzplan GmbH.
(Bild: BSSP GmbH)
Virtuelle Fluchtwegsimulationen sind aus der modernen Gebäudeplanung nicht mehr wegzudenken. Sind BIM-Gebäudemodelle vorhanden, können diese direkt als Gebäudemodell für die Simulation verwendet werden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung