Revizto Market Survey 2026 Kontrolle ist das neue Wachstum

Verantwortliche:r Redakteur:in: Regine Appenzeller 3 min Lesedauer

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In der deutschen Planungs- und Baubranche verschiebt sich der Fokus 2026 spürbar: weg von reiner Digitalisierungseuphorie, hin zu mehr Governance, Konsolidierung und Steuerbarkeit. Die Revizto-Studie 2026 zeigt, dass Unternehmen in Deutschland überdurchschnittlich stark unter regulatorischem und nachhaltigkeitsbezogenem Druck stehen. Gleichzeitig berichten sie seltener von Lieferkettenproblemen als der globale Durchschnitt.

In einem Markt, der von steigender Komplexität, hoher Dokumentationslast und wachsendem Kostendruck geprägt ist, werden klare Mandate, verlässliche Standards und konsolidierte Tool-Landschaften zum zentralen Hebel für Produktivität.(Bild:  Revizto)
In einem Markt, der von steigender Komplexität, hoher Dokumentationslast und wachsendem Kostendruck geprägt ist, werden klare Mandate, verlässliche Standards und konsolidierte Tool-Landschaften zum zentralen Hebel für Produktivität.
(Bild: Revizto)

Die Revizto-Studie 2026 zeigt, dass ein zentrales deutsches Muster die Einführung neuer Technologien: betrifft. Nicht der Faktor Zeit ist hier das größte Hemmnis, sondern fehlende Verbindlichkeit. Deutsche Befragte nennen deutlich seltener Zeitmangel als größte Barriere für Technologie-einführung (25 Prozent Deutschland vs. 32 Prozent global), dafür aber überdurchschnittlich häufig das Fehlen klarer Policies oder Mandate (31 Prozent vs. 27 Prozent global). Deutschland gehört damit zu den Ländern mit der stärksten Governance-Herausforderung bei der Digitalisierung. Das spricht für einen Markt, in dem digitale Transformation nicht an grundsätzlicher Ablehnung scheitert, sondern an unklarer Steuerung: Tools sind verfügbar, doch ohne verbindlichen organisatorischen Rahmen bleibt ihr Nutzen begrenzt.

Rework und Komplexität: Probleme liegen früher im Prozess

Auch beim Thema Rework zeigt sich ein spezifisch deutsches Bild. Deutsche Unternehmen nennen seltener reine Ausführungsfehler als Ursache für Nacharbeit (28 Prozent Deutschland vs. 33 Prozent global), dafür häufiger Standortbedingungen und unerwartete Projektherausforderungen (46 Prozent vs. 41 Prozent global). Das deutet darauf hin, dass Rework in Deutschland weniger als handwerkliches Problem verstanden wird, sondern stärker als Folge upstream-orientierter Komplexität: also von Abstimmungsdefiziten, Planungsunsicherheiten und unzureichend antizipierten Rahmenbedingungen. „Gerade in einem globalen Umfeld mit unterschiedlichen Projektarten, lokalen Marktanforderungen und internationalen Stakeholdern ermöglicht uns Revizto, Risiken frühzeitig zu erkennen, fundierte Entscheidungen zu treffen und unsere Bauprojekte weltweit einheitlich nach unseren Standards umzusetzen. So werden Investitionen in Digitalisierung in messbaren Nutzen übersetzt und eine skalierbare, digitale Construction Governance ermöglicht. Das ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine notwendige Antwort auf die wachsenden Anforderungen unserer Märkte", sagt Martin Inden, DHL Vice President Global Construction.

Revizto-Studie 2026: Zwischen AI-Offenheit und analoger Realität

Auffällig ist: Deutschland gehört in der Befragung zu den AI-offensten Märkten. 50 Prozent der Befragten geben an, AI-Tools zu evaluieren oder zu testen (vs. 42 Prozent global), und 52 Prozent vereinfachen aktiv Tools und Workflows – jeweils Spitzenwerte im Ländervergleich. Gleichzeitig arbeitet der Markt operativ weiterhin stark zeichnungsbasiert. 46 Prozent der deutschen Befragten beschreiben ihre Organisation als „mostly drawing-based" – deutlich mehr als im globalen Durchschnitt (38 Prozent). Hybride Arbeitsweisen sind dagegen unterdurchschnittlich verbreitet (neun Prozent Deutschland vs. 18 Prozent global). Das macht deutlich: Deutschland ist strategisch offen für Innovation, operativ aber noch stark in traditionellen Projekt- und Dokumentationslogiken verankert. Gerade daraus entsteht Druck, digitale Prozesse nicht nur einzuführen, sondern strukturell anschlussfähig zu machen.

Datenkontrolle, Lizenzinflation und Konsolidierung

Besonders deutlich wird das in der CIO-Perspektive. Beim Thema Datenhoheit und Kontrolle gegenüber Technologieanbietern zeigt Deutschland die höchste Intensität im Ländervergleich: 32 Prozent der deutschen CIOs sind „extremely concerned", verglichen mit 14 Prozent global. Hinzu kommt wachsender wirtschaftlicher Druck auf die IT-Landschaft. 77 Prozent der deutschen CIOs berichten von steigenden Software- und Cloud-Lizenzkosten im vergangenen Jahr (vs. 66 Prozent global). Besonders häufig sind moderate Erhöhungen von unter zehn Prozent (60 Prozent Deutschland vs. 49 Prozent global), während „keine Veränderung" in Deutschland deutlich seltener genannt wird (acht Prozent vs. 17 Prozent global). Entsprechend klar fällt der strategische Ausblick aus: Deutschland ist ein Konsolidierungsmarkt. Nur sieben Prozent der CIOs wollen ihren Tool-Stack unverändert lassen, deutlich weniger als global (19 Prozent). Gleichzeitig planen überdurchschnittlich viele Unternehmen, ihre Softwarelandschaft zu reduzieren – sowohl moderat als auch substanziell. Das ergibt insgesamt einen klaren Netto-Konsolidierungstrend.

KI in Deutschland: Interesse ist da – der operative Beweis zählt

Beim Einsatz von KI zeigt sich ein differenziertes Bild. Deutschland wirkt weniger durch Regulierung blockiert als andere Märkte (18 Prozent Deutschland vs. 24 Prozent global), zugleich aber stärker gespalten zwischen Unternehmen, die noch nach einem klaren Use Case suchen (15 Prozentvs. 11 Prozent global), und jenen, die bereits konkreten Nutzen sehen (17 Prozent vs. zehn Prozent global). Das spricht für einen Markt in der Übergangsphase: KI wird nicht mehr primär als Zukunftsthema betrachtet, sondern zunehmend daran gemessen, ob sie in realen Projektumgebungen belastbaren Mehrwert liefert. „Die Ergebnisse zeigen klar: Der deutsche Markt ist nicht technikskeptisch, sondern entscheidungsorientiert. Unternehmen testen KI, vereinfachen Workflows und investieren in digitale Strukturen – aber unter der Bedingung, dass Governance, Datenkontrolle und Wirtschaftlichkeit mitgedacht werden. Wachstum entsteht 2026 nicht durch mehr Tools, sondern durch mehr Klarheit, Konsistenz und Kontrolle", sagt Arman Gukasyan, CEO von Revizto. 

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Methodik der Revizto-Studie 2026

Die Studie basiert auf einer Befragung von n=2.006 Teilnehmenden aus den USA, UK, Schweiz, Deutschland, Frankreich, Australien, Saudi-Arabien und den VAE. Befragt wurden unter anderem CIOs (n=600), Project Managers (n=504) sowie BIM/VDC Directors. Der vollständige Jahresreport wurde im April 2026 veröffentlicht. Weitere Informationen: www.revizto.com