Architektur / Ausstellung Kengo Kuma in Berlin: Zeichnung und Fotografie im Dialog

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 3 min Lesedauer

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Die Tchoban Foundation. Museum für Architekturzeichnung widmet dem japanischen Architekten Kengo Kuma und der Fotografin Erieta Attali eine gemeinsame Ausstellung. Gezeigt werden 86 Handzeichnungen und 18 Fotografien, die Architektur als sinnlichen und wandelbaren Prozess erfahrbar machen.

Wood / Pile, Pavillon, Krün 2018.(Foto:  Erieta Attali)
Wood / Pile, Pavillon, Krün 2018.
(Foto: Erieta Attali)

Mit der Ausstellung „Kengo Kuma – Der Fluss der Linien durch das Objektiv von Erieta Attali“ zeigt die Tchoban Foundation. Museum für Architekturzeichnung ab Juni 2026 einen umfassenden Einblick in das Werk des japanischen Architekten Kengo Kuma. Im Mittelpunkt stehen 86 Handzeichnungen, ergänzt durch 18 Fotografien der Künstlerin Erieta Attali.

Kuma zählt zu den international bekanntesten Architekten der Gegenwart. Zu seinen Projekten gehören unter anderem das Nationalstadion in Tokio, das V&A Dundee oder der Tiffany-Store im Tokioter Stadtteil Ginza. Die Ausstellung richtet den Blick jedoch weniger auf die fertigen Bauwerke als auf den kreativen Entstehungsprozess dahinter.

Villa Water / Glass

Der Entwurf dieser Villa orientiert sich wesentlich an der „Hyuga Villa“, dem einzigen Bauwerk, das Bruno Taut während seines Aufenthalts in Japan realisierte. Zugleich flossen zentrale Gedanken aus Tauts Architekturverständnis in das Projekt ein. Zwischen 1933 und 1936 lebte Taut in Japan und setzte sich intensiv mit dem Katsura-Palast auseinander, den er für sein besonderes Verhältnis von Architektur und Natur schätzte. Für ihn lag die Qualität des Ensembles darin, Natur nicht nur zu rahmen, sondern Architektur und Landschaft miteinander zu verbinden.

(Bild: Kengo Kuma)
(Foto: Erieta Attali)

Kapelle im Birkenwald

In Karuizawa entstand eine kleine Kapelle, deren Architektur bewusst darauf ausgelegt wurde, mit der umgebenden Birkenlandschaft zu verschmelzen. Durch die Verbindung von Stahl und Birkenstämmen entwickelte sich eine Konstruktion, die beinahe selbst wie Teil des Waldes wirkt. Die schlanken, scheinbar zufällig gesetzten Stützen erinnern an die feinen Äste der Birken und tragen das gläserne Dach der Kapelle. Dadurch löst sich die Grenze zwischen Gebäude und Natur nahezu auf. Auch im Inneren setzt sich dieses Konzept fort: Die Sitzbänke bestehen aus Glas und Acryl, während der Boden im Innen- und Außenbereich mit Moos gestaltet wurde. So entsteht der Eindruck, als würde die gläserne Kapelle selbst im Wald verschwinden. Entlang des Zugangs zur Kapelle empfängt eine Arbeit des Künstlers Jean-Michel Othoniel die Besucherinnen und Besucher.

(Bild: Kengo Kuma)
(Foto: Erieta Attali)

Victoria & Albert Museum in Dundee

Das Gebäude des Victoria & Albert Museum in Dundee liegt direkt am Ufer des River Tay und ist das erste Designmuseum Schottlands. Der Bau versteht sich als kulturelles Zentrum und als Verbindung zwischen Stadt, Landschaft und Wasser. Inspiriert von den Felsformationen der Orkney-Inseln entstand eine markante Fassade aus übereinandergeschichteten Fertigbeton-Elementen mit unterschiedlichen Winkeln. Dadurch erhält das Gebäude seine dynamische, natürliche Wirkung. Eine große Öffnung im Zentrum des Museums verbindet die Innenstadt mit dem Flussufer und greift damit die historische Beziehung Dundees zum Wasser wieder auf. Die Idee, Architektur durch Leerräume mit der Natur zu verbinden, verweist auf Prinzipien japanischer Shinto-Schreine. Im Inneren schaffen unregelmäßig angeordnete Paneele offene, großzügige Räume. Neben Ausstellungen finden hier auch Konzerte und Veranstaltungen statt, wodurch das Museum zugleich als öffentlicher Treffpunkt der Stadt dient.

(Bild: Kengo Kuma)
(Foto: Erieta Attali)

meditationsPavillon wood / Pile

Die Anlage gehört zum Spa-Resort Das Kranzbach in Krün, dessen Gäste den Pavillon für Yoga und Meditation nutzen können. Verwendet wurden Tannen aus der unmittelbaren Umgebung, die auf eine Breite von 30 Millimetern zugeschnitten und schichtweise wie kleine Äste übereinandergestapelt wurden. So entsteht ein fließender Übergang zwischen der Größe des Waldes und der kleineren architektonischen Struktur. Gleichzeitig wird der Mensch stärker mit der natürlichen Umgebung verbunden. Die feinen Holzelemente streuen das Licht, das durch das Oberlicht einfällt, und erzeugen damit einen Effekt, der an das japanische „Komorebi“ erinnert – jene Lichtstrahlen, die gefiltert durch Baumkronen im Wald entstehen.

(Bild: Kengo Kuma)
(Foto: Erieta Attali)

Eigenständige Arbeiten, nicht bloße Skizzen

Die gezeigten Zeichnungen sind überwiegend monochrom und mit Bleistift oder Kohle ausgeführt. Sie verstehen sich nicht als bloße Skizzen, sondern als eigenständige Arbeiten, in denen räumliche Ideen, Bewegungen und Materialität sichtbar werden.

Einen ergänzenden Blick auf Kumas Architektur eröffnet die Fotografin Erieta Attali, die zahlreiche Bauwerke des Architekten über Jahre hinweg begleitet hat. Ihre Fotografien konzentrieren sich auf Licht, Schatten, Oberflächen und die Beziehung zwischen Architektur und Umgebung. Dadurch entsteht ein dialogisches Zusammenspiel von Zeichnung und Fotografie.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Nadejda Bartels. Begleitend erscheint ein Katalog.

Ausstellung: Kengo Kuma – Der Fluss der Linien durch das Objektiv von Erieta Attali

13. Juni bis 13. September 2026

Tchoban Foundation. Museum für Architekturzeichnung

Öffnungszeiten: Mo–Fr 14–19 Uhr, Sa–So 13–17 Uhr

Eintritt: 6 Euro / ermäßigt 4 Euro

Podiumsdiskussion: 12. Juni 2026, 16 Uhr, Aedes Metropolitan Laboratory, Berlin

Eröffnung: 12. Juni 2026, 19 Uhr

Weitere Informationen: https://www.tchoban-foundation.de/

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