Fallen (Kosten, Prozesse) in der Baustellenlogistik Fit für den Upfit?

Ein Gastbeitrag von Manfred Godek 4 min Lesedauer

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Servicefahrzeuge und Werkstattwagen sorgen für effektive Prozesse und eine hohe Produktivität auf der Baustelle. So lautet der Plan. Fehler bei der Disposition, der Beschaffung und der Ausrüstung bewirken häufig das Gegenteil. Wie lässt sich die Fahrzeug-Supply-Chain am besten organisieren?

Servicefahrzeug auf der Baustelle.(Bild:  Smarterpix)
Servicefahrzeug auf der Baustelle.
(Bild: Smarterpix)

Es klingt nach böser Überraschung, ist aber in Wahrheit ein vertrauter Vorgang: Ein Fahrzeug ist bestellt und steht längst in den Einsatzplänen. Die werden aber schnell zu Makulatur, wenn sich die Auslieferung verzögert – zulasten dringend benötigter Servicekapazität. Dann steht die eine oder andere defekte Maschine erst einmal still – oder eine komplette Baustelle, wenn etwa der Baustrom ausgefallen ist. Der „Schuldige“ ist schnell gefunden: der Ausrüster. Die Ursache liegt häufig früher. Auf- oder Umrüstungen werden häufig zu spät oder zu kurzfristig geplant, falsch konfiguriert oder es werden in letzter Minute Änderungen vorgenommen. Dann wird aus einem Ausstattungsprojekt ein Koordinationsproblem – mit unnötigen Mehrkosten.

Richtig planen

Viele Betriebe machen den zweiten Schritt vor dem ersten. Sie entscheiden zuerst über Marke, Modell und Lieferant des Fahrzeugs und prüfen erst später, wenn der Liefertermin näher rückt, ob das Fahrzeug für den nutzungsgerechten Ausbau wirklich geeignet ist. Gewicht, Nutzlast, elektrische Einbauten, Ladungssicherung und Zulassung sind wichtige Details. „Wenn solche Punkte erst bei der Ausrüstung geklärt werden, gerät der gesamte Ablauf ins Stocken." Dann drohten Nacharbeiten, Verzögerungen oder Kompromisse, damit das Fahrzeug endlich eingesetzt werden könne, so Majk Strika, Geschäftsführer des auf Nutzflotten spezialisierten Fuhrparkmanagers und Leasinggebers Holman, und sagt weiter:

Hersteller drängen auf Serienlösungen, Ausrüster kalkulieren knapp und der Kunde sucht den niedrigsten Preis. Alles hat seine Berechtigung, muss aber in Einklang gebracht werden.
Majk Strika ist Geschäftsführer von Holman.(Bild:  Holman)
Majk Strika ist Geschäftsführer von Holman.
(Bild: Holman)

Verzögerungen entstehen häufig auch dadurch, dass im Produktionsverlauf Änderungen „auf Zuruf“ erfolgen, weshalb Fehler erst in der Endmontage auffallen. Werden Chassis und Upfitting getrennt eingekauft, bergen unterschiedliche Prüf- und Freigabeverfahren von Hersteller und Aufbaupartner zudem Haftungs- und Zulassungsrisiken. Zudem treffen verschiedene Interessen der Akteure aufeinander. 

Das gilt vor allem für das Verhältnis von Kosten und Nutzen. Zurzeit können beim Kauf von Transportern (Mai 2026) segmentübergreifend Rabatte im zweistelligen Prozentbereich erzielt werden, und zwar bei technisch vergleichbaren Fahrzeugalternativen verschiedener Hersteller.Gleiches gilt für Auf- und Ausbauten. Allerdings gehen rein preisbezogene Entscheidungen häufig zulasten der Funktionalität und der Haltbarkeit.

Scheinbar günstige Lösungen von der Stange erfüllen die tatsächlichen Anforderungen in der Regel nicht. Modifizierungen, die sich später als erforderlich erweisen, führen regelmäßig zu deutlich höheren Kosten. „Allerdings ist es möglich, mit einem Fahrzeug verschiedene Einsatzzwecke abzudecken. Das allerdings setzt Branchenerfahrung und umfassende Praxiskenntnisse voraus – im Schaufenster stehen solche Modelle nicht“, so Strika.

Professionell einkaufen

Schneller noch als die Anforderungen an Fahrzeuge verändern sich Marktpreise, Rabatte und Konditionen. Einmal festgelegte Hersteller und Fahrzeugmodelle sind nicht automatisch die wirtschaftlichsten Optionen. Marken- oder Lieferantentreue zahlt sich also nicht zwingend aus. Konzeptionelle Kompetenz, Marktüberblick und Beschaffungs-Know-how dagegen umso mehr. Deshalb sollte bereits in der Planungsphase die Einkaufsabteilung einbezogen werden. Nicht zuletzt mit Blick auf eine Finanzierungslösung, die größtmögliche Flexibilität im Fahrzeugeinsatz gewährleistet. Was ist, wenn ein Fahrzeug aus Kapazitätsgründen nicht mehr benötigt wird? Aus einem klassischen Leasingvertrag käme man, wenn überhaupt, nur mit hohen Zusatzkosten heraus. Als Alternative bietet sich ein kaufähnlicher „offener“ Leasingvertrag an. Dies ist die einzige Leasingvariante, für die auch der „E-Booster“ – die 75-prozentige Sonderabschreibung in Anspruch genommen werden kann.

Servicefahrzeuge sind mobile Arbeitsplätze, Lager für wichtige Technik und zugleich autarke Stromquellen.(Bild:  Smarterpix)
Servicefahrzeuge sind mobile Arbeitsplätze, Lager für wichtige Technik und zugleich autarke Stromquellen.
(Bild: Smarterpix)

So greift alles ineinander und macht ein professionelles, aufeinander abgestimmtes Management von Planung, Finanzierung, Beschaffung und termingerechter Ausrüstung unverzichtbar. Dafür fehlen in vielen Unternehmen allerdings das Know-how und die Kapazität – und damit auch eine übergreifende Gesamtsicht auf den Lebenszyklus und die Gesamtkosten (TCO) der Fahrzeuge. Auch der interne Arbeitsaufwand für Planung, Beschaffung und Steuerung der Prozesse muss berücksichtigt werden. 

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Beispiele

Beispiele zeigen, wie eine strategische Beschaffung der Produktiv- und Serviceflotte organisiert werden kann. Der Strabag-Konzern verfügt mit dem Zentralbereich Strabag BMTI (Strabag Baumaschinentechnik International) über ein zentrales Gerätemanagement, das konzernweit die Investition und Beschaffung, den wirtschaftlichen Geräteeinsatz, Service, Wartung und Reparatur sowie die Verwertung der Baumaschinen und Fahrzeuge steuert. Jacob Volkmann, Kaufmännischer Direktionsleiter der Strabag BMTI: „Diese zentrale Organisation bietet den Vorteil, Prozesse zu standardisieren und so wirtschaftlich effizient gestalten zu können.“

Bei der Porr-Gruppe ist die Porr Equipment Services GmbH eine eigens für das Baugeräte- und Fuhrparkmanagement gegründete Dienstleistungseinheit. „Neben den herkömmlichen, völlig standardisierten Nutzfahrzeugen gehört die Beschaffung von Fahrzeugen mit speziellen Ein- und Aufbauten für unterschiedlichste Einsatzkriterien zu deren Aufgaben“, so Werner Zenz, Geschäftsführer von Porr Equipment Services. Ziel sind möglichst standardisierte und dadurch kostenoptimierte Ausführungen.

Externer Spezialist

Eine Option ist die Zusammenarbeit mit einem externen Spezialisten, der Konzeption, Beschaffung und Umsetzung gleichermaßen abdeckt. Ein Beispiel dafür ist die EGB-Gruppe, ein Spezialist für Baustrom und Baustromeinrichtungen. Dort sind Servicefahrzeuge mobile Arbeitsplätze, Lager für wichtige Technik und zugleich autarke Stromquellen. Schritt eins war ein Kriterienkatalog in Bezug auf Funktionalität, vor allem mit Blick auf sichere Verstauung, Energieversorgung und Beleuchtung sowie auf die Anforderungen des Corporate Designs für die Folierung. Auf dieser Grundlage wurde die Fahrzeugkonfiguration entwickelt. Schritt zwei war die Übersetzung dieses Profils in übersichtliche Arbeits- und Abstimmungsprozesse. „Wir haben uns für einen externen Partner entschieden, der unter dem Label Fuhrpark-Supply-Chain nicht nur Fahrzeuge liefert, sondern eine ganzheitliche Lösung für Planung, Beschaffung, Ausbau, Fahrzeugbeschriftung, Logistik und Auslieferung aus einer Hand bietet“, sagt Jens Friedrich, Mietparkleiter der EGB-Gruppe.