Expertentalk zur Kreislaufwirtschaft

Materialien mit Wiederkehr

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Stefan Kaufmann, Produktmanager Innovation & AI, Allplan

1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit Pilotprojekte zum neuen Standard werden?

Nachhaltige Baustoffe sind heute vielfach verfügbar. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in den Materialien als darin, sie wirtschaftlich in Bauprojekte zu integrieren. Die entscheidenden Weichen werden bereits in der Planungsphase gestellt. Dort müssen Nachhaltigkeit, Baukosten, Ausführbarkeit, Rückbau und spätere Wiederverwendung prädiktiv betrachtet werden – nicht erst am Ende eines Projekts. Dafür braucht es durchgängige digitale Prozesse, verlässliche Daten, Normen und Standards und Best-Practice-Beispiele, damit alle Projektbeteiligten einer innovativen Lösung vertrauen. Wenn nachhaltige Lösungen einfacher planbar und ihre Vorteile transparent werden, können sie sich auch im Alltag der Baupraxis durchsetzen.

Stefan Kaufmann ist Produktmanager Innovation & AI bei Allplan. (Bild:  Allplan)
Stefan Kaufmann ist Produktmanager Innovation & AI bei Allplan.
(Bild: Allplan)

2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten?

Das größte Potenzial sehe ich darin, Gebäude künftig als Materiallager zu betrachten. Dafür müssen wir bereits heute detailliert dokumentieren, welche Materialien verbaut werden, welche Eigenschaften sie besitzen und wie sie später getrennt und wiederverwendet werden können. Digitale Gebäudemodelle und digitale Zwillinge schaffen dafür die notwendige Transparenz über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Gleichzeitig gewinnen Ansätze wie „Design for Disassembly“ an Bedeutung: Wer Gebäude so plant, dass Bauteile später zerstörungsarm ausgetauscht werden können, schafft die ökonomische Grundlage für Sanierbarkeit und echte Kreislaufwirtschaft. Künstliche Intelligenz wird diesen Prozess künftig unterstützen, indem sie historische Baunormen kennt und beispielsweise geeignete und lieferbare Ersatzbauteile für die Sanierung vorschlägt. Die Grundlage bleibt auch hier eine detaillierte digitale Planung.

Wer Gebäude so plant, dass Bauteile später zerstörungsarm ausgetauscht werden können, schafft die ökonomische Grundlage für Sanierbarkeit und echte Kreislaufwirtschaft.

3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

Die Baubranche gewinnt Vertrauen nicht durch große Versprechen, sondern durch erfolgreiche Projekte. Deshalb brauchen wir mehr Praxisbeispiele, die einfach nachvollziehbar zeigen, welchen gesundheitlichen, ökonomischen und ökologischen Mehrwert nachhaltige Bauweisen tatsächlich bieten. Messbare Kennzahlen zu Energie-Einsparung, Materialkosten, Bauzeit oder Betriebskosten schaffen deutlich mehr Glaubwürdigkeit als allgemeine Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig sollten wir erfolgreiche Projekte stärker teilen und den Austausch zwischen Planern, Bauunternehmen, Bauherren und Betreibern fördern. Digitale Modelle helfen dabei, die Bauwerksqualität transparent zu dokumentieren und den höheren Wert eines nachhaltigen Bauwerks jederzeit monetarisieren zu können. So wird Kreislaufwirtschaft nicht zur Zukunftsvision, sondern zur Renditechance für die Immobilienwirtschaft.

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