Expertentalk zur Kreislaufwirtschaft

Materialien mit Wiederkehr

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Christina Hoffmann, Leiterin RG-Bau im RKW-Kompetenzzentrum

1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit Pilotprojekte zum neuen Standard werden?

Es ist beeindruckend, welche Entwicklung innovative und kreislauffähige Baustoffe gemacht haben. Für den Einsatz in der Praxis stellen aber die Rahmenbedingungen und die Kosten große Hürden dar. Aufwändige Zulassungs- und Nachweisverfahren, fehlende Normen sowie höhere Anfangsinvestitionen erschweren insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen ihren Einsatz und sorgen für Unsicherheiten. Gleichzeitig fehlen oft noch Erfahrungen und Wissen über diese Materialien und ihre Leistungsfähigkeit. Damit aus erfolgreichen Pilotprojekten Standardlösungen werden, sind verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, eine stärkere Berücksichtigung der Lebenszykluskosten, sowie mehr Erfahrungsberichte und Wissenstransfer in Planung, Ausführung und Vergabe notwendig.

Christina Hoffmann ist Leiterin der RG-Bau im RKW-Kompetenzzentrum. (Bild:  RG-Bau)
Christina Hoffmann ist Leiterin der RG-Bau im RKW-Kompetenzzentrum.
(Bild: RG-Bau)

2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten?

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wird nur mit einem intelligenten Mix verschiedener Ansätze gelingen. Recycling bleibt ein wichtiger Baustein, reicht allein jedoch nicht aus. Kreislaufwirtschaft beginnt bereits bei der Planung eines Bauwerks: Gebäude sollten so entworfen werden, dass sie langlebig, flexibel und später möglichst einfach rückgebaut werden können. Die Wiederverwendung von Bauteilen und Baustoffen ist ein wichtiger Hebel zur Ressourcenschonung. Urban Mining eröffnet zusätzlich die Chance, wertvolle Rohstoffe aus dem Gebäudebestand zurückzugewinnen. Wo eine direkte Wiederverwendung nicht möglich ist, bleibt hochwertiges Recycling unverzichtbar. Gebäude können so als Materiallager der Zukunft verstanden werden. Durch die Lebenszyklusbetrachtung von Bauwerken lassen sich Ressourcen schonen, Stoffkreisläufe schließen und die CO2-Emissionen des Bauens nachhaltig reduzieren. 

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wird nur mit einem intelligenten Mix verschiedener Ansätze gelingen.

3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

Die Bauwirtschaft verfügt bereits über zahlreiche erfolgreiche Beispiele nachhaltigen und kreislaufgerechten Bauens. Diese müssen deutlich stärker sichtbar gemacht werden. Referenzprojekte, wissenschaftlich begleitete Demonstrationsvorhaben und der offene Erfahrungsaustausch schaffen Vertrauen. Gleichzeitig kommt Planenden, Sachverständigen und beratenden Institutionen eine Schlüsselrolle zu: Sie können über Chancen und Potenziale neuer Materialien und Bauweisen informieren und so Unsicherheiten abbauen. Wenn erfolgreiche Projekte nachvollziehbar dokumentiert und ihre wirtschaftlichen, wie ökologischen Vorteile belegt werden, entstehen Akzeptanz und Vertrauen. Beides ist entscheidend, ebenso wie die Bekanntmachung dieser Projekte, damit innovative Materialien und Bauweisen auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt werden.

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