Expertentalk zur Kreislaufwirtschaft

Materialien mit Wiederkehr

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Helge Bo Flöge, Bauingenieur und Baufluencer 

1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit Pilotprojekte zum neuen Standard werden?

Technisch scheitern nachhaltige Baustoffe heute selten. Die größte Hürde ist ihre fehlende Resonanz. Viele Unternehmen verwechseln Sichtbarkeit mit echter Wirkung. Hochglanzbroschüren und Messestände reichen nicht mehr aus, um Innovationen in die Baupraxis zu bringen. Es braucht Menschen, die neue Lösungen glaubwürdig übersetzen – Ingenieure, Architekten und Praktiker mit echter Baustellenerfahrung. Die Bauwelt befindet sich kommunikativ noch im Dornröschenschlaf. Wer Innovationen zum Standard machen will, muss sie verständlich erzählen und Vertrauen aufbauen. Denn gebaut wird, worüber gesprochen wird.

Helge Bo Flöge ist Bauingenieur, Baufluencer und bekannte Stimme für zirkuläres Bauen und nachhaltige Innovationen in der Bauindustrie. (Bild:  privat)
Helge Bo Flöge ist Bauingenieur, Baufluencer und bekannte Stimme für zirkuläres Bauen und nachhaltige Innovationen in der Bauindustrie.
(Bild: privat)

2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten?

Recycling bleibt wichtig, doch die eigentliche Zukunft liegt im Re-Use. Wenn Bauteile ihren Wert behalten und mehrfach genutzt werden können, verändert das die gesamte Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes. Banken, Versicherer und Investoren beginnen bereits, solche Konzepte anders zu bewerten. Rücknahmesysteme, Materialpässe und sogar Leasingmodelle für Baustoffe eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Die entscheidende Frage lautet künftig nicht mehr: Wie recyceln wir ein Produkt? Sondern: Warum sollten wir es überhaupt zerstören? Wer Materialien im Kreislauf hält, erhält nicht nur Ressourcen, sondern auch ihren wirtschaftlichen Wert.

Erst wenn Lösungen in den Köpfen ankommen, kommen sie auch auf die Baustelle.

3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

Nachhaltige Innovationen müssen dort stattfinden, wo heute Meinungen entstehen: auf LinkedIn, Social Media und im direkten Dialog. Corporate Influencing wird deshalb zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Menschen vertrauen Menschen – nicht austauschbaren Werbebroschüren oder perfekt inszenierten Imagefilmen. Die Bauwelt braucht mehr Persönlichkeiten, die ihre Erfahrungen teilen, Projekte zeigen und auch über Herausforderungen sprechen. Authentizität schafft Glaubwürdigkeit. Für mich bedeutet das Building Resonance: Innovationen so zu erzählen, dass sie verstanden, diskutiert und schließlich gebaut werden.

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