Expertentalk zur Kreislaufwirtschaft

Materialien mit Wiederkehr

< zurück

Seite: 6/7

Peter Theissing, Geschäftsführer KS-Original GmbH

1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit Pilotprojekte zum neuen Standard werden?

Die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen scheitert heute weniger an fehlenden Materialien oder Technologien als an eingefahrenen Prozessen und Denkweisen. Viele Lösungen sind bereits vorhanden – auch mit bewährten Baustoffen. Die größte Hürde für ihre breite Anwendung sind bestehende Strukturen. Bauprozesse sind auf Sicherheit, Haftungsvermeidung und etablierte Standards ausgerichtet. Zirkuläre Ansätze treffen deshalb häufig auf Unsicherheiten bei Planung, Ausschreibung, Finanzierung und Genehmigung. Die Herausforderung besteht also darin, Bauweisen konsequent weiterzuentwickeln und stärker auf den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden auszurichten. 

Nur wenn nachhaltiges und zirkuläres Bauen als praxistauglich, bezahlbar und dauerhaft wahrgenommen wird, gelingt der Schritt aus der Nische in den Markt.
Peter Theissing ist Geschäftsführer der KS-Original GmbH. (Bild:  KS-Original)
Peter Theissing ist Geschäftsführer der KS-Original GmbH.
(Bild: KS-Original)

Bei KS-Original arbeiten wir deshalb konsequent an Konzepten für den sortenreinen Rückbau, den Einsatz von Sekundärrohstoffen und die Wiederverwendung von Kalksandstein. Entsprechende Pilotprojekte konnten wir erfolgreich abschließen. Damit solche Ansätze zum Standard werden, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, mehr Planungssicherheit und eine stärkere Betrachtung von Lebenszykluskosten. Entscheidend ist zudem die Bereitschaft aller Beteiligten, bestehende Lösungen neu zu denken und das Potenzial etablierter Baustoffe für eine zirkuläre Bauwirtschaft konsequent zu nutzen.

2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten?

Recycling bleibt ein wichtiger Baustein der Kreislaufwirtschaft, sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Das größte Potenzial sehen wir in einer Kaskade aus Wiederverwendung, hochwertiger Wiederverwertung durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Voraussetzung dafür sind sortenreine, schadstoffarme und langlebige Baustoffe. Kalksandstein bietet hier gute Voraussetzungen: Er besteht aus den natürlichen Rohstoffen Sand, Kalk und Wasser, ist materialhomogen und kann nach dem Rückbau ohne aufwendige Trennprozesse wieder in Stoffkreisläufe zurückgeführt werden. Gleichzeitig gewinnen Urban Mining, digitale Gebäuderessourcenpässe und rückbaugerechte Konstruktionen an Bedeutung. Denn unsere Bauwerke, vor allem auch diejenigen, die neu entstehen, sind die Materiallager der Zukunft. Wird der sortenreine Rückbau schon in der Planung mitgedacht, endet der materielle Wert nicht mit der ersten Nutzung.

3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

Die Branche muss Kreislaufwirtschaft stärker anhand realisierter Projekte und messbarer Ergebnisse kommunizieren. Vertrauen entsteht nicht durch Visionen oder Ideologien, sondern durch nachvollziehbare Praxisbeispiele, transparente Daten und unabhängige Bewertungen. Erfolgreiche Referenzprojekte sollten deshalb frühzeitig dokumentiert und hinsichtlich CO₂-Bilanz, Ressourceneinsatz, Wirtschaftlichkeit und Rückbaubarkeit ausgewertet werden. Ebenso wichtig ist der Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Herstellern über Planende bis zu Wohnungswirtschaft und Investoren. Wir beobachten, dass insbesondere konkrete Lösungen überzeugen, die ökologische Vorteile mit wirtschaftlicher Umsetzbarkeit verbinden. 

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung