Marktreife Innovationen sollen Sanieren und Bauen beschleunigen  NRW startet Bauwende-Offensive

Von Regine Appenzeller 3 min Lesedauer

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Die Bauwende braucht keine weiteren Absichtserklärungen – sie braucht Lösungen, die sofort eingesetzt werden können. Genau darum ging es beim ersten Innovations-Forum von Neues Bauen – 80 Sekunden und dem Dena-Kompetenzzentrum Serielle Sanierung/Energiesprong DE bei Mitsubishi Electric in Ratingen. 

v.l.n.r.: Robert Kroth, Geschäftsführer Neues Bauen – 80 Sekunden; Hendrik Wüst, MdL, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen; Uwe Bigalke, Dena; Dror Peled, Mitsubishi  Electric(Bild:  Mert Rüttermann)
v.l.n.r.: Robert Kroth, Geschäftsführer Neues Bauen – 80 Sekunden; Hendrik Wüst, MdL, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen; Uwe Bigalke, Dena; Dror Peled, Mitsubishi Electric
(Bild: Mert Rüttermann)

Der Anspruch des Formats Innovations-Forum: Nicht über Innovationen sprechen, sondern sie in Projekte überführen. Statt klassischer Vortragsveranstaltungen standen deshalb Unternehmen im Mittelpunkt, deren Lösungen den Schritt aus dem Pilotstadium bereits geschafft haben und nun in die Breite getragen werden sollen. Das Interesse der Branche zeigt den Handlungsdruck: Für den NRW-Auftakt bewarben sich 30 Unternehmen. Nach einem unabhängigen Auswahlverfahren präsentierten zwölf Anbieter ihre Lösungen vor Entscheidern aus Wohnungswirtschaft, Kommunen und Bauwirtschaft.

Ministerpräsident Wüst: „Mehr Tempo, weniger Bürokratie"

Den politischen Rahmen setzte ein Grußwort von Ministerpräsident Hendrik Wüst: Bezahlbares Wohnen sei eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit. Schnellere Genehmigungen und flexiblere Baustandards seien entscheidend, um schneller, effizienter und wirtschaftlicher zu bauen. Nordrhein-Westfalen gehe hier voran: mit mehr Tempo, weniger Bürokratie und besseren Rahmenbedingungen für modernen Wohnungsbau.

Bauwende braucht Skalierung statt Pilotprojekte 

Uwe Bigalke, Leiter des Dena-Kompetenzzentrums Serielles Sanieren/Energiesprong DE, machte deutlich, dass die technischen Lösungen längst verfügbar sind: „Die Technologie ist da. Die Projekte laufen. Gleichzeitig entwickelt sich der Markt rasant weiter. Jetzt geht es darum, hier die richtigen Impulse zu setzen und serielles Sanieren mit weiteren Innovationen noch einfacher, kostengünstiger und nachhaltiger zu machen – und das dann rasch in die breite Anwendung zu überführen. Dazu gehören auch standardisierte Prozesse, die die Projektanbahnung einschließlich Ausschreibung, Planung und Umsetzung digital verbinden und bestmöglich automatisieren. Dafür brauchen wir gute Ideen und die Offenheit, Neues auszuprobieren. Beides finden wir hier im Vorreiterland NRW besonders häufig.“

Innovations-Forum: Vom Pitch direkt in die Projektanbahnung

Anders als klassische Kongressformate setzte das Innovations-Forum konsequent auf Vernetzung und Umsetzung. Herzstück war das so genannte „Matchmaking 2.0“, bei dem Wohnungsunternehmen, Projektentwickler und Innovatoren gezielt zusammengebracht wurden. Robert Kroth, Geschäftsführer von Neues Bauen – 80 Sekunden, betonte die besondere Rolle des Formats: „Dieses Forum ist kein Schaufenster für Zukunftsvisionen – es ist ein Transferraum für das, was heute bereits auf die Baustelle kann. Unser Anspruch ist die Vermittlung: zwischen erprobten Lösungen und den Akteuren, die den Willen und die Strukturen haben, sie einzusetzen. NRW bietet dafür den idealen Kontext: ein Bestand mit erheblichem Sanierungsdruck und eine Wohnungswirtschaft, die Handlungsbereitschaft nicht nur bekundet, sondern beweist.“ Das Konzept ging auf: Aus Pitches wurden konkrete Gespräche über Projekte und Kooperationen. Wohnungsunternehmen, Projektentwickler und Innovationstreiber knüpften unmittelbar Kontakte für die Umsetzung neuer Lösungen im Gebäudebestand

Die Sieger des NRW-Auftakts

In drei Themenblöcken präsentierten insgesamt zwölf Unternehmen ihre Lösungen. Schneller bauen: Sieger wurde Renowate mit vorgefertigten Fassaden- und Dachelementen für die serielle Sanierung. Preiswerter bauen: Nyoo Real Estate GmbH überzeugte mit einem skalierbaren Planungssystem für bezahlbaren Wohnungsbau. Net Zero – nachhaltiger und besser bauen: Towern 3000 gewann mit der CEPA Energiefassade, die Dämmung, Heizen und Kühlen in einem integrierten System verbindet. Ergänzt wurden die Wettbewerbsbeiträge durch drei Wildcards aus den Bereichen Infrastruktur, Energieeffizienz und digitale Projektentwicklung.

Politik und Branche fordern schnellere Umsetzung 

Beim abschließenden Polit-Talk diskutierten Sandra Weeser, ehemalige Vorsitzende des Bauausschusses des Deutschen Bundestages, Uwe Bigalke sowie die Sieger-Innovatoren über die größten Hemmnisse für Innovationen im Gebäudesektor. Die zentrale Botschaft: Weniger Regulierung, schnellere Zulassungsverfahren und mehr Vertrauen in Innovationen sind entscheidend, damit marktreife Lösungen schneller in die Praxis gelangen. Nicht fehlende Technologien bremsen die Bauwende aus, sondern oftmals langwierige Verfahren und komplexe Rahmenbedingungen. 

Industrie als Umsetzungspartner der Bauwende

Gastgeber Mitsubishi Electric sieht in der schnelleren Überführung von Innovationen in die Praxis eine zentrale Voraussetzung für die Transformation des Gebäudesektors. Mario Poltronieri, Präsident Mitsubishi Electric Deutschland, erklärte: „Das Innovations-Forum von ‚Neues Bauen – 80 Sekunden‘ zeigt, worauf es heute ankommt: Ideen schneller in konkrete Projekte zu überführen und deren Umsetzung spürbar zu beschleunigen. Für Mitsubishi Electric ist klar: Entscheidend ist nicht nur, Lösungen zu entwickeln, sondern sie auch wirksam in die Anwendung zu bringen. Dieser Anspruch ist in unserer DNA verankert und beeinflusst maßgeblich die Haltung und Strategie unseres Unternehmens.“ 

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Innovations-Forum: Auftakt einer bundesweiten Offensive

Das Innovations-Forum in Ratingen bildet den Auftakt einer bundesweiten Innovations-Offensive von Neues Bauen – 80 Sekunden und dem Dena-Kompetenzzentrum Serielle Sanierung/Energiesprong DE. Nach Nordrhein-Westfalen folgen in diesem Jahr weitere Stationen in Hamburg, Berlin, Brandenburg sowie in Süddeutschland. Ziel der Reihe ist es, marktreife Bauwende-Innovationen schneller in konkrete Projekte zu bringen und damit die Transformation des Gebäudebestands in Deutschland messbar zu beschleunigen