38 Prozent der Bauherren berichteten von Streitigkeiten bei ihrem Bauprojekt. Verzögerungen und Qualitätsmängel dominieren als Konfliktursachen. 60 Prozent der Befragten erwarten eine Rechtsberatung von Architekten.
Auslöser von Baukonflikten.
(Bild: Koenen Bauanwälte)
Eine von Prof. Dr. Andreas Koenen, Inhaber der auf Bau- und Immobilienrecht spezialisierten Kanzlei Koenen Bauanwälte, in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführte Umfrage offenbart zentrale Konfliktfelder im Bauwesen.
Prof. Dr. Andreas Koenen.
(Bild: Koenen Bauanwälte )
An der Umfrage nahmen vom 16. bis 22. September 2024 insgesamt 310 Privatpersonen teil, die in den letzten fünf Jahren ein Haus gebaut hatten. Die Ergebnisse verdeutlichen: Bauprojekte sind häufig von Verzögerungen und Qualitätsmängeln geprägt – zwei Hauptursachen für Streitigkeiten. Zudem zeigt die Erhebung, dass viele Bauherren unrealistische Erwartungen an die rechtliche Beratung durch Architekten haben.
38 Prozent der Bauherren hatten Streitigkeiten
Beim ersten „Baurechtsmonitor“ von Prof. Dr. Koenen gaben 38 Prozent der befragten Bauherren an, während ihres Projekts Streitigkeiten erlebt zu haben. Nur 57 Prozent blieben von Konflikten verschont. Koenen erläutert: „Auch wenn die Mehrheit keine Auseinandersetzungen hatte, verdeutlicht die Umfrage, dass Konflikte im Bauwesen keine Seltenheit sind. Dies könnte auf unzureichende Aufklärung der Bauherren über ihre Rechte und Pflichten hinweisen oder darauf, dass präventive Maßnahmen zur Konfliktvermeidung nicht ausreichend getroffen wurden.“
Gab es Baukonflikte?
(Bild: Koenen Bauanwälte)
Verzögerungen und Qualitätsmängel
Auf die Frage nach den häufigsten Streitpunkten nannten 37 Prozent der Befragten, die Streitigkeiten während ihres Bauprojektes hatten, Verzögerungen im Bauablauf als größte Konfliktquelle. Koenen hierzu: „Verzögerungen entstehen häufig durch mangelhafte Planung und unzureichende Kommunikation. Eine detaillierte Vertragsgestaltung, die klare Verantwortlichkeiten und Fristen festlegt, kann solchen Problemen vorbeugen.“
35 Prozent der Bauherren, die von Streitigkeiten während ihres Bauprojektes berichten, beklagten Qualitätsmängel als Hauptstreitpunkt. „Qualitätsprobleme sind oft die Folge einer unzureichenden Überwachung der Bauarbeiten oder mangelhafter Planung. Bauherren sollten sicherstellen, dass sie qualifizierte Fachleute engagieren und regelmäßig Kontrollen durchführen“, empfiehlt Koenen.
Weitere zentrale Konfliktursachen von Bauherren, die von Streitigkeiten während ihres Bauprojekts berichten, waren ungewollte Vertragsänderungen (32 Prozent), gewollte Änderungen (29 Prozent) sowie Kostenüberschreitungen (25 Prozent) und Zahlungsstreitigkeiten (24 Prozent). Schlechte Projektkoordination (23 Prozent), Schwierigkeiten bei der Einhaltung von Normen (21 Prozent) und unklare Vertragsinterpretationen (19 Prozent) wurden ebenfalls als relevante Probleme benannt.
60 Prozent erwarten Rechtsberatung von Architekten
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage wirft ein Licht auf die oft unrealistischen Erwartungen von Bauherren: 60 Prozent der Befragten erwarten von ihrem Architekten, dass er sie auch rechtlich berät, etwa bei der Vertragsgestaltung. Lediglich 32 Prozent lehnen diese Erwartung ab, während 8 Prozent unsicher sind oder keine Angabe machten.
Wird Rechtsberatung durch Architekten erwartet?
(Bild: Koenen Bauanwälte)
Mit der rechtlichen Unterstützung durch Architekten waren fast zwei Drittel der Befragten (61 Prozent) (sehr) zufrieden, wohingegen immerhin noch jeder siebte Bauherr (15 Prozent) (sehr) unzufrieden war. 17 Prozent gaben an, weder zufrieden noch unzufrieden gewesen zu sein. Nur 5 Prozent der Befragten bauten ohne Architekten.
Rechtsberatung durch Architekten problematisch
Prof. Dr. Koenen sieht hierin ein erhebliches Risiko: „Die Annahme, dass Architekten umfassende Rechtsberatung leisten können, ist rechtlich problematisch. Architekten sind in ihrer Ausbildung nur begrenzt mit baurechtlichen Fragestellungen vertraut. Fehler in der Rechtsberatung können für Bauherren gravierende Folgen haben, und Architekten sind in solchen Fällen nicht versichert. Bauherren sollten sich deshalb von Beginn an rechtlich von auf Baurecht spezialisierten Anwälten beraten lassen.“
Stand: 16.12.2025
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Zufriedenheit mit der Rechtsberatung durch Architekten.
(Bild: Koenen Bauanwälte)
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 16. und 22.09.2024 insgesamt 310 Personen befragt, die in den letzten 5 Jahren privat ein Haus gebaut haben.