Wasserknappheit ist kein fernes Szenario, sondern längst Teil unseres Alltags: Wir erleben längere Trockenperioden und sinkende Grundwasserspiegel. In manchen Regionen herrschen zeitweise Bewässerungsverbote. Vor diesem Hintergrund wirkt es paradox, dass für Toilettenspülungen, Waschmaschinen und Bewässerung wertvolles Trinkwasser zum Einsatz kommt. Grauwasseraufbereitung ist in diesem Kontext eine immer noch deutlich zu selten genutzte Möglichkeit, Wasser zu sparen und wertvolle Ressourcen zu schonen.
Dehoust nutzt ein dreistufiges biologisches Verfahren zur Grauwasseraufbereitung.
(Dehoust GmbH)
Grauwasser – also leicht verschmutztes Wasser aus Duschen, Handwaschbecken oder Waschmaschinen – macht in vielen Gebäuden 50 bis 80 Prozent des Abwassers aus. Mit modernen, mechanisch-biologischen Verfahren und Membranfiltration lässt sich dieses Wasser zu hochwertigem Betriebswasser aufbereiten. Es ist klar, geruchsneutral, hygienisch unbedenklich und entspricht der europäischen Norm EN 16941-2. So lässt sich der Trinkwasserbedarf eines Gebäudes um bis zu 50 Prozent reduzieren, ohne Komfortverlust für die Nutzenden. Hinzu kommt: In Grauwasser steckt wertvolle Wärmeenergie. Wenn diese über Wärmerückgewinnung in das Heizsystem eines Gebäudes zurückgeführt wird, sinkt dessen Energiebedarf deutlich. Damit sparen wir nicht nur Wasser, sondern auch Heizenergie und damit CO2. Grauwasseraufbereitung mit Wärmerückgewinnung ist damit weit mehr als ein Nischenthema – sie gehört in den Werkzeugkasten moderner Klimaschutz- und Ressourcenschutzpolitik. Die Technik ist ausgereift, erprobt und wirtschaftlich attraktiv – vor allem in Hotels, größeren Wohngebäuden, Wohnheimen oder Sport- und Freizeitbauten.
Politische Leitplanken fehlen
Was fehlt, sind klare politische Leitplanken. In US‑Metropolen wie San Francisco ist es bei Neubauten ab einer bestimmten Größe verpflichtend, Systeme zur Wasserwiederverwendung vorzusehen. Spanien, das seit Jahren mit Wasserknappheit kämpft, hat die Wiederverwendung von Wasser – einschließlich Grauwasser – klar im Gesetz verankert und nutzt sie aktiv in der Stadtplanung. In Metropolen wie Barcelona gehören Zweitwassernetze für Toiletten und Bewässerung bei vielen Neubauten inzwischen zum Standard. Seit Juli 2026 erhalten beispielsweise Bauprojekte mit einem Wasserverbrauch von mindesten 595 Kubikmetern im Jahr oder neue Wohngebäude mit mehr als 16 Parteien ohne Grauwasserrecycling keine Lizenz.
Deutschland diskutiert noch, andere Länder machen schon. Grauwasseranlagen müssen jedoch auch hier zum selbstverständlichen Baustein in Förderprogrammen von Bund und Ländern werden – gleichrangig mit Photovoltaik, Wärmepumpen oder Dämmmaßnahmen. Wer durch Grauwasserrecycling nachweislich Trinkwasser, Energie und Emissionen einspart, sollte dafür verlässlich unterstützt werden. Ebenso wichtig ist, dass wir unsere Regelwerke an den Stand der Technik anpassen. Wenn aufbereitetes Grauwasser eine nachgewiesene Wasserqualität erreicht, müssen wir offen darüber sprechen, in welchen Anwendungen wir es zusätzlich nutzen können – selbstverständlich unter strengen hygienischen Vorgaben.
In Neubauten mit hohem Dusch- und Waschaufkommen sollte die Prüfung einer Grauwasseranlage zum Standard werden; bei Quartiersentwicklungen gehört Betriebswassermanagement von Anfang an in die Planung. Jeder Neubau ohne Betriebswassersystem ist heute eine verpasste Chance, künftige Generationen zu entlasten. Anlagen, die in den nächsten Jahren geplant und gebaut werden, sind über Jahrzehnte in Betrieb – also genau in der Zeit, in der Klimawandel und Wasserstress weiter zunehmen. Wenn wir jetzt nicht handeln und Grauwasseraufbereitung zum Standard machen, schaffen wir ein desolates Infrastrukturerbe, das nachfolgende Generationen teuer nachrüsten müssen.
Aus der Nische in die Fläche bringen
Wenn Grauwasser zum neuen Standard in Gebäuden werden soll, müssen wir jedoch nicht nur in Technik investieren, sondern auch in Vertrauen. Für viele Menschen ist der Gedanke, Wasser ein zweites Mal zu nutzen, ungewohnt. Hier ist Kommunikation entscheidend: Es sind transparente Erklärungen gefordert, wie die Aufbereitung funktioniert, welche Normen eingehalten werden und für welche Anwendungen das Wasser eingesetzt wird. Das nötige Know-how, die erforderlichen Produkte und Referenzen sind vorhanden – was wir jetzt brauchen, ist der politische Wille, Grauwasseraufbereitung aus der Nische in die Fläche zu bringen. Jeder Kubikmeter eingespartes Trinkwasser und jede Kilowattstunde rückgewonnener Wärme ist ein konkreter Beitrag gegen Wasserknappheit und für den Klimaschutz. Es wäre fahrlässig, dieses Potenzial weiterhin ungenutzt zu lassen.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.