Sortierung im Baustoffrecycling trennt mineralische Materialien präzise und schafft hochwertige Sekundärrohstoffe. Ein Schweizer Projekt zeigt, wie optische Sortiertechnik die Kreislaufwirtschaft voranbringt.
Ein Blick auf die Zukunft des Baustoffrecyclings: Die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG zeigt, wie moderne Sortiertechnik scheinbar ausgeschöpftes Material wieder zu wertvollen Rohstoffen macht.
Baustoffrecycling orientiert sich in Zukunft maßgeblich an der Qualität der zurückgewonnenen Rohstoffe und Materialien. Genau hier gewinnt die Sortierung an Bedeutung: Sie schafft die Voraussetzung, um wertvolle mineralische Bestandteile gezielt voneinander zu trennen und hochwertige Sekundärrohstoffe herzustellen. Ein Schweizer Vorzeigeprojekt zeigt, welches Potenzial diese Schlüsseltechnologie bereits heute bietet.
Der größte Abfallstrom Europas steckt voller ungenutzter Möglichkeiten: Bau- und Abbruchabfälle könnten maßgeblich zur Rohstoffversorgung der Kreislaufwirtschaft beitragen. Vielerorts wird dieses Potenzial jedoch noch nicht ausgeschöpft.
Brechen, Sieben und Waschen gehören in vielen Anlagen längst zum Standard. Den entscheidenden Unterschied macht jedoch die sensorgestützte Sortierung. Sie trennt wertvolle Materialströme präzise voneinander und verbessert die Qualität von Recyclingbaustoffen.
Martin Feldmann, Geschäftsführer der BRT AG: "Dank der optischen Sortierung können wir das Material als Primärkies wieder in Umlauf bringen.“
Die Clarity-Sortieranlagen von Binder+Co übernehmen bei BRT den entscheidenden Qualitätsschritt: Mithilfe hochauflösender Kameras und intelligenter Bildauswertung werden wertvolle mineralische Bestandteile präzise von Fremdstoffen getrennt.
Wie diese Schlüsseltechnologie in der Praxis Mehrwert schafft, zeigt die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG in der Schweiz. Das Unternehmen gilt als Vorreiter der mineralischen Kreislaufwirtschaft und setzt auf mehrere Aufbereitungsmaschinen von Binder+Co. Dazu gehören insbesondere zwei Clarity-Sortieranlagen, die am Ende des Prozesses einen entscheidenden Qualitätsschritt übernehmen.
Aufbereitung bis zum Primärmaterial-Standard
„Wir bearbeiten vor allem Aushubmaterial, welches chemisch verschmutzt oder mit Bauschutt vermischt ist“, erklärt Martin Feldmann, Geschäftsführer der BRT AG. Dabei gelinge es dennoch, rund 75 Prozent des aufbereiteten Materials wieder als Sand und Kies in den Stoffkreislauf zurückzuführen.
Der Prozess beginnt bereits bei der Materialannahme. Je nach Herkunft und Belastung wird das angelieferte Aushubmaterial bewertet, in unterschiedlichen Lagern zusammengeführt und anschließend gleichmäßig der nassmechanischen Aufbereitung zugeführt.
Dort wird das Material gewaschen, gebrochen und in verschiedene Korngrößen getrennt. Erst danach folgt jener Schritt, der bei der Aufbereitung von Baurestmassen zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird: die Sortierung.
Die Clarity-Anlagen von Binder+Co erkennen mithilfe hochauflösender Kameras und intelligenter Bildauswertung selbst kleinste Farbunterschiede und Materialmerkmale. „Vor allem dank der optischen Sortierung können wir heute das aufbereitete Material als Primärkies wieder in Umlauf bringen“, betont Feldmann.
Nutzen der Sortierung reicht über die Anlage hinaus
Auch Ziegelbruch wird zuverlässig von hochwertigem Kies getrennt. Fremdstoffe lassen sich ausschleusen, während sich die Qualität der einzelnen Produktströme erhöht.
Weitere Aufbereitungsmaschinen von Binder+Co – darunter Siebmaschinen und Förderanlagen – unterstützen bei BRT den Weg vom Bauabfall zum Recyclingbaustoff: von der Materialtrennung bis zur Herstellung hochwertiger mineralischer Fraktionen.
Wo klassische optische Verfahren an Grenzen stoßen, eröffnet Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten. Das KI-Upgrade der Clarity-Technologie soll künftig auch die Trennung von schwarzem Asphalt und schwarzem Kies ermöglichen.
Der Nutzen der Sortierung reicht über die Anlage hinaus. Der Großteil des sortierten Sands und Kieses fließt direkt in die Betonproduktion des angrenzenden Betonwerks. Nur ein kleiner Teil wird als lose Komponente separat vermarktet.
Auch der ausgeschleuste Ziegelbruch findet Verwendung – etwa als Zuschlagsstoff für Dachsubstrate oder in unnormierten Betonsorten. Entscheidend ist dabei die Reinheit der Materialien, denn nur hochwertige Sekundärrohstoffe finden dauerhaft Akzeptanz im Markt.
Künstliche Intelligenz als nächster Entwicklungsschritt
Die Schweiz gilt im Umgang mit Bauabfällen als besonders streng reguliert. Die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) unterscheidet fünf Belastungsstufen von Aushub- und Ausbruchmaterial – von unverschmutzt bis stark verschmutzt.
Baustoff-Recyclinganlagen kommt in diesem anspruchsvollen Umfeld eine wichtige Rolle zu. Die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG hat sich hier als spezialisiertes Unternehmen etabliert.
Seit 2023 ist die nassmechanische Aufbereitungsanlage in Betrieb. Sie ist mit mehreren Sieb- und Sortiermaschinen von Binder+Co ausgestattet. „Nun geht jede bei uns aufbereitete Tonne nicht mehr auf die Deponie, sondern wird wieder in den Baustoffmarkt zurückgeführt“, bringt Feldmann den Ansatz auf den Punkt.
Verbundmaterialien erfordern noch ausgefeiltere Aufbereitungsverfahren
Gleichzeitig steht die Branche vor neuen Herausforderungen. Verbundmaterialien und steigende Qualitätsanforderungen werden künftig noch leistungsfähigere Aufbereitungsverfahren erfordern. Deshalb sei es wichtig, neue Technologien kontinuierlich zu prüfen und dort einzusetzen, wo sie Mehrwert schaffen.
Stand: 16.12.2025
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Bislang sortiert die Clarity vorwiegend farbbasiert. Mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz soll künftig auch schwarzes Material – etwa Asphalt und Schlacke – zuverlässig von schwarzem Kies getrennt werden können.
„Wir sind sehr interessiert am neuesten KI-Upgrade, um die restliche Verschmutzung in Form von Schlacke und Belag entnehmen zu können, und auch um die Performance der anderen Fraktionen noch zu erhöhen“, sagt Feldmann.
Die Anforderungen an Recyclingbaustoffe steigen weiter. Mit ihnen wächst auch die Bedeutung leistungsfähiger Sortiertechnologien.
Sortierung im Baustoffrecycling als Gamechanger
Binder+Co sieht in der Sortierung den nächsten Entwicklungsschritt im Baustoffrecycling. Gründe dafür sind unter anderem die zunehmende Ressourcenknappheit bei Kies und Sand sowie das Ziel, CO₂-Emissionen zu reduzieren.
„Brechen, Sieben und Waschen sind heute Stand der Technik. Erst durch die Sortierung wird jedoch eine optimale und durchgängige Verwertung der mineralischen Baustoffe möglich“, erklärt Manfred Berghofer, Verkäufer für Sortiertechnik, Mineralien und Bauschutt bei Binder+Co.
Verschärfte EU-Regeln zu erwarten
Angesichts knapper werdender Primärrohstoffe, steigender Deponiekosten und zunehmend strenger gesetzlicher Anforderungen werde die Sortierung künftig eine Schlüsselrolle übernehmen. Auch regulatorisch dürfte der Druck steigen: Berghofer erwartet in naher Zukunft eine Verschärfung der EU-Regeln im Bauschuttrecycling – ähnlich den bereits strengen Schweizer Vorgaben. Unternehmen, die schon heute auf eine effektive Sortierung setzen, seien darauf vorbereitet.
„Erst die präzise Trennung der Materialien schafft jene Qualität, die aus Bauschutt wieder einen gefragten Rohstoff macht“, so Berghofer. „Die Sortierung wird damit zum eigentlichen Gamechanger der mineralischen Kreislaufwirtschaft und Unternehmen wie BRT zeigen vor, dass diese bereits heute möglich ist.“