Baustellenlogistik Wie Pakete pünktlich und zielgenau auf die Baustelle kommen

Von Andreas Müller 5 min Lesedauer

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Enge Zeitpläne und wechselnde Bedingungen machen die Baustellenbelieferung anspruchsvoll. Matthias Kemna von DPD Deutschland erklärt, wie digitale Lösungen und präzise Zustellung Stillstand vermeiden helfen.

Just-in-Time-Lieferungen, GPS-gestützte Tourenplanung und digitale Schnittstellen unterstützen die Baustellenlogistik.(Bild:  David Meier/DPD)
Just-in-Time-Lieferungen, GPS-gestützte Tourenplanung und digitale Schnittstellen unterstützen die Baustellenlogistik.
(Bild: David Meier/DPD)

Auf Baustellen greifen zahlreiche Gewerke und eng getaktete Abläufe ineinander. Fehlen Materialien, Werkzeuge oder Ersatzteile zur richtigen Zeit am richtigen Ort, können bereits kurze Verzögerungen den gesamten Baufortschritt beeinträchtigen. Matthias Kemna, Head of Sales Nord/Ost bei DPD Deutschland, erläutert, wie Just-in-Time-Lieferungen, GPS-gestützte Tourenplanung und digitale Schnittstellen die Baustellenlogistik verbessern. Zudem zeigt er, welche Rolle Datenvernetzung und Automatisierung künftig spielen werden.

Matthias Kemna, Head of Sales Nord/Ost bei DPD Deutschland.(Bild:  DPD)
Matthias Kemna, Head of Sales Nord/Ost bei DPD Deutschland.
(Bild: DPD)
In dieser Situation ist es unsere Herausforderung als Logistiker, das Material genau zur richtigen Zeit an die richtige Stelle auszuliefern, um Wartezeiten oder unnötige Prozesse zu vermeiden, die das Projekt verzögern würden.

Bauen aktuell (BA): Welche aktuellen Herausforderungen prägen die Baustellenlogistik heute am stärksten?

Matthias Kemna: Die Arbeit auf Baustellen ist heute ein äußerst dynamischer und hochkomplexer Prozess, und das unter erheblichem Zeitdruck. Gewerke werden häufig parallel ausgeführt, die Termine sind eng getaktet, die Abläufe müssen reibungslos ineinandergreifen. In dieser Situation ist es unsere Herausforderung als Logistiker, das Material genau zur richtigen Zeit an die richtige Stelle auszuliefern, um Wartezeiten oder unnötige Prozesse zu vermeiden, die das Projekt verzögern würden. Für Bauunternehmen gibt es wohl kaum Schlimmeres, als wenn Handwerker und Monteure untätig auf der Baustelle warten müssen, weil notwendige Baumaterialien, Werkzeuge, Ersatzteile oder Geräte nicht rechtzeitig eintreffen.

BA: Wo liegen in der Praxis die häufigsten Probleme bei der Belieferung von Baustellen?

Matthias Kemna: Der kritische Punkt in der Anlieferung ist es tatsächlich, den richtigen Adressaten auf der Baustelle zu finden, und das genau zu dem vereinbarten Zeitpunkt, wenn er das Material braucht. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, dass sich die örtlichen Bedingungen auf den Baustellen mit dem Grad der Fertigstellung laufend verändern und für den anliefernden Fahrer unübersichtlich sind, da es keinen über die gesamte Bauzeit gleichbleibenden Ort für die Anlieferung gibt wie bei Firmen oder privaten Haushalten.

Der kritische Punkt in der Anlieferung ist es tatsächlich, den richtigen Adressaten auf der Baustelle zu finden, und das genau zu dem vereinbarten Zeitpunkt, wenn er das Material braucht.

BA: Wie lassen sich diese logistischen Herausforderungen konkret lösen – und welche Rolle spielt dabei die Just-in-Time-Anlieferung?

Matthias Kemna: Wir haben uns intensiv mit den logistischen Herausforderungen auf der Baustelle befasst und für die Baubranche spezifische Lösungen entwickelt. Das ist Teil unserer DNA als 'Branchenkönner', uns bis ins Detail mit den Besonderheiten der Branchen unserer Geschäftskunden vertraut zu machen. Zur Just-in-Time-Anlieferung an den gewünschten Ort haben wir in Absprache mit unseren Kunden wie etwa den Baubedarfszulieferern Velux, Danfoss, Würth oder Makita digitale individuelle Lösungen entwickelt.

Generell gilt, dass die Touren der Fahrer mit GPS-Daten optimiert sind und so die Anlieferung am richtigen Ort garantieren. Tourenbetreuer in den DPD-Depots sowie der Einsatz digitaler Tools ermöglichen die Koordination und Nachverfolgung mit dem Ergebnis effizienter Abläufe. Die Monteure werden direkt auf dem Weg zur Baustelle über Paketstationen, Paketshops oder durch Locker auf den Baustellen beliefert. Mit Vorankündigung, Livetracking und Zustell-Updates behalten sie jederzeit den Überblick über ihre Lieferungen. Treten Probleme auf, haben Kunden telefonisch direkt erreichbare persönliche Ansprechpartner in den DPD-Depots, die für eine schnelle Reaktion im Tagesgeschäft und maßgeschneiderten Support sorgen. Sie müssen sich also nicht an ein, im Zweifel in einem fremden Land angesiedeltes, häufig überlastetes und mit den Vorgängen nicht vertrautes Call Center wenden.

BA: Können Sie anhand eines Praxisbeispiels erläutern, wie eine optimierte Baustellenbelieferung konkret aussieht?

Matthias Kemna: Beispielsweise liefern wir für den Fensterproduzenten Velux Ersatzteile, Jalousien oder Rollos, die er für die Montage von Dachfenstern benötigt. Um Zeit zu sparen, sollen diese Teile nicht erst über ein deutsches Verteilzentrum, sondern direkt von den Produktionsstätten an die Monteure auf den Baustellen ausgeliefert werden. Das macht den Job herausfordernd, denn die Produktionsstätten liegen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tschechien und Ungarn. Wir haben diese logistische Herausforderung gemeistert. Die Produkte aus deutscher Fabrikation liefern wir innerhalb eines Tages, die aus den Fabriken im Ausland innerhalb von zwei Tagen genau dorthin, wo sie die Monteure brauchen.

Zustellung auf der Baustelle.(Bild:  David Meier/DPD)
Zustellung auf der Baustelle.
(Bild: David Meier/DPD)
Die Lieferqualität wird enorm verbessert, wenn Informationen und Daten, sowohl uns gegenüber als auch an die betreffenden Personen und Gewerke auf den Baustellen, frühzeitig bereitgestellt werden.

BA: Was könnten Bauunternehmen aus Ihrer Sicht heute noch besser machen, um Stillstandzeiten durch Lieferprobleme zu vermeiden?

Matthias Kemna: Die Lieferqualität wird enorm verbessert, wenn Informationen und Daten, sowohl uns gegenüber als auch an die betreffenden Personen und Gewerke auf den Baustellen, frühzeitig bereitgestellt werden. Auch hilft es, schon bei der Projektierung die benötigten Zustellprozesse und Lösungen zu kommunizieren, damit diese auch effizient genutzt werden können.

BA: Wie lässt sich Ihre Logistiklösung in bestehende Baulogistik- oder ERP-Systeme der Bauunternehmen integrieren? 

Matthias Kemna: Unsere digitalen Lösungen ermöglichen Kunden die Anbindung an ihre Warenwirtschaftssysteme, Livetracking ihrer Sendungen und automatisierte Label- und Avis-Prozesse, mit flexiblen Zustellzeitfenstern, direkter Lieferung an die Baustelle oder auch an Geschäftskunden. Unsere digitalen Services können Unternehmen nahtlos in ihren Versandworkflow einbinden. Viele Unternehmen haben diese Services bereits in ihre Warenwirtschaftssysteme integriert oder per Schnittstelle angebunden. 

BA: Welche Möglichkeiten der Automatisierung sehen Sie in der Baustellenlogistik – und welche Trends werden die Branche in den kommenden Jahren prägen?

Matthias Kemna: Da es logistisch gesehen auf Baustellen sehr dynamisch zugeht, erscheinen Automatisierungen auf den ersten Blick schwierig. Je nach Projektgröße können aber Drohnen eine Option als ‚Last meter‘- Zustellung sein. Vor allem aber die bereits genannte Vernetzung von Informationen (Datenplattform aller Gewerke, digitale Zwillinge) werden helfen, Prozesse zu optimieren. Der Trend wird also weniger in Richtung von vollautomatisierten Baustellen gehen, sondern vielmehr aus einem Mix von verschiedenen, datengetriebenen Teilprozessen bestehen, die optimal aufeinander abgestimmt sind.

Über Matthias Kemna

Matthias Kemna ist Diplom-Betriebswirt und verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte an Erfahrungen im B2B-Geschäft der Paket-Logistik.

Weitere Informationen: https://www.dpd.com/de/de/

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