Mit dem Forschungsbau „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) hat Telluride Architektur in Berlin einen interdisziplinären Ort geschaffen, an dem Medizin, Technik und Architektur zusammenfinden. Der Neubau ermöglicht Forschung an menschlichen Organmodellen – ohne Tierversuche – und soll eine offene Wissenschaftsarchitektur vorantreiben.
Mit dem neuen Forschungsbau „Der Simulierte Mensch“ in Berlin hat Telluride Architektur ein Gebäude geschaffen, das zukunftsweisend ist.
Interdisziplinär, öffentlich und zukunftsweisend: Mit dem neuen Forschungsgebäude „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) hat Telluride Architektur einen Bau realisiert, der sowohl wissenschaftlich als auch architektonisch neue Maßstäbe zu setzen verspricht. Auf dem Campus für Bio- und Medizintechnologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Technischen Universität Berlin entsteht hier der erste Forschungsbau, in dem Forschende an der Simulation menschlicher Organfunktionen ohne Tierversuche arbeiten.
Forschungsplattform von TU Berlin und Charité
Nach vier Jahren Planung und rund vier Jahren Bauzeit wurde der Neubau am 22. April 2026 feierlich eröffnet. Die gemeinsame Forschungsplattform von TU Berlin und Charité bildet das Herzstück des neuen Campus und zählt zu den bedeutendsten aktuellen Projekten im Bereich Biomedizin und Medizintechnik.
Die Fassade besteht aus fünf Elementtypen aus Glasfaserbeton, die unterschiedlich kombiniert sind und auf funktionale, programmatische sowie klimatische Anforderungen reagieren.
Im Fokus stehen sogenannte Multi-Organ-Modelle, bei denen mithilfe von 3D-Bioprinting oder Multi-Organ-Chips realitätsnahe Nachbildungen menschlicher Organfunktionen entstehen. Diese ermöglichen ein besseres Verständnis von Krankheiten und die Entwicklung neuer Therapieansätze – bei gleichzeitiger Reduktion bzw. perspektivischer Vermeidung von Tierversuchen.
Si-M als Blaupause für eine neue Art von Forschungsbau
Auf rund 7‘000 Quadratmetern stehen Labore, Büros und Begegnungsflächen für etwa 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Institutionen zur Verfügung, die in gemischten Teams arbeiten. „Der Si-M ist eine Blaupause für eine neue Art von Forschungsbau. Neue Zeiten erfordern manchmal neues Denken und das Überdenken klassischer Planung“, so Prof. Dr. Andreas Thiel, Mitgründer des Projekts und Leiter der Arbeitsgruppe „Regenerative Immunologie und Altern“ an der Charité.
Die Architektur des fünfgeschossigen Gebäudes unterstützt diese neue Forschungsform gezielt: offene, flexibel nutzbare Laborstrukturen, kurze Wege zwischen Disziplinen und gemeinsam genutzte Technologieplattformen fördern den interdisziplinären Austausch zwischen Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Der Bau selbst wird so Teil des wissenschaftlichen Prozesses.
Architektur gleicht einem Organismus
Telluride Architektur beschreibt den Si-M als lebendigen „Organismus“: Funktionsbereiche sind wie Zellen vernetzt, Technologie- und Begegnungszonen wirken wie Zellkerne, die Fassade übernimmt die Rolle eines schützenden Gewebes. Der Entwurf ging 2019 als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervor.
Die Fassade besteht aus fünf Elementtypen aus Glasfaserbeton, die unterschiedlich kombiniert sind und auf funktionale, programmatische sowie klimatische Anforderungen reagieren. Im Inneren prägt ein rund 22 Meter hohes Atrium den ersten Eindruck, durch das sich der Blick nach oben öffnet. Mittelpunkt ist eine geschwungene, skulpturale Treppe, die alle Etagen verbindet.
Das Atrium dient als zentraler Ort der Begegnung zwischen Charité und TU Berlin, zwischen Forscherinnen, Ärzten, Patientinnen und Besuchern. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss sind öffentlich zugänglich und beherbergen das Theatron, eine Cafeteria sowie Patientendienste für den translationalen Austausch zwischen Klinik und Forschung. In den oberen Etagen befinden sich Labore und Büros.
Über die reine Forschung hinaus
Der Neubau wurde nach Kriterien des energieeffizienten und ressourcenschonenden Bauens konzipiert und soll nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) zertifiziert werden.
„Der Si-M ist für einen Forschungsbau ungewöhnlich öffentlich“, erklärt Joel Hahn, geschäftsführender Gesellschafter von Telluride Architektur. „Innen- und Außenräume verschmelzen. Das Gebäude fördert Begegnung und Austausch. Diese Offenheit sowie die Verbindung von Wissenschaft und Öffentlichkeit machen es zu einem transformatorischen Raum, der über die reine Forschung hinausgeht.“
info: Telluride architektur
Telluride Architektur ist eine interdisziplinäre Gemeinschaft. Von den Standorten in Berlin, Düsseldorf und München aus entwirft und realisiert ein internationales Team von rund 130 Architektinnen und Architekten neuartige Forschungs-, Bildungs- und Gesundheitswelten für Menschen und Institutionen in ganz Europa. Das Architekturbüro wurde 1959 von Gerhard Thiede mit dem Fokus auf Bauten im Gesundheitswesen gegründet. 2013 erfolgte die Übernahme durch das global aufgestellte Ingenieurbüro HDR Inc., wodurch internationale Expertise im Forschungsbereich und interdisziplinäre Zusammenarbeit neue Impulse setzten. Seit 2023 trägt das Büro den Namen Telluride Architektur und steht für eine eigenständige, zukunftsorientierte Ausrichtung, die Tradition und Innovation vereint.
Die Unternehmensleitung von Telluride Architektur besteht aus den fünf geschäftsführenden Gesellschaftern und Gesellschafterinnen Antje Feiter, Rüdiger Haasis, Joel Hahn, Hubert Juranek und Johannes Kresimon sowie den sechs Partner:innen Sonja Gasteyer, Maren Kreft, Kristian Lehmann, Sarai Metten, Daniel Resch und Kathi Weber.
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