Die neue Reithalle für Pferdesport befindet sich im Cour du Puits, einem der beiden historischen Höfe des Nationalgestüts in Hennebont, Frankreich (Haras National). Mit einer Höhe von siebzehn Metern definiert das Gebäude die Silhouette des Ortes neu. Seine hohe, markante Form ragt über die napoleonischen Stallungen hinaus und spiegelt die großen Schieferdächer dieser weltlichen Langhäuser wider.
Die neue Reithalle für Pferdesport befindet sich im Cour du Puits, einem der beiden historischen Höfe des Nationalgestüts (Haras National).
(Bild: Yon de Poncins)
In diesem geschichtsträchtigen, nahezu sakralen Kontext habe man auf eine anachronistische zeitgenössische Geste verzichtet, so die Architekten von K Architectures. „Wir haben eine klassische, volkstümliche Architektursprache heraufbeschworen, um mit der Seele des Ortes in Resonanz zu treten.“ Die vorgängige stilistische Suche für die Reithalle schöpft aus zahlreichen Archetypen: Man erkennt den Schatten der ersten sesshaften Zirkusse – jener verschwundenen hölzernen „Ställe“ – ebenso wie die malerischen Silhouetten der Markthallen des 17. Jahrhunderts, von Questembert bis Plouescat.
Die Reithalle mit aufeinanderfolgenden Obergaden.
(Bild: Yon de Poncins)
Cour du Puits, einer der beiden historischen Höfe des Nationalgestüts (Haras National).
(Bild: Yon de Poncins)
Jerome Sigwalt und Karine Herman von K Architectures.
(Bild: DUNILE-LD)
Doch es ist Victor Baltard, der über die Jahrhunderte hinweg das Duell der Einflüsse gewann. Der Marché Secrétan, eines seiner feinsten Werke, habe die ersten Entwürfe geprägt, bis er schließlich die Genese des Projekts dominierte.
Das Gebäude greift das Prinzip der aufeinanderfolgenden Obergaden auf, das ursprünglich dazu diente, das Mittelschiff zu verstärken, die natürliche Belüftung zu verbessern und Licht in das Innere zu bringen. Durch die Fortführung dieses Prinzips wird das Volumen unter den Bögen gedehnt und die Gesamtmasse fragmentiert.
„Eine Entscheidung, die die Dachlinie rhythmisiert, um ihre Masse in der Landschaft zu zerstreuen.“
Formensprache der Reithalle
Die Gebäudehülle zeichnet sich durch eine fein nuancierte Materialität aus. Die Dachflächen sind mit rechteckigen Schieferplatten gedeckt – Überreste der napoleonischen Architektur –, die mit runden, zeitgenössischeren Schieferformen durchsetzt sind. Die Modellierung der Dachflächen wird zu einer architektonischen Interpretation der zirkusbezogenen Bildsprache. Das verleiht dem Dach etwas Spielerisches.
Das architektonische Vorbild schöpft seine Stärke aus der Dualität früher Zirkusbauten.
(Bild: Yon de Poncins)
Holzstruktur für das spektakuläre Gewölbe.
(Bild: Yon de Poncins)
Die Halle und zwei ihrer vier Fassaden kommen ohne tragende Stützen aus.
(Bild: Yon de Poncins)
Schnitte durch die Halle.
(Bild: K Architectures)
Fortführung einer Architektur des Ephemeren
Im Inneren entfaltet sich die Holzstruktur zu einem spektakulären Gewölbe und schafft eine innere Landschaft, deren strukturelle Kraft an die Größe der Halle von Questembert gemahnen soll.
Das architektonische Vorbild schöpft seine Stärke aus der Dualität früher Zirkusbauten: Es übernimmt die stabile Form des sesshaften Zirkus des 19. Jahrhunderts und zugleich die konstruktive Intelligenz „halb-mobiler“ Strukturen. Letztere waren für den Wanderbetrieb konzipiert und setzten auf Vorfertigung und schnelle Montage. Das Konstruktionssystem basiert auf einem modularen Prinzip aus drei Typen, jeweils vierfach wiederholt: präzisionsgefertigte Bauteile, die vor Ort montiert werden und eine kontrollierte Bauausführung ermöglichen.
Ohne tragende Stützen
Die konstruktive Strategie verfolgt ein radikales Ziel, nämlich die Halle – und zwei ihrer vier Fassaden – vollständig von tragenden Stützen zu befreien. Dies wird durch ein System aus Bögen erreicht, die eine Kuppel initiieren, auf die eine gestufte Pyramide aufgesetzt ist.
Die Bögen steigen versetzt an und nehmen Fachwerkträger auf, die die Fassaden in einem einzigen Spann überbrücken. Das Fehlen von Zwischenstützen ermöglicht eine vollständig offene Arena.
Beim Durchqueren des Cour du Puits vom Écurie d’Honneur aus fällt der Blick durch die Halle hindurch und eröffnet den Besuchern eine panoramische, frontale Sicht auf die historischen Stallungen – und verankert das Reitspektakel in seinem architektonischen „Schmuckkästchen“.
Szenografie von Schatten und Licht
Die Magie des Ortes setzt sich im Inneren fort. Ziel war es, eine Struktur zu entwerfen, die an der Fassade zurückhaltend ist, unter dem Gewölbe jedoch mirifique (wunderbar).
Axonometrien der Halle.
(Bild: K Architectures)
Plan des Geländes.
(Bild: K Architectures)
Unter gedimmtem Licht entsteht durch die Holzstruktur eine festliche, fast jahrmarktartige Atmosphäre. Um dieses hölzerne „Skelett“ zu betonen, sind alle technischen Elemente in dunklen, matten Tönen gehalten. Dadurch tritt die Hülle zurück und die tragende Struktur wird inszeniert.
Schließlich zeigt sich die Flexibilität des Gebäudes in seiner ausfahrbaren Fassade. Zwischen den Veranstaltungen lassen sich ganze Wandabschnitte hinter schlanke Pfeiler zurückziehen, wodurch die Grenze zwischen Reitbahn und Gestüt aufgehoben wird.
Hülle aus Holz und Licht: zwischen Funktion und Dauerhaftigkeit
Die Fassaden um den Cour du Puits bestehen aus einer strengen Holzstruktur. Die Verkleidung aus horizontal gekerbten Holzpaneelen interagiert visuell mit den Lamellen der Dachzonen. Dieses System verbindet zwei Lichtkreisläufe mit verstellbaren Holzlamellen, die das natürliche Licht filtern und in die Arena streuen. Tagsüber betont dieses System die Struktur plastisch: Licht trifft direkt auf die Bögen und macht die Holzfachwerke sichtbar.
Stand: 16.12.2025
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Über die Ästhetik hinaus bildet diese obere Zone die „Lunge“ des Projekts – ein natürliches Belüftungsorgan. Die Lamellen regulieren den Luftstrom und wirken zugleich als akustische Elemente, die die Ruhe bei Pferdesportveranstaltungen sichern.
Durch die Öffnung zum Himmel vollendet dieses System den von Victor Baltard entwickelten „thermischen Schornstein“ und sorgt für passiven, nachhaltigen Klimakomfort.
haras national d'Hennebont
Die Nationalgestüte (Haras Nationaux) wurden 1665 unter Colbert gegründet, um ausreichend Pferde für das Militär bereitzustellen. 1715 entstand mit dem Haras du Pin das erste Staatsgestüt in der Normandie. Im Laufe der Zeit wurden die Gestüte unter Napoleon und Napoleon III. weiter ausgebaut, um den Bedarf an Pferden für Armee, Landwirtschaft und Transport zu decken. Gleichzeitig gewann der Pferdesport an Bedeutung. Nach dem Ende des Zweiten Kaiserreichs wurden die kaiserlichen Gestüte zu den Nationalgestüten, deren Aufgabe vor allem in der Zucht und Auswahl leistungsfähiger Hengste lag, um die Pferdezucht in Frankreich genetisch zu verbessern. 2010 fusionierten die Nationalgestüte mit dem Cadre Noir de Saumur zum Institut Français du cheval et de l’équitation (IFCE), einer öffentlichen Einrichtung zur Professionalisierung der Pferdebranche.
Cour du Puits, einer der beiden historischen Höfe des Nationalgestüts (Haras National).
(Bild: Yon de Poncins)
Das Gestüt Hennebont in der Bretagne hat seine Ursprünge im Jahr 1807 mit dem Gestüt Langonnet, das unter Napoleon Bonaparte gegründet wurde. 1842 entstand zudem das Gestüt Lamballe. Aufgrund von Standortproblemen und der besseren Verteilung der Hengste wurde Langonnet schließlich nach Hennebont verlegt. Der Standortwechsel wurde unter Napoleon III. offiziell bestätigt. 1857 besuchte er Hennebont und soll dabei ein Gemälde gestiftet haben, das heute noch im Ehrenstall zu sehen ist. Das Gestüt wuchs stetig und bot schließlich Platz für bis zu 276 Hengste und rund 100 Mitarbeiter.
Aktuell umfasst das Gelände des Haras National d’Hennebont rund 32 Gebäude, darunter Stallungen, Wohnhäuser und eine Schmiede, sowie einen 23 Hektar großen Park mit seltenen Baumarten. Das Gestüt ist als historisches Denkmal geschützt.
Seit 1999 wird es zudem touristisch genutzt und bietet Besuchern Einblicke in die Welt der Pferde, insbesondere der bretonischen Kaltblüter. Führungen, Shows und Veranstaltungen machen den Ort zu einem wichtigen Zentrum der regionalen Reitkultur. 2007 wurde ein Zweckverband gegründet, um das kulturelle und architektonische Erbe zu erhalten. Nach der Umstrukturierung der Nationalgestüte übernahmen 2016 die Stadt Hennebont und die Agglomeration Lorient den Standort. Gleichzeitig bleibt das IFCE auf nationaler Ebene für die Weiterentwicklung der Pferdebranche zuständig.
Heute dient das Gestüt Hennebont als bedeutender Kultur-, Bildungs- und Veranstaltungsort und verbindet historisches Erbe mit moderner Nutzung im Bereich Sport, Kultur und Pferdeausbildung.
Technische Daten der Reithalle
Bauherr: Loriant Agglomération
Planungsteam: K Architectures (mandatierter Architekt), Margaux Alépée (Projekt- und Bauarchitektin), EVP Ingenierie (Tragwerksplanung), Ecallard – E2 Economist, Ares Études Nantes (technische Studien), Osmose (Reitböden), Altia (Akustik), Ascot (Baustellenorganisation und -leitung)
Projekt:
Reithalle für Pferdesport
Arena: von einem Kreis mit 19 m Durchmesser zu einem Rechteck von 39 × 20 m
Sitzplätze: 700
Renovierung der Stallungen
Budget: 3,6 Millionen Euro (Wert 2020)
Fläche: 1‘464 m²
Umsetzung
Holzrahmen, Dach und Fassaden
Betonfundamente
sekundäre Metallstruktur und
sekundäre Metallstruktur und szenografische
sekundäre Metallstruktur und szenografische Metallarbeiten