In der neuen psychiatrischen Johanniter-Tagesklinik Koblenz können in einer Kinder- sowie Jugendlichen-Gruppe bis zu 20 junge Patienten betreut werden. Erweitert werden die vielfältigen Therapiemöglichkeiten durch eine angebundene psychiatrische Institutsambulanz. Die Aufgabe der Bauplanung war für das Architekturbüro Stefan Schäfer in Neuwied anspruchsvoll, denn: In der Klinik galt es, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, die Ärzten, Betreuern und den psychisch instabilen Kindern und Jugendlichen eine erfolgreiche Zusammenarbeit ermöglicht. Die Baukosten waren durch die Johanniter-Tagesklinik Koblenz GmbH als Bauherrin streng reglementiert. Zugleich hatte die Umsetzung eines baubiologisch unbedenklichen und ökologisch verantwortlichen Bauens oberste Priorität. Mit Leichtbeton-Mauerwerk von KLB Klimaleichtblock ließen sich jedoch beide Vorgaben sehr gut in Einklang bringen. Von Dipl.-Ing. Peter Gahr
(Quelle: Johanniter)
Die das Grundstück der Tagesklinik nordwestlich begrenzende Straße „Moselufer“ suggeriert eine idyllische Lage. Doch das Moselufer ist mehr Verkehrsstraße als Ufer, im Nordosten begrenzen die Auffahrtsrampen zur Kurt-Schumacher-Brücke das Grundstück. Die 1990 errichtete, leicht gevoutete Balkenbrücke aus Spannbeton ist kein lohnender Fenster- oder Terrassenblick. Viel Verkehr hat jedoch auch seine Vorteile, und das jedem bekannte intensivrote Johanniter-Symbol sowie das gleichfarbig gestaltete Eingangsportal der Klinik, kombiniert mit farblich frech gestalteten schrägen Stahlbetonstützen, sind einprägsam.
(Tagesklinik in Koblenz: Dem in intensiven „Johanniter Rot“ gehaltenen Eingangsportal der Klinik stellten die Architekten leicht geneigte Stützen in leuchtend bunten Volltönen an die Seite. (Foto: Johanniter))
Von der Klinik aus die Mosel im Blick
Die Klinik ist in zwei rechteckige Hauptbaukörper untergliedert, die durch ein großflächig verglastes, transparentes Foyer verbunden sind. Somit entstand eine Z-förmige zweigeschossige Gebäudekonfiguration, welche die orthogonalen Grundrisse der Nachbarbebauungen aufnimmt und die beiden Funktionsbereiche der Tagesklinik klar voneinander trennt. Zugleich bilden sich hierdurch zwei über Eck gefasste räumliche Freibereiche: Eine ansprechende Zufahrts- und Eingangssituation auf der Nordseite sowie eine nach Süden hin ausgerichtete Sonnen- und schöne Aussichtsseite mit ungestörtem Blick zur Mosel. Die Gruppen der Tagesklinik liegen im ruhigeren Obergeschoss, die Aufenthaltsräume sind der südlichen „Schokoladenseite“ zugeordnet. Hier ist auch das Obergeschoss mit dem Freiraum verbunden, nämlich über eine zweiläufige Podesttreppe, die an einen über Eck gezogenen balkonartigen Laubengang anschließt.
(Auf der Südwestseite verbindet ein langgezogener Laubengang mit angesetzter Treppe die Freifläche mit dem Obergeschoss. (Foto: Johanniter))
Bei der Fassade halten sich weiß getönte Putzflächen in etwa die Waage mit anthrazitfarbenen HPL-Fassadenplatten. Gestalterisch zusammengefasst werden die unterschiedlichen Fassadenkonstruktionen durch ein markantes – bis in die Inneneinrichtung hineingezogenes – Farbkonzept, basierend auf dem Johanniter-Rot, kombiniert mit leuchtend bunte Volltontöne in gelb, orange, grün und blau. Ein auskragender schwebender Baukörper, in dem ein großer Besprechungssaal untergebracht ist, betont die zur Kurt-Schumacher-Brücke orientierte Gebäudeecke. Den oberen Abschluss des Gebäudes bildet ein leicht ins Gefälle gelegtes Flachdach mit aufgesetzten Photovoltaikelementen.
Reduzierte Formensprache
Das Foyer ist großzügig gestaltet und „öffnet“ sich voll verglast zur südlichen Freifläche. Der Rest folgt dem Diktat der Nutzfläche und ist flächenoptimiert gestaltet. So sind etwa die Flure langgestreckt oder wie Knotenpunkte ausgeführt. Direkt daran sitzen die Behandlungszimmer sowie Aufenthalts- und Büroräume. Im Obergeschoss löst dagegen eine geschwungene, sich nach hinten öffnende Flurwand diese pragmatische Grundrissgestaltung ab. Dieser reduzierte Wechsel in der Formensprache bewirkt einen entsprechend kraftvollen Auftritt der gebogenen Wand und betont die unterschiedliche Nutzung der beiden Geschossebenen.
(Ein großflächig verglastes, transparentes Foyer verbindet die beiden rechteckigen Hauptbaukörper und öffnet den Blick auf den südlich gelegenen Freiraum. (Bild: Architekturbüro Stefan Schäfer))
Nachhaltige Massivbauweise für die Klinik
Einen gelernten Zimmermann und Architekten mit der Durchführung dieses Projektes zu beauftragen, könnte durchaus bedeuten: Diese Klinik wird ein handwerklich fundiert geplanter Holzskelettbau. Es kam jedoch anders. Nicht nur gab die Bauherrin gleich zu Beginn der Planung die Richtung vor und bestand auf einer massiven Bauweise, die sich für andere Gebäude bereits bewährt hat. Auch setzt das Architekturbüro von Stefan Schäfer mit seinem Branding „nachhaltige Architektur in Holz + Stein“ grundlegend auf architektonische Nachhaltigkeit – und diese ist ebenfalls sehr gut in Stein umzusetzen.
Mit der Entscheidung zur Massivbauweise steht ein ganzer Reigen an Baustoffen zur Auswahl, zugleich die Entscheidung zur Konstruktion: monolithisch, WDVS oder hinterlüftet? Ausgeführt hat man eine Wärmedämmverbundkonstruktion sowie eine vorgesetzte hinterlüftete Fassade. Für beides bietet Leichtbetonhersteller KLB Klimaleichtblock mit seinen Plan-Hohlblöcken einen perfekten Baustoff an, der speziell für zusatzgedämmte Wände, tragende Keller-, Außen- und Innenwände entwickelt wurde. KLB-Plan-Hohlblöcke sowie Schalldämmblöcke entstehen auf der Grundlage der europäischen Norm DIN EN 771-3 und sind darüber hinaus bauaufsichtlich zugelassen. Neben vielen technischen Daten war für die Wahl des KLB-Plan-Hohlblocksteines mitentscheidend, dass der Architekt damit schon mehrere Bauvorhaben ausgeführt hat, also auch der Planer auf „Bewährtes“ zurückgriff. Darüber hinaus kamen für statisch bzw. schalltechnisch besonders beanspruchte Bereiche KLB-Plan-Schalldämmblöcke zum Einsatz.
(Effizienter Bau der Klinik: KLB-Plan-Hohlblöcke ermöglichen in Verbindung mit dem hier eingesetzten WDVS-System besonders wirtschaftlich und energetisch hochwertige Außenwände. (Foto: Johanniter))
Bims – im Feuer geboren
Leichtbeton-Mauersteine von KLB werden überwiegend aus Bims und Blähbeton hergestellt. Der Zuschlag Bims ist ein vulkanisches Gestein, das im Tagebau, nach Abschieben und seitlicher Lagerung des Mutterbodens, gewonnen wird. Nach dem Abbau wird der Mutterboden wieder gleichmäßig aufgetragen, so dass das Gelände schnell renaturiert werden kann. Entstanden ist das nützliche Gestein bereits vor Jahrtausenden durch den Ausbruch des Laacher-See-Vulkans – als aufgeschäumtes und wieder erstarrtes Magma. Leichtbeton-Mauersteine müssen deshalb nur in Hochregallagern an der Luft getrocknet werden. Ein energieaufwändiger Brand im Ofen, Dampfhärtung in Autoklaven oder ähnliches sind nicht erforderlich. Dank seiner grobporigen Struktur lässt sich das Material zudem nicht nur leicht verarbeiten, sondern verfügt auch über hervorragende Dämmeigenschaften.
Stand: 16.12.2025
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Baustoffe aus der Region sind ein weiteres Argument in jeder Ökobilanz. Denn die Region rund um Koblenz ist mit reichhaltigen Bims- und Tonvorkommen gesegnet. Herstellung und Verarbeitung von Leichtbetonbausteinen blicken hier auf eine lange Tradition und Erfahrung zurück, die weit bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die mit dem Rohbau beauftragte A-Theisen-Bau GmbH aus Kruft, zirka 25 Kilometer westlich von Koblenz gelegen, verarbeitet KLB-Plan-Hohlsteine sehr häufig und auch des Öfteren schon für das Architekturbüro Stefan Schäfer. Diese Erfahrung bedeutet dem Architekten viel und ist am besten mit einem Zitat zur „Denkweise“ aus seiner Website beschrieben: „Der Handwerker mit seiner beruflichen Erfahrung und, im Idealfall, seinem berufsständischen Ehrgeiz ist Partner, nicht Gegner.“ Diese Einstellung findet man nicht immer in diesem Berufsstand, sie ist jedoch – zusammen mit der fachlichen Beratung durch KLB – ein maßgeblicher Faktor für eine risikolose erfolgreiche Bauausführung.
Standard ist per se immer gut
Gute Architektur zeichnet sich nicht unbedingt durch innovative Lösungen aus, sondern auch durch das sinnvolle Umsetzen bewährter Standards. Dem entspricht die Auswahl des KLB-Plan-Hohlblockes, der sich bereits seit langem für zusatzgedämmte Hintermauerschalen bewährt hat. Mit einer vorgesetzten Steinwolle-Dämmung (l = 035) der Stärke 12 cm ergibt sich für die 24 cm starken, verputzten WDVS-Außenwände ein respektabler U-Wert von 0,232 W/(m2K). Im Bereich der vorgehängten Fassade liegt dieser Wert mit 0,183 W/(m2K) noch niedriger – bei einer Dämmstoffstärke von 16 cm und einem Hinterlüftungsquerschnitt von 3 cm. Beiden Konstruktionen gemein ist zugleich ein hoher Schalldämmwert, der trotz der Bundesstraße sowie Kurt-Schumacher-Brücke eine hohe Aufenthaltsqualität in der Tagesklinik ermöglicht. Nur wenige Wände hat man in Beton ausgeführt.
Im Nachhinein betrachtet, hätten sich auch die gekrümmten Wände gut mit Leichtbetonsteinen umsetzen lassen. Das Biegen der Gipskartonplatten hat zwar funktioniert, aber dennoch musste man im Nachgang viel spachteln. Gut möglich, dass die nächste gekrümmte Wand auch mit Leichtbeton-Wandsteinen geplant wird. (anm)
Bautafel
Objektadresse: Koblenzer Straße 157b, 56073 Koblenz
Bauherr: Johanniter-Tagesklinik Koblenz GmbH, Am Carmen-Sylva-Garten 6-10a, 56564 Neuwied
Planung: Architekturbüro Stefan Schäfer, Blocker Straße 93a, 56566 Neuwied
Außen-/Innenwandbaustoff: KLB-Plan-Hohlblöcke in den Wandstärken 11,5, 17,5 und 24 cm sowie KLB-Plan-Schalldämmblöcke in den Wandstärken 17,5 und 24 cm
Verarbeiter Mauerwerk: Theisen Bau GmbH, Alliger Weg 22, 56642 Kruft
Grundstücksfläche: 2'110 Quadratmeter
Nutzfläche gesamt: 995 Quadratmeter
Verkehrsfläche: 91 Quadratmeter
Freifläche: 1'496 Quadratmeter
Errechneter Jahresheizwärmebedarf: 44,5 kWh/(m2A)
Jahresendenergiebedarf: 65,1 kWh/(m2A)
Dämmwert Außenwand (U-Wert): 0,232 W/(m2K) bzw. 0,183 W/(m2K)
Bauzeit: September 2017 bis Januar 2019
Baukosten: circa 2,1 Millionen (Baugruppe 300/400)