Jesper Kolk, CarbonStack, im Gespräch ESG-konformes Bauen: Worauf es ankommt

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 7 min Lesedauer

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Jesper Kolk, Geschäftsführer von CarbonStack, erläutert im Gespräch mit Bauen Aktuell, was ESG (Environmental, Social and Governance) bedeutet, was beim ESG-konformen Bauen wichtig ist, warum Bauunternehmen eine entsprechende Strategie entwickeln sollten und welche Trends die Branche prägen werden.

Kompensieren von CO2 durch Ausgleichsflächen: CarbonStack unterstützt deutsche Aufforstungsprojekte, die nach dem internationalen Verified Carbon Standard (VCS) und den Climate, Community & Biodiversity Standards (CCBS) zertifiziert sind.(Bild:  CarbonStack)
Kompensieren von CO2 durch Ausgleichsflächen: CarbonStack unterstützt deutsche Aufforstungsprojekte, die nach dem internationalen Verified Carbon Standard (VCS) und den Climate, Community & Biodiversity Standards (CCBS) zertifiziert sind.
(Bild: CarbonStack)

Warum ist es für Bauunternehmen wichtig, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln?

Jesper Kolk: Die EU-Kommission hat, um ihr Ziel zu erreichen, bis 2050 klimaneutral zu werden, als eine Maßnahme die EU-Taxonomie-Verordnung erlassen. Es handelt sich dabei um ein Regelwerk für Unter­nehmen, in dem nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten definiert werden. Nachhaltigkeit ist natürlich auch für die Baubranche nicht unwichtig, die für etwa 21 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich zeichnet. Erfüllen Unternehmen bestimmte Kriterien der EU-Taxonomie nicht, kann sich das negativ auf deren Kreditwürdigkeit auswirken. Ab Januar 2025 sind Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden, einer Bilanzsumme von 20 Mio. Euro oder einem Jahresumsatz von 40 Millionen Euro zu einem Bericht nach der sogenannten Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet, jenem Berichtsstandard, der zusammen mit dem European Sustainable Reporting Standard (ESRS) an die EU-Taxonomie anknüpft. KMU folgen ab Januar 2026, können allerdings einen Aufschub bis 2028 in Anspruch nehmen.

 Finanzmarktteilnehmer sowie andere kapitalmarktorientierte Betriebe unterliegen der EU-Taxonomie und sind daran interessiert, ESG-konforme Objekte in ihre Nachhaltigkeitsberichte zu integrieren.
Jesper Kolk, Geschäftsführer von CarbonStack.(Bild:  CarbonStack)
Jesper Kolk, Geschäftsführer von CarbonStack.
(Bild: CarbonStack)

Man könnte also meinen, diese Bestimmungen betreffen längst nicht alle Akteur:innen der Baubranche. Ein Blick auf den Finanzmarkt zeigt allerdings, dass es so einfach nicht ist: Finanzmarktteilnehmer sowie andere kapitalmarktorientierte Betriebe unterliegen der EU-Taxonomie und sind daran interessiert, ESG-konforme Objekte in ihre Nachhaltigkeitsberichte zu integrieren. Das bedeutet, dass Objekte nach den Aspekten Environmental, Social and Governance (ESG) geplant, entwickelt und konstruiert wurden. Denn Nachhaltigkeit bezieht sich nicht ausschließlich auf Klimaverträglichkeit. Sowohl EU-Taxonomie als auch CSRD enthalten diese ESG-Kriterien, die nachweisen, wie nach­haltig ein Unternehmen agiert und welche Risiken es gibt. Projekte ohne ESG-Strategie werden es also zukünftig schwer haben, Abnehmer:innen, Anleger:innen und Mieter:innen zu finden.

Und über den Finanzmarkt hinaus?

Jesper Kolk: Auch losgelöst von Finanzmarkt und Gesetzen spielt nachhaltiges Bauen eine große Rolle, steigt doch die gesellschaftliche Nachfrage nach ESG-konformen Bauen stetig. Unternehmen, die unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien agieren, erhalten dadurch deutliche Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Mitbewerbern. Und um auf die Faktenlage des Anfangs zurückzukommen: Angesichts des hohen Anteils der Baubranche an den weltweiten CO2-Emissionen ist es, unabhängig von wirtschaftlicher Motivation, unbedingt notwendig, tätig zu werden.

Wo steht die Baubranche aktuell?

Jesper Kolk: Beim genaueren Blick auf die einzelnen Faktoren, die für den hohen Anteil der Baubranche an den weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind, wird klar, dass der tatsächliche Aufbau der Gebäude das kleinere Problem ist. Eher sorgen Herstellung und Transport der traditionell verwendeten Materialien Stahl, Beton und Zement für hohen Schadstoffausstoß. Werden die Gebäude, die mit diesen Baustoffen errichtet wurden, zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgerissen, entstehen noch mehr Emissionen. So machte die Abfallgruppe der 'Bau- und Abbruchabfälle' im Jahr 2022 mit rund 216 Millionen Tonnen, was einem Gesamtanteil von rund 54 Prozent entspricht, den Großteil des Brutto-Abfallaufkommens aus.

Die Bauindustrie weiß um ihre Verantwortung, einen Beitrag zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen zu leisten, und ist gewillt, etablierte Prozesse zu verändern. Dennoch dauert es natürlich, bis beispielsweise Themen wie Kreislaufwirtschaft, Holzbauweise oder CO2-Kompensation der verwendeten Rohstoffe ihren Weg in die Umsetzung finden.

Welche Hürden gibt es noch?

Jesper Kolk: Eine große Hürde ist sicherlich die Finanzierung der Projekte, denn Nachhaltigkeit hat, zumindest auf den ersten Blick, ihren Preis: Nachwachsende Rohstoffe zu verwenden ist teurer, als mit konventionellen Baustoffen zu arbeiten. Recycling von Baustoffen ist finanziell unattraktiver, als zu entsorgen und neu zu produzieren. Ein genauerer Blick in die Lebenszyklus-Analyse des nachhaltig errichteten Gebäudes offenbart aber eine Preisersparnis gegenüber herkömmlichen Baukörpern.

Aus diesen Gründen begrüßen wir die Taxonomie-Verordnung der EU, da sie Unternehmen in die Pflicht nimmt, sich mit bestimmten Themen zu beschäftigen, Prozesse umzustellen, und somit zukünftigen Bewertungsrisiken vorzubeugen. Dies kann schnell überfordern. Genau dort kommen wir von CarbonStack als Partner mit dem notwendigen Know-how ins Spiel.

Was umfasst für Sie ESG-konformes Bauen?

Jesper Kolk: Environmental (E) steht für ökologische Nachhaltigkeit und zielt darauf ab, den CO2-Ausstoß eines Gebäudes während der Erstellungs- und in der Betriebsphase zu minimieren. Das kann, wie oben beschrieben, durch das Verwenden von nachwachsenden Rohstoffen geschehen, die CO2 dauerhaft binden, aber auch durch das Kompensieren von CO2 durch Ausgleichsflächen, idealerweise natürlich regional. Geht es hier beispielsweise um den vom Klimawandel sehr stark beeinträchtigten Harzer Wald, schafft das bei den Verantwortlichen einen ganz anderen Bezug zur ökologischen Verantwortung. Wir von CarbonStack haben uns daher als erstes Unternehmen der Mission verschrieben, deutsche Aufforstungsprojekte, die nach dem internationalen Verified Carbon Standard (VCS) und den Climate, Community & Biodiversity Standards (CCBS) zertifiziert sind, umzusetzen und in Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen, auch aus der Bauindustrie, zu integrieren.

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Recycling von Baustoffen ist finanziell unattraktiver, als zu entsorgen und neu zu produzieren. Ein genauerer Blick in die Lebenszyklus-Analyse des nachhaltig errichteten Gebäudes offenbart aber eine Preisersparnis gegenüber herkömmlichen Baukörpern.

Weiter bezieht sich Social (S) auf das Wohl der Bewohner:innen, aber auch auf die Förderung von Gleichberechtigung, bspw. durch sozialen Wohnungsbau. Governance (G) umfasst die wirtschaftliche Nachhaltigkeit; dazu zählen sowohl die Gesamtkosten eines Gebäudes über seinen Lebenszyklus hinweg, aber auch die Vergütungsmodelle und die Beziehung zu den Mitarbeitenden.

Welche Zertifizierungen und Standards gibt es, an denen sich Unternehmen und ihre Kunden überhaupt orientieren können?

Jesper Kolk: Die Zertifizierung von Gebäuden ist nach diversen Standards möglich. Für Deutschland sind insbesondere die Klassifizierungssysteme Leadership in Energy and Environmental Design (LEED), WiredScore sowie eine Zertifizierung nach der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zu nennen.

Wie sollten Unternehmen vorgehen, um ihre Prozesse zu analysieren und im Hinblick auf die ESG-Kriterien zu verbessern?

Jesper Kolk: Zunächst sollten sich Unternehmen die Frage stellen, welche ESG-Kriterien mit dem eigenen Geschäftsmodell erfüllt werden können. Hier gibt es Unterschiede, je nachdem, ob man in Errichtung, Betrieb, Verwaltung oder Weiterverkauf tätig ist. Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle drei ESG-Bestandteile gleichwertig in die Berichterstattung einfließen müssen. Fehlendes Wissen darüber, wie sich nachhaltiges Wachstum auf das Unternehmen auswirkt und wo Nachhaltigkeitsrisiken liegen, sind keine Seltenheit. Wer die Chance jetzt ergreift und sich frühzeitig mit dem Thema Nach­haltigkeit befasst, selbstverständlich auch mit Unterstützung, ist langfristig resilient.

Zunächst sollten sich Unternehmen die Frage stellen, welche ESG-Kriterien mit dem eigenen Geschäftsmodell erfüllt werden können.

Was ist hier besonders wichtig?

Jesper Kolk: Die Kenntnis von branchenspezifischen Lösungen ermöglicht bestmögliche Ergebnisse. So lassen sich einzelne Bestandteile international standardisieren und sind dadurch für Verantwortliche besser vergleichbar. Das Arbeiten mit und nach den zuvor genannten Organisationen und Klassifizierungssystemen sowie in enger Abstimmung mit den abnehmenden Wirtschaftsprüfer*innen führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Erfolg.

Was auch nicht vergessen werden darf: Die Einbindung von Mitarbeitenden in die Implementierung innovativer, nachhaltiger Konzepte ist ein wichtiger Motivator für alle Beteiligten.

Inwiefern sollten Kunden einbezogen werden?

Jesper Kolk: Die Einbindung potenzieller Kund:innen, insbesondere der Ankermieter:innen, ist wichtig, denn auch diesen verleiht der ‚grünere‘ Betrieb des Gebäudes Pluspunkte für ihren Nachhaltigkeitsbericht.

In welcher Form bietet CarbonStack Unterstützung in der Entwicklung von nachhaltigen Gebäuden?

Jesper Kolk: Wir von CarbonStack verstehen uns als Umsetzungspartner innovativer Bauprojekte und arbeiten hierzu anhand der Nachhaltigkeitsstrategie der Kunden mit ihren Mitarbeitenden und unter Einbeziehung ihrer Wirtschaftsprüfer:innen. Seit 2021 greifen wir dazu auf einen umfangreichen Werkzeugkasten an erprobten Maßnahmen zurück. Einen besonderen Fokus legen wir auf die Integration des deutschlandweit größten und international von der renommierten NGO VERRA zertifizierten Aufforstungsprojekts in das jeweilige Bauprojekt.

An ESG-konformem Bauen führt kein Weg mehr vorbei!

Mit Blick in die Zukunft: Welche Entwicklungen würden Sie sich für die Baubranche wünschen?

Jesper Kolk: Die Umsetzung nachhaltiger Gebäudekonzepte darf keinen Widerspruch zu einer hohen Wertschöpfung darstellen. Das gelingt besser, wenn seitens aller Beteiligten langfristig gedacht wird. Regulatorische Vorgaben sollten klar und rechtssicher gegeben werden. An ESG-konformem Bauen führt kein Weg mehr vorbei!

Herr Kolk, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Andreas Müller.

Info: carbonstack

CarbonStack verfolgt seit seiner Gründung im Jahr 2021 das Ziel, Unternehmen beim Erstellen ihrer Environmental-, Social-, und Governance-Reports (ESG) nach Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bestmöglich zu unterstützen. 

Das junge Hamburger Unternehmen greift dazu auf einen umfangreichen Werkzeugkasten an innovativen Maßnahmen zurück und sieht sich als essenzielle Schnittstelle zwischen Unternehmen und Wirtschaftsprüfenden. Darüber hinaus integriert CarbonStack als einziges Unternehmen deutsche Aufforstungsprojekte, die nach dem internationalen Verified Carbon Standard (VCS) und den Climate, Community & Biodiversity Standards (CCBS) zertifiziert sind, in Nachhaltigkeitsberichte von zu Reportings verpflichteten Unternehmen.

Weitere Informationen: https://www.carbonstack.de/