Parc des Loges in Évry-Courcouronnes Ein Wald zum Lernen, ein Park zum Aufwachsen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 3 min Lesedauer

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In Évry-Courcouronnes im Großraum von Paris verkörpert das Parc des Loges Kinder- und Sportzentrum die Philosophie des Architekturbüros HEMAA: eine landschaftsbasierte Komposition aus bio- und geologisch gewonnenen Materialien. Und so entsteht eine öffentliche Einrichtung, die offen, großzügig und nachhaltig ist.

Parc des Loges: eine landschaftsbasierte Komposition aus bio- und geologisch gewonnenen Materialien schafft eine öffentliche Einrichtung, die offen, großzügig und nachhaltig ist.(Bild:  Charles Bouchaid)
Parc des Loges: eine landschaftsbasierte Komposition aus bio- und geologisch gewonnenen Materialien schafft eine öffentliche Einrichtung, die offen, großzügig und nachhaltig ist.
(Bild: Charles Bouchaid)

Gegründet 2018 von Charles Hesters und Pierre Martin-Saint-Etienne, ist HEMAA ein Architekturbüro, das einen kontextbezogenen, sobrietätsorientierten Ansatz verfolgt, verwurzelt in der lebendigen Welt. Jedes Projekt entsteht aus einer sorgfältigen Analyse seiner Umgebung und sucht ein Gleichgewicht zwischen Natur, Nutzung und Material. In Évry-Courcouronnes (Großraum Paris – Frankreich) verkörpert das Parc des Loges Kinder- und Sportzentrum diese Philosophie vollständig: eine sanfte, landschaftsbasierte Komposition aus bio- und geologisch gewonnenen Materialien, die eine öffentliche Einrichtung schafft, die offen, großzügig und nachhaltig ist.

Parc des Loges: Architektur mit tiefen Wurzeln

Perfekt in die natürliche Topografie des Geländes eingepasst, folgt der Bau dem Gefälle ohne künstliche Eingriffe. Fünf Einheiten – Kindergarten, Grundschule, Kinderbetreuungszentrum, Cafeteria und Sporttribüne – sind um einen zentralen Gartenhof angeordnet, der von der Straße abgeschirmt, aber zur Landschaft geöffnet ist. Durch zarte, verglaste Verbindungen miteinander verbunden, fördern diese autonomen Baukörper Tageslichteinfall, Sichtbezüge und stehen in Beziehung zur lebendigen Umgebung.

Die Fassaden sind aus Stampflehm gefertigt.
(Bild: Sergio Grazia)
Das gesamte Projekt folgt einem anspruchsvollen ökologischen Ansatz.
(Bild: Charles Bouchaid)
Verstellbare Sonnenschutzvorrichtungen und tiefe Dachüberstände regulieren das Sonnenlicht auf natürliche Weise. (Bild:  Sergio Grazia)
Verstellbare Sonnenschutzvorrichtungen und tiefe Dachüberstände regulieren das Sonnenlicht auf natürliche Weise.
(Bild: Sergio Grazia)

Als Allegorie auf die Bauteile des Parks sind die Fassaden aus tragendem Stampflehm gefertigt, während das Innenfachwerk vollständig aus Holz besteht. Wege schlängeln sich zwischen neu gepflanzten Bäumen hindurch und erweitern die Schule auf natürliche Weise in den Park. Der Kindergarten wird zu einem künstlich angelegten Wald, bepflanzt mit Eichen, Eschen, Ahorn und Ulmen und durch Lichtungen unterbrochen, die zum freien Spiel einladen. Inspiriert von der Waldkindergarten-Philosophie soll das Projekt eine spielerische und immersive Lernvision eröffnen – und in der Natur verankert.

Materialien für ökologisch anspruchsvolle Bauweise

Das gesamte Projekt folgt einem anspruchsvollen ökologischen Ansatz. Die 665 m³ tragender Erde, die für die Fassaden verwendet wurden – entsprechend 1‘330 m² 50 cm dicker Wände – stammen aus den Tunnelbauarbeiten der Metro Grand Paris. Mit Hanfwolle isoliert, behalten diese Wände die natürliche Atmungsfähigkeit von Stampflehm. Die Gründächer (15–20 cm Substrat) erhöhen den thermischen Komfort und unterstützen das natürliche Wassermanagement. Verstellbare Sonnenschutzvorrichtungen und tiefe Dachüberstände regulieren das Sonnenlicht auf natürliche Weise. Die Ausrichtung des Gebäudes fängt das Winterlicht ein und fördert die natürliche Sommerbelüftung.

Üppige, vielfältige Bepflanzung begrenzt den städtischen Wärmeinseleffekt und stärkt die lokale Biodiversität. Holz und Stampflehm schaffen eine bodenständige Architektur mit einfachen geometrischen Formen. In dieser Arbeitersiedlung, in der viele Kinder während der Schulferien die Stadt nicht verlassen, soll das Kinderzentrum sowohl ein Lernort als auch ein Rückzugsraum sein.

Stampflehm – ein lebendiges, atmungsaktives Material – lädt zum Berühren ein und bietet eine ungewöhnliche Umgebung für Kinder, die in einer überwiegend beton-orientierten Stadt aufwachsen. Holz, warm und taktil, prägt die Innenräume und das Tragwerk. Am Boden sorgt kohlenstoffarmer, strukturierter Beton, durch Glasflächen in kindlichen Größenordnungen (60 cm) akzentuiert, für Stabilität, Tageslicht und Intimität.

Die 300 Sitzplätze umfassende Tribüne. (Bild:  Sergio Grazia)
Die 300 Sitzplätze umfassende Tribüne.
(Bild: Sergio Grazia)
Parc des Loges, Plan.
(Bild: HEMAA)
(Bild:  Sergio Grazia)
(Bild: Sergio Grazia)

Eine gemeinschaftliche Einrichtung

Das Sportzentrum setzt diese architektonische Sprache fort. Die 300 Sitzplätze umfassende Tribüne ist optimal ausgerichtet und gewährleistet guten Sichtkomfort. Ihr sanft geneigtes Dach fällt zur Freizeitfläche hin ab. Somit bleiben Helligkeit und Ausblicke in den Innenhöfen erhalten. In das Gesamtkonzept integriert, unterstreicht sie die Idee eines gemeinsamen, generationenübergreifenden und offenen öffentlichen Raums im Herzen der Stadt.

Projektübersicht

  1. Standort: Évry-Courcouronnes (Großraum Paris), Frankreich
  2. Auftraggeber: Stadt Évry-Courcouronnes
  3. Fertigstellung: August 2025

Projektbeteiligte

(Bild: Sergio Grazia)
  • Architekt: HEMAA

  • Planung & Kostenberatung: ANA Ingénierie

  • Lehmbauberatung (Rammed Earth): BETerre

  • Landschaft & Biodiversität: Wald

  • Projektkoordination (OPC): JDM Ingénierie

  • Auftragnehmer & Fachbereiche

    • Erdarbeiten & Tiefbau: Terre et Pierre

    • Tragwerk & Stampflehm: Donato

    • Holzbau: Cunin

    • Dach & Abdichtung: Sarmates

    • Außentüren & Fensterläden: Diter

    • Küchenabtrennungen: Froid 77

    • Putz & Decken: Bathelec

    • Innenausbau / Tischlerarbeiten: Pescia Menuiserie et Batiment

    • Boden- & Wandbeläge: Sertac

    • Malerarbeiten & Wandbekleidung: Les Peintures Parisiennes

    • Sanitär, Heizung & Lüftung: LGC / BE Marolle

    • Elektrotechnik (Stark- & Schwachstrom): Tardy

    • Küchenausstattung: Froid 77

    • Landschaftsgestaltung: Idverde

Weitere Informationen: https://www.hemaarchitectes.com/

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