Bauen 2030: So könnte die Zukunft der Bau- und Immobilienbranche aussehen

Verantwortlicher Redakteur:in: Rainer Trummer 3 min Lesedauer

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Das Fraunhofer IAO hat zusammen mit sechs Verbänden das Forschungsprojekt »Bauen 2030« durchgeführt. Hier die Ergebnisse.

(Quelle:  © LAVA Laboratory for Visionary Architecture)
(Quelle: © LAVA Laboratory for Visionary Architecture)
  • Im Forschungsprojekt »Bauen 2030« untersuchte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO gemeinsam mit sechs tragenden Verbänden und Kammern der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft die Potenziale zur Transformation der Branche.

  • Der abschließende Kurzbericht liefert drei alternative Zukunftsszenarien, identifiziert Schlüsselfaktoren und zeigt Handlungsfelder für das Planen, Bauen, Betreiben und Rückbauen von morgen.

Die digitale Transformation von Prozessen, Geschäftsmodellen und Produkten, die Bewältigung des Klimawandels, die zunehmende Flächenversiegelung und steigende Baukosten erfordern neue Formen des Planens, Bauens und Wohnens. Immer mehr technische Infrastrukturbauwerke gilt es außerdem zu erneuern, zu sanieren und an geänderte Bedarfe aus Mobilität, Energie und Telekommunikation anzupassen. Daher bedarf es ganzheitlicher Perspektiven auf die Zukunft der Bau- und Immobilienwirtschaft. Vor diesem Hintergrund hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO zusammen mit sechs tragenden Verbänden und Kammern der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft das Forschungsprojekt »Bauen 2030« gestartet: Dazu gehören der Hauptverband der Bauindustrie HDB, die Bundesarchitektenkammer BAK, die Bundesingenieurkammer BIngK, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA, der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA sowie der Zentralverband des Deutsches Baugewerbe ZDB.

Das Forschungsteam hat dafür in einem umfassenden Foresight-Prozess Workshops mit über 50 nationalen Fachleuten aus Architektur, Handwerk, Baugewerbe, Maschinen- und Anlagenbau sowie der Immobilienbranche durchgeführt. Die über 100 identifizierten Trends sind in drei konsistente und alternative Zukunftsszenarien gebündelt, die nun im Kurzbericht »Szenario-Prozess ›Bauen 2030‹. Schlüsselfaktoren, Zukunftsszenarien und Handlungsfelder für das Planen, Bauen, Betreiben und Rückbauen im Jahr 2030« zu finden sind.

Bauen 2030: Innovation, Klimaschutz und Baukultur stehen im Fokus

Die Zukunftsszenarien stellen Werkzeuge für die Branchentransformation zur Prognose künftiger Entwicklungen und Abhängigkeiten dar. Somit bieten sie eine Entscheidungsgrundlage zur Entwicklung von Strategien im Kontext von technischen, wirtschaftlichen, ökologischen, politischen und sozialen Veränderungen. Die drei erarbeiteten Szenarien lauten wie folgt:

  • Szenario #innovationiskey: Dieses Szenario beschreibt eine Bau- und Immobilienwirtschaft im Jahr 2030, in der Planung, Ausführung und Betrieb eng vernetzt sind. Somit wäre ein Stadtsystem möglich, das sich ständig digital unterstützt optimiert. Alle Prozesse im Gesamtsystem der gebauten Umwelt ließen sich berücksichtigen. Innovationsbegeisterung, Marktvertrauen sowie eine entsprechende Marktverantwortung gehören zu den wichtigsten Treibern dieses Szenarios.

  • Szenario #greenregulation: Im zweiten Szenario erwarten die Fachleute, dass die Branche im Jahr 2030 von starken Regularien für das Erreichen der Klimaziele dominiert wird. Transformations- und Innovationsprozesse orientieren sich an diesen Vorgaben und schöpfen damit nicht das gesamte Innovationspotenzial aus. Indem sich starren Vorgaben zu performativen Regulierungen wandeln und Kompensationsmaßnahmen ermöglichen, öffnen sich zugleich ganz neue Handlungsspielräume für die Bau- und Immobilienwirtschaft.

  • Szenario #heritagefortomorrow: Das dritte Szenario setzt den Fokus für 2030 auf den Schutz erhaltenswerter Strukturen der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft. Die Rückbesinnung auf regionale Bauformen und Ökosysteme reduziert den Einsatz komplexer Technologien. Im Wettbewerb haben neue Akteure aus anderen Branchen und Regionen einen leichten Markteintritt und übernehmen die Wertschöpfung in vielen Bereichen. Regularien werden größtenteils novelliert und an die Klimaaspekte angepasst. Somit vollzieht sich Innovation größtenteils in den Nischen der Baubranche.

Erreichen der Klimaziele herausragendes Thema

Der Kurzbericht gibt einen Anstoß für die bevorstehende Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft. Dabei sollen die vorgestellten Szenarien als Leitplanken dienen. Die Erreichung der Klimaziele spielte über alle Szenarien hinweg immer eine übergeordnete Rolle. Darüber hinaus sind auch angrenzende Branchen sowie die politische und legislative Ebene gefragt. Denn sie sollen die Bauwende mit entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen zukunftsfähig einleiten und gestalten. Das Forschungsprojekt »Bauen 2030« hat dazu einen ersten entscheidenden Beitrag geleistet. Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Institutsleiter des Fraunhofer IAO, betont: »Der Austausch zwischen den Verbänden und Kammern sowie mit unseren Expertinnen in diesem Projekt hat bereits gezeigt, dass ein Perspektivenwechsel und Einblicke in Handlungsspielräume anderer Akteursgruppen, ergänzt von Impulsen aus Forschung und Wissenschaft, die Grundlage für neue gemeinsame Strategien in der anstehenden Bauwende bilden können.«

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Auch der beteiligte Hauptverband der Bauindustrie sieht gemäß Wortlaut des Kurzberichts einen guten Ausgangspunkt für weitere Betrachtungen. Durch die zukünftige vernetzte Zusammenarbeit müssten die Grenzen zwischen Planen, Bauen und Betreiben verschwinden. Die Bundesarchitektenkammer sieht die Digitalisierung in den Planungsbüros angekommen. Jedoch dürfe diese nicht alleiniger Treiber sein, sondern immer nur Mittel zum Zweck: für Nachhaltigkeit, Beständigkeit und Baukultur.

Weitere Informationen: https://www.iao.fraunhofer.de/

Download der Studie: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-645493.html

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