Der kleine Ort Mödlareuth – ein 50-Einwohner-Dorf an der bayerisch-thüringischen Landesgrenze – war jahrzehntelang Symbol der deutschen Teilung. Am 36. Jahrestag des Mauerfalls wurde dort der Erweiterungsbau Deutsch-Deutsches Museum feierlich eröffnet.
Der Erweiterungsbau des Museums in Mödlareuth.
(Bild: Landkreis Hof)
Der Neubau für das Deutsch-Deutsche Museum mit 1.350 Quadratmetern Nutzfläche und multimedialer Ausstellung macht innerdeutsche Geschichte greifbar – mit Blick auf Mauerreste, Wachturm und Grenzstreifen. Drees & Sommer aus Stuttgart übernahm im Auftrag des Museums-Zweckverbands die Projektleitung, begleitete das Planerauswahlverfahren, managte Fördermittel, agierte als Vergabestelle, sorgte für Anti-Claim-Management und erstellte die Betriebskostenprognose für das neue Museumsgebäude.
„Little Berlin“ betitelte einst US-Präsident George H. W. Bush Mödlareuth bei seinem Besuch im Jahr 1983 – ein Spitzname, der dem Ort erhalten blieb. Wie die 300 km entfernte Hauptstadt war auch das kleine Mödlareuth vier Jahrzehnte lang zerschnitten von einer 700 Meter langen Grenzmauer. Nur wenige Meter trennten die 34 Einwohner im Osten von den 21 im Westen. Heute ist Mödlareuth ein Besuchermagnet. Rund 80.000 Menschen kommen jedes Jahr, um zu sehen, wo einst die Grenze verlief und wie sie den Alltag auf beiden Seiten prägte. Der Tannbach – ein kleiner Bach, mitten im Dorf – wurde zur unüberwindbaren Linie zwischen Ost und West, familiären Banden und Freundschaften.
Erweiterung für Deutsch-Deutsches Museum
Warum das so war und wie alles geschichtlich zusammenhängt, wird im Museum schnell klar. Doch war das alte Gebäude dem Besucherandrang längst nicht mehr gewachsen. „Wir wollten dem wachsenden Interesse mit einem Gebäude begegnen, das nicht nur funktional ist, sondern auch dem Ort gerecht wird“, sagt Oliver Bär, Landrat des Landkreises Hof und Vorsitzender des Zweckverbands Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth. „Ein Museum, das sich ideal in das Dorf einfügt – und sich zugleich öffnet für die Geschichte, die hier sichtbar bleibt.“
Als Hauptgebäude diente dem Museum bisher ein kleines früheres Rittergut in der Dorfmitte. Doch steigende Besucherzahlen, Platzmangel bei Dauer- und Sonderausstellungen, das Fehlen einer zeitgemäßen und modernen Dauerausstellung sowie der Bedarf an geeigneten pädagogischen Räumen und an Besucherinfrastruktur machten Umgestaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen nötig. Die Baumaßnahme umfasste den nun eröffneten Erweiterungsneubau sowie die behutsame Umgestaltung des Freigeländes.
Bauen mit Blick auf die Geschichte
Das beschauliche Dorf Mödlareuth liegt eingebettet zwischen Wiesen und Wäldern. Erklärtes Ziel war, den Neubau harmonisch in die Landschaft zu integrieren. Das Kasseler Architekturbüro Atelier 30 setzte sich beim Planungswettbewerb durch und legte großen Wert darauf, kein überdimensioniertes Bauwerk zu errichten, sondern ein Gebäude zu schaffen, das sich bewusst zurücknimmt. Entstanden ist ein schlanker Holzbau, der Elemente bäuerlicher Scheunen aufgreift und neu interpretiert. Die deckenhohen Panoramafenster bieten uneingeschränkte Sicht auf die Grenze, Mauer und Wachturm bleiben dabei im Fokus. Dadurch wird deutlich spürbar, wie nah die Teilung hier den Alltag der Menschen beeinflusste. Für die Fassadengestaltung wurde überwiegend geöltes Fichtenholz verwendet, das ökologisch sinnvoll ist und dem Gebäude eine warme Ausstrahlung verleiht. Das begrünte Dach trägt zur gelungenen Einbindung in die Umgebung bei und bietet gleichzeitig Lebensraum für Insekten. Nachhaltige Energieversorgung gewährleisten eine Erdwärmepumpe, Dreifach-Wärmeschutzverglasung und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Insgesamt wurden für das Bauprojekt rund 22 Millionen Euro veranschlagt, die sich über die Bauzeit halten konnten. Die Bundesregierung und Bayern unterstützen mit jeweils 5,6 Millionen Euro, Thüringen mit 800.000 Euro. Vier Millionen Euro kommen von der Oberfrankenstiftung, 500.000 Euro von der Bayerische Landesstiftung.
Vier Jahrzehnte Geschichte auf 500 Quadratmetern
Noch bevor der Neubau Gestalt annahm, begann bereits die behutsame Umgestaltung des Freigeländes, die im Frühjahr 2022 startete und im Sommer 2023 abgeschlossen war. Neben der original erhaltenen Grenzanlage des Dorfs zeigt das Museum dort auch eine Zusammenfassung der mehrstufigen Grenzbefestigung der früheren DDR mit ihren Geländeabschnitten und baulichen Elementen. Auch historisch relevante Punkte im Dorf, wie etwa frühere Fluchtorte, werden thematisiert.
Blickt man nun in das neue Gebäude, so eröffnet sich ein Raum voller Geschichte. Auf rund 1.350 Quadratmetern Nutzfläche können Besuchende künftig entdecken, wie die Menschen in den Jahrzehnten der deutschen Teilung lebten. Auf knapp 500 Quadratmetern davon präsentiert sich die neue Dauerausstellung. Meterhohe Infotafeln, die wie Mauerfragmente im Raum stehen, führen durch die vier Epochen vom Kriegsende bis zur Wiedervereinigung. Hinzu kommen weitere Räume, die dem Museum neue Möglichkeiten für Besucherbetreuung, Wechselausstellungen und die Präsentation seines umfangreichen Archivmaterials eröffnen. Auch ein Bistro ist integriert.
Erleben statt Betrachten
„Mit dem neuen Erweiterungsbau erzählen wir die Geschichte der Teilung nicht nur, sondern machen sie für verschiedene Altersgruppen erlebbar”, sagt Museumsleiter Robert Lebegern, der seit 1992 die Position innehat. „Texttafeln und Vitrinen reichen heute nicht mehr aus, um Interesse zu wecken.“ Deshalb setzt die neue Dauerausstellung in Mödlareuth bewusst auf visuelle und digitale Erzählformen: „Rund 180 Fotografien, 20 Filme sowie Virtual-Reality-Formate lassen die Zeit der deutschen Teilung lebendig werden. Besucherinnen und Besucher können in historische Szenen eintauchen, Zeitzeugen in Videointerviews zuhören und ein 3D-Modell des Dorfes erkunden.” Das Museum bietet auch maßgeschneiderte Führungen und Veranstaltungen für Schulklassen an und hat zudem Projekttage sowie mehrtägige Seminare im Angebot. Weitere Informationen findet man hier
Stand: 16.12.2025
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