Vorzeigeprojekt in Berlin Stadtquartier in nachhaltiger Holzrahmenbauweise

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 5 min Lesedauer

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Kokoni One ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Wohnviertel. Hier kommt vieles zusammen: eine ruhige, grüne Umgebung und dennoch zentrumsnah und mit dem Puls der Hauptstadt. Verschiedene Wohnungsgrößen in unterschiedlich großen Häusern, damit alle Wünsche erfüllt werden. Sozial und gleichzeitig individuell. Ein Rückzugsort mit Streuobstwiese. Und mit Holzrahmenbauweise erst noch klimafreundlich, nachhaltig und zukunftsfähig.

Eines der fertigen Gebäude von Kokoni One.(Bild:  Swiss Krono, Foto: Paul Gerdes)
Eines der fertigen Gebäude von Kokoni One.
(Bild: Swiss Krono, Foto: Paul Gerdes)

Im Berliner Stadtteil Pankow, im Ortsteil Französisch-Buchholz, ist solch ein Vorzeigeprojekt realisiert worden: 32 Doppel- und Reihenhäuser mit Echtholzfassaden, außergewöhnlicher Häuserform inspiriert vom „Berliner Dach“, nachhaltigem Energiekonzept mit Erdwärme und Photovoltaik und dezentraler Warmwasseraufbereitung.

Gebaut wurde in Holzrahmenbauweise mit Swiss Krono OSB/3 sensitiv EN300. Das Besondere an dieser OSB-Platte: Sie entsteht aus Pappelholz. Und da Pappel nahezu keine Harze enthält, ist diese OSB/3 von Natur aus extra emissionsarm und damit auch fast geruchsfrei. Swiss Krono OSB/3 sensitiv kommt deshalb bei besonders hohen Anforderungen an die Luftqualität zum Einsatz.

Nachhaltiges Wohnquartier mit Holzrahmenbauweise

ZRS Architekten Ingenieure planten mit Kokoni One ein ressourcenoptimiertes Wohnquartier mit 84 Wohneinheiten auf 23‘000 m² Grundstücksfläche.

So stellen sich Investor und Architekten das neue Wohnquartier vor. (Bild:  Ziegert GmbH/Incept GmbH)
So stellen sich Investor und Architekten das neue Wohnquartier vor.
(Bild: Ziegert GmbH/Incept GmbH)

Realisiert wurden verschiedene Häuservarianten für unterschiedlich große Haushalte und Familienkonstellationen. Interessenten konnten sich ihr Gebäude individuell zusammenstellen. Beispielsweise sind die Innenwände nicht tragend und können bei sich verändernden Wünschen oder Anforderungen ganz leicht umgebaut werden.

Innerhalb des Wohnquartiers sind immer acht bis zehn Häuser um einen Gemeinschaftshof gruppiert, sodass kleine Nachbarschaften entstehen. Der zentrale Treffpunkt ist eine Streuobstwiese, die zusammen mit einem Spielplatz, einer Workout-Anlage und einem Gemeinschaftshaus den Mittelpunkt des Quartiers bildet.

Kreislauffähige Rohbauten und kluges Energiekonzept

Der Nachhaltigkeitsexperte Dag Schaffarczyk, Geschäftsführer von Spreeplan, begleitete die Planungen von Beginn an. Er denkt Nachhaltigkeit höchst ganzheitlich und wird auf der Spreeplan-Webseite als „Bautechnischer Weltverbesserer“ vorgestellt. „Ich sehe meine Aufgabe darin Lösungen für das nachhaltige, nicht den Planeten zerstörende Bauen zu finden. Wie also kann ein möglichst zirkuläres, zukunftsfähiges Stadtquartier aussehen?“, sagt Schaffarczyk über seine Arbeit.

(Bild:  Ziegert GmbH/Incept GmbH)
(Bild: Ziegert GmbH/Incept GmbH)

Obschon Schaffarczyk kein Befürworter von Neubauten ist, bat der Investor ihn trotzdem darum, bei der Entwicklung eines nachhaltigen Stadtquartieres zu helfen. Auf seine Beratung hin hat sich der Investor schon in Vorbereitung des Workshop-Verfahrens zur Architektenauswahl davon überzeugen lassen, Zwei-, Drei- und Vierspänner anstelle von Einfamilienhäusern planen zu lassen. „Einer der wichtigsten Punkte war die Optimierung der Baukörper. Wenn man zwei, drei, vier Gebäude zu einem Objekt zusammensetzt, ergibt das allein durch den Wegfall von Außenwänden ein wesentlich besseres Verhältnis von Fläche zu Volumen.“

(Bild:  ZRS Architekten Ingenieure)
(Bild: ZRS Architekten Ingenieure)
(Bild:  ZRS Architekten Ingenieure)
(Bild: ZRS Architekten Ingenieure)

Außerdem war er federführend daran beteiligt, bestimmte Kriterien für die Nachhaltigkeit aufzusetzen, zum Beispiel hinsichtlich energetischer Versorgung, Grundstücksaufteilung, Biodiversität, Wasserkreisläufe, Ausstattung der Gebäude mit Low-Ex-Energieversorgung und Solaranlagen, Energieverteilung und einiges mehr. „Das sind fast alles Punkte, in denen wir vom konventionellen Bauen abweichen“, so Schaffarczyk. „Und mit diesem Kriterienkatalog haben wir den Rahmen für einen Workshop mit geladenen Architekturbüros gesteckt, um die Spezialisten zu finden, die diesen Weg mitgehen.“ ZRS Architekten Ingenieure hat sich in diesem Workshop durchgesetzt und als idealer Partner für die Generalplanung erwiesen.

Holzrahmenbauweise: Ressourcenschonung und Energieeinsparung

Insgesamt lässt sich sagen, dass Dag Schaffarczyk Aspekte wie Ressourcenschonung, Flächeneffizienz und Energieeinsparung schon im Vorfeld der Planung maßgeblich vorantrieb. Hinsichtlich der Bauweise sagt er: „Es gibt so unterschiedliche Holzbauweisen, die mehr oder weniger nachhaltig sind. Wir haben uns sehr für den Holzrahmenbau stark gemacht, weil er viel ressourcenschonender ist als beispielsweise CLT, da er nur einen Bruchteil der Ressource Holz verbraucht.“

ZRS Architekten Ingenieure haben die Nachhaltigkeitskriterien über die Planung und Umsetzung hinweg weiterentwickelt und umgesetzt. So wurden letztendlich alle Gebäude in zirkulärer, hochdämmender Holzrahmenbauweise errichtet. Die Außenwände sind mit Zellulose gedämmt und mit Lärchenholz verkleidet. Auf Keller und Verbundmaterialien oder Verbundbauweisen wurde verzichtet. Die geneigten Dächer mit PV-Anlagen sind hinterlüftet, sodass auch hier eine diffusionsoffene Konstruktion mit Naturdämmstoffen zum Tragen kommt. Damit ist der Rohbau vollständig kreislauffähig. Lediglich die 20 cm dünne Bodenplatte besteht aus Stahlbeton.

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Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Hausladen hat ZRS Architekten Ingenieure ein fossilfreies Energiekonzept für das Quartier geschaffen. Photovoltaik-Dächer für Solarstrom, Erdwärmenutzung und die dezentrale Warmwasseraufbereitung sind feste Bestandteile des ökologischen Konzepts. Da alle Bäder und WCs Fenster haben, braucht es keine Lüftungsanlagen.

Ausgezeichnet als Klimaschutzpartner des Jahres 2024

Der Preis zeichnet innovative Projekte und Pläne „made in Berlin“ aus. Die Klimaschutzpartner Berlin sind ein Bündnis aus neun Architekten-, Bau- und Handwerkskammer und Verbänden. Eine Fachjury wählt aus den Einreichungen die besten Projekte in drei Kategorien aus. Kokoni One hat in der Kategorie „Realisierte Projekte“ die Fachjury überzeugt und bei den folgenden Kriterien besonders gepunktet:

  • Vorbildcharakter des Projektes, das zum Nachahmen anregt;

  • Beitrag zum Klimaschutz, insbesondere klimaentlastende Effekte und schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen;

  • Intelligenter Mix aus klimaschonender Technologie und baulichen Maßnahmen;

  • Ganzheitlicher Ansatz über die reine CO2-Einsparung hinaus.

Die Laudatorin bei der Preisverleihung, Theresa Keilhacker, Präsidentin der Architektenkammer Berlin, kürte die ZRS Architekten Ingenieure mit den Worten: „Das Kokoni One-Holzbauquartier an der Streuobstwiese zeigt mit einer Erdwärmesonden-Anlage, wie ein niedrigtemperiertes LowEx-Nahwärmenetz funktioniert und ergänzend mit Strom von Photovoltaikmodulen auf den Dächern zentral gebündelt im gesamten Quartier verfügbar sein kann. Die flächen- und ressourcenoptimierten Häuser mit 84 Wohneinheiten rund um einen imaginären Dorfanger angeordnet setzen zirkuläre Bauweise vorbildlich um.“

Vorfertigung und Montage der Holzbau-Elemente

Das Unternehmen Terhalle hat die vielen, zum Teil sehr großformatigen Wand- und Dachelemente im Werk in Ottenstein/Ahaus witterungsunabhängig vorgefertigt: mit Einblasdämmung, Fassadenverkleidung und Fenstern. Aus mehr als 14‘200 m² Swiss Krono OSB/3 sensitiv entstanden über 1‘800 Elemente für Außen- und Innenwände, Gebäudetrennwände und Dächer. In der Reihenfolge der Montage auf den Sattelschlepper geladen, wurden die Elemente nach Berlin transportiert. Element für Element entstanden die verschiedenen Objekte. Bei den Holzbau-Experten von Terhalle sitzt jeder Handgriff: Von der Anlieferung und Verladung über das Bedienen des Kranes und das exakte Positionieren bis zum fixen Montieren der Elemente.

Damit der Baufortschritt auch in der dunklen Jahreszeit nicht stoppte, wird die Baustelle ab dem Nachmittag mit großen Scheinwerfern erhellt. So kann die Montage bis in die Abendstunden erfolgen. Obwohl die Grundsteinlegung im September 2022 war, ist das erste Haus bereits im Juni 2023 bezugsfertig gewesen.

bautafel

Projektenwicklung: INCEPT (Teil der ZIEGERT Group), Zimmerstraße 16, 10969 Berlin, www.incept.dev 
 
Nachhaltigkeit: Spreeplan Projekt, Dag Schaffarczyk, Reichsstraße 108, 14052 Berlin, www.spreeplan.de
 
Generalplanung und Architektur: ZRS Architekten mit Bruno Röver, Schlesische Straße 26, Aufgang A, 10997 Berlin, www.zrs.berlin
 
Brandschutz und Bauphysik: ZRS Architekten, Schlesische Straße 26, Aufgang A, 10997 Berlin, www.zrs.berlin
 
Tragwerksplanung und Schallschutz: ZRS Ingenieure, Schlesische Straße 26, Aufgang A, 10997 Berlin, www.zrs.berlin
 
TGA Planung: HDH Berlin, Mecklenburgische Straße 27, 14197 Berlin, www.hgh-ingenieure.de
 
Energiekonzept: Ingenieurbüro Hausladen, Feldkirchener Straße 7a, 85551 Kirchheim, www.ibhausladen.de
 
Landschaftsplanung: Schönherr Landschaftsarchitekten, Wollankstraße 134, 13187 Berlin, www.schoenherr.la
 
Ausführendes Unternehmen Vorfertigung und Montage der Wand- und Deckenelemente: Terhalle Unternehmensgruppe, Solmsstraße 46, 48683 Ahaus, www.terhalle.de  

Weitere Informationen: https://www.swisskrono.com/