Stadtentwicklungsprojekt in Montpellier So Wood oder die hängenden Gärten von Port Marianne

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 5 min Lesedauer

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Abgestufte, an der Straße ausgerichtete Gebäude, aktive und abwechslungsreiche Dachlandschaften, eine südliche Öffnung zur Umgebung und bewohnte Innenhöfe: A+Architecture und Hellin Sebbag Pirany architectes haben So Wood in Montpellier (Frankreich) in diesem Jahr realisiert.

A+Architecture und Hellin Sebbag Pirany architectes haben So Wood in Montpellier (Frankreich) im Jahr 2024 realisiert.(Bild:  Camille Gharbi)
A+Architecture und Hellin Sebbag Pirany architectes haben So Wood in Montpellier (Frankreich) im Jahr 2024 realisiert.
(Bild: Camille Gharbi)

Das Stadtviertel Port Marianne ist ein emblematisches Stadtentwicklungsprojekt im Großraum Montpellier, das aus einer ehrgeizigen Vision hervorgegangen ist, die Stadt in Richtung Meer zu erweitern. Im Westen, am Ufer des Lez, markiert das von A+Architecture entwickelte Port Marianne ZAC den ersten Schritt dieses bedeutenden Stadtentwicklungsprojekts.

Im Osten, am Ufer der Lironde, bildet das von Nicolas Michelin entworfene ZAC République den räumlichen und zeitlichen Höhepunkt dieser Stadterweiterung in Richtung Mittelmeer. Sie wird über die Stadtgrenzen hinausgehen, indem sie den südlichen Zugang von Montpellier gestaltet und eine neue städtische Fassade schafft, die von den großen nationalen und internationalen Verkehrsinfrastrukturen (A709, A9 und Hochgeschwindigkeitsstrecke) aus deutlich sichtbar ist.

Das Projekt beherbergt eine vielfältige Nutzungsmischung: aktive Erdgeschosse, Büros, Wohnungen, Werkstätten und Gemeinschaftseinrichtungen.(Bild:  Camille Gharbi)
Das Projekt beherbergt eine vielfältige Nutzungsmischung: aktive Erdgeschosse, Büros, Wohnungen, Werkstätten und Gemeinschaftseinrichtungen.
(Bild: Camille Gharbi)

Aufgrund seiner Lage an der Avenue Raymond Dugrand, einem wichtigen öffentlichen Raum, der die vier Betriebsbereiche des Stadtteils Port Marianne miteinander verbindet, genießt das Grundstück E2 eine einzigartige Position. Es bildet eine der zwölf "Nachbarschaftseinheiten" des ZAC, die auf ungewöhnliche Weise eine vielfältige Nutzungsmischung beherbergen: aktive Erdgeschosse, Büros, Wohnungen, Werkstätten und Gemeinschaftseinrichtungen. Als Abbild der dichten und nachhaltigen Stadt unterstützt dieses Grundstück zeitgenössische Architektur, die dem mediterranen Klima und dem lokalen Lebensstil angepasst ist.

Die Schaffung einer internen Topographie für jede Wohneinheit, die auf integrierten (nicht unterirdischen) Parkplätzen basiert, ermöglicht die Bildung von nach Süden ausgerichteten, terrassenförmigen Innenhöfen mit Blick auf die "große Landschaft". Die Architekten beider Büros haben sich mühelos auf das Konzept der République ZAC eingelassen, dessen humanistischer Ansatz sie sofort gefangen nahm.

Grundriss des Projekts.
(Bild: A+Architecture und Hellin Sebbag Pirany architectes)

Das Projekt

So Wood ist ein gemischt genutztes Projekt mit 105 Wohneinheiten, 5 SOHO-Einheiten (Small Office Home Office), Büros und Geschäften sowie 103 Parkplätzen, das ein einheitliches architektonisches Ensemble bildet, wobei jedes der beiden Architekturbüros seine Arbeit subtil kennzeichnet. Mit einem gemeinsamen Bauherrn (Icade / REI Habitat / Kalelithos), einem gemeinsamen Konstruktionsprinzip in Holzrahmenbauweise und einer einheitlichen Fassadenverkleidung - nämlich einer Metallverkleidung in unterschiedlichen Farben - sowie Fensterläden in Lamellen- oder Rollladenform, erreicht das Projekt Kohärenz durch seine Vielfalt. Der Gemeinschaftsparkplatz, der mit einer dicken Schicht Erde bedeckt ist, ist nun ein wilder Garten und ein Gemeinschaftsgarten.

Die meisten Wohneinheiten sind mit großzügigen Terrassen ausgestattet und haben eine doppelte Ausrichtung zur Stadt und zum schwebenden Garten mit Blick auf den Park.(Bild:  Camille Gharbi)
Die meisten Wohneinheiten sind mit großzügigen Terrassen ausgestattet und haben eine doppelte Ausrichtung zur Stadt und zum schwebenden Garten mit Blick auf den Park.
(Bild: Camille Gharbi)

So bietet Wood eine architektonische Reise vom öffentlichen Raum zum Herzen des privaten Innenhofs, der wie ein echter "schwebender Park" behandelt wird, um den herum die gesamte Anlage sanft nach Süden abfällt, um sich der Sonne zu öffnen. Die meisten Wohneinheiten sind mit großzügigen Terrassen ausgestattet und haben eine doppelte Ausrichtung zur Stadt und zum schwebenden Garten mit Blick auf den Park.

Diese Anordnung schafft eine unerwartet intime Atmosphäre im Herzen des Innenhofs, wo die Vegetation für die notwendige Kühle in einem mediterranen Stadtzentrum sorgt. Der architektonische Entwurf bringt eine sehr urbane Vertikalität auf den Straßen und eine legitime Intimität im Innenhof zum Ausdruck, indem er die Volumina mit gut identifizierbaren Gebäuden in menschlichem Maßstab aufschlüsselt, in denen jeder sein Zuhause wiedererkennen kann.

Die Vielfalt der bewohnten Dächer (Terrassendächer, Schrägdächer usw.) und der Wohnformen - Kollektiv-, Zwischen- oder Einzelwohnungen - schafft atypische Wohnungen, die ihren Bewohnern ein Gefühl der Individualisierung vermitteln. Viele dieser Wohnungen sind quergelüftet und verfügen über große private Außenbereiche. So entstehen neue Wohnformen.

Werkstoffe

Das Projekt, das als nachhaltiges Gebäude der Stufe Silber von Occitanie und als Gebäude mit Werkstoffen aus biologischem Anbau zertifiziert ist, musste die ökologischen und innovativen Herausforderungen dieses schnell wachsenden Stadtteils erfüllen. Die Wahl eines ganzheitlichen Ansatzes, eine vorbildliche Energieleistung, die Verringerung des CO2-Fußabdrucks und die Verwendung von langlebigen Materialien und Bausystemen lagen hier nahe.

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Axonometrie mit der Verteilung von Holz und Beton.(Bild:   A+Architecture und Hellin Sebbag Pirany architectes)
Axonometrie mit der Verteilung von Holz und Beton.
(Bild: A+Architecture und Hellin Sebbag Pirany architectes)

In Harmonie mit dem allgegenwärtigen Grün ist Holz in jeden Teil des Projekts integriert. Dies kommt in einer gemischten Struktur zum Ausdruck, die Wände aus Holzrahmen, Holzbalken, Isolierung aus biologischem Anbau und Betonböden perfekt miteinander kombiniert, die für einen R+9-Wert geeignet sind und die Anforderungen an die akustische und thermische Trägheit erfüllen. Diese Überschneidung von Landschaft und gebauter Umwelt, diese Natur, die sich in der gesamten Architektur des Projekts ausbreitet und widerhallt, erstreckt sich auch auf die Dächer, deren Neigungen an Baumhäuser erinnern. Das Herzstück des Innenhofs trägt aktiv zum Schutz und zur Förderung der Artenvielfalt bei.

In Kontinuität mit dem öffentlichen Raum bietet dieser private Bereich viel Platz für die städtische Natur und gleichzeitig ein hochwertiges Lebensumfeld für Nutzer und Bewohner. Für die Fassaden wurde aufgrund ihrer beträchtlichen Höhe eine Metallverkleidung gewählt, wobei die Materialien und Farben von den beiden Architekturbüros gemeinsam ausgewählt wurden, um dem gesamten Grundstück eine starke und einheitliche Identität zu verleihen.

Funktionsweise / Erschließung

Die 105 Wohneinheiten, von denen viele über Gehwege erschlossen werden, sind auf sechs Gebäude und sechs Treppenhäuser verteilt. Jede Lobby ist sowohl vom öffentlichen Raum als auch vom zentralen Innenhof aus direkt zugänglich. Die Bewohner haben die Freiheit, ihre Wege zu wählen. Die Dachschrägen sind ebenfalls bewohnt (Dachböden oder Lofträume). Die Wohnungen im Erdgeschoss verfügen alle über private Gärten, die durch bepflanzte Beete und/oder Böschungen von der Gemeinschaftsfläche abgeschirmt sind.

Im Erdgeschoss und im ersten Stock (G+1) befinden sich Geschäftsräume mit Zwischengeschossen, die insgesamt 7 Meter hoch sind. Die Büros im ersten und zweiten Obergeschoss (G+1 und G+2) bilden eine Zwischenebene zwischen den Geschäftsräumen und den Wohneinheiten und sorgen für einen nahtlosen Übergang zwischen diesen unterschiedlichen Volumen. Eine überdachte Passage dient als Fußgängerzugang zum Herzen des Komplexes und ist tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich.

Weitere Informationen:
https://www.aplus-architecture.com/
https://www.hsp-architectes.com/

Bautafel SO Wood in Montpellier

Grundstückseigentümer: SERM

Projektentwickler: Icade / Kalelithos / REI Habitat

Projektleitung:
Architekten:
- A+Architektur: Los E2A (Gebäude A-B-C-D)
- Hellin Sebbag Pirany Architekten: Los E2B (Gebäude E und F)
Wirtschaftswissenschaftler: L'Echo
Hochbauingenieur: TERRELL
Mechanischer und thermischer Ingenieurbau: Celsius Environnement
Umwelttechnik: Novacert
Akustik: Gamba
Infrastruktur: Tecta
Baumanagement / Terminplanung und -koordinierung: Arteba
 Auftrag: Vollständiges Projektmanagement und Terminplanung und -koordination
 Zeitplan:
- Bekanntgabe der Auftragsvergabe: November 2020
- Beginn der Bauarbeiten: September 2021
- Übergabe: April 2024
 Standort: Montpellier, République ZAC, Los E
 Baubudget: 18 Millionen € (ohne Mehrwertsteuer)
 Flächen:
- Nettogeschossfläche): 10'300 m²
- Bruttobürofläche: 657 m²
- Brutto-Einzelhandelsfläche: 857 m²
- Wohnbereich: 8'092 m²P

Programm: Immobilienkomplex mit 6 Gebäuden vom Erdgeschoss bis G+9, bestehend aus:
- 105 Wohneinheiten (davon 16 bezahlbare und 9 PSLA)
- 5 SOHOs- 1 Büroetage
- 4 Einzelhandelsflächen
- 103 Parkplätze
 Zertifizierungen und Labels:
- BDO Silber Stufe- NF Habitat HQE 6*
- Gebäude der Stufe 2 aus biologischem Anbau
- BBCA- E2C2
 +Holzrahmenfassaden, Holzstrukturen und Beton-Holz-Konstruktionen. 
 Auszeichnungen:
- 2022 Silberne Pyramide in der Kategorie "Low-Carbon Buildings".
- 2022 Großer Preis der Immobilienbranche in der Kategorie "Constructive Innovation & Low-Carbon Building".
 Copyrights:
- Fotos © Camille Gharbi
- Drohnenfotos © Drone-Ops
- Pläne und Baufotos: © A+Architecture und Hellin Sebbag Pirany architectes