Sanierung am Marktplatz 2 in Schorndorf Klare Trennung von Historie und modernem Kern

Ein Gastbeitrag von Michael Sudahl 3 min Lesedauer

„Unser Umgang mit der Bausubstanz wird ehrlicher und offener“, sagt Felix Stammler. Der Schorndorfer Architekt begleitet aktuell die Modernisierung des Gebäudes Marktplatz 2, dem Stammhaus der Palm-Stiftung.

Marktplatz 2 in Schorndorf, das Stammhaus der Palm-Stiftung.(Bild:  Arnold Kumordzie)
Marktplatz 2 in Schorndorf, das Stammhaus der Palm-Stiftung.
(Bild: Arnold Kumordzie)

Nachdem im Erdgeschoss im vergangenen Jahr die Dr. Palm'sche Apotheke kernsaniert wurde und seither im neuen Look erstrahlt, finden aktuell erneut Bauarbeiten in Schorndorfs Schmuckstück statt. Daniel Mudroh, Geschäftsführer von Palm Immobilien, hat diese beauftragt. Diesmal modernisiert die Vermieterin die Räume im dritten Obergeschoss. Nach der Praxisschließung von Hautärztin Dr. Gabriele Güldner im Jahr 2021 steht die rund 150 m² große Fläche leer. Außerdem wird das gesamte Treppenhaus saniert. Hier wird deutlich, was Architekt Stammler mit „offenem und ehrlichem Umgang“ meint.

Modernisierung und vorgehängte, denkmalgeschützte Fassade

Denn als die Immobilie Anfang der 1970er-Jahre hinter der historischen Fassade einen Betonkern erhielt, versuchten die Verantwortlichen, das Moderne, wenn nicht zu verstecken, so doch zumindest an die vorgehängte, denkmalgeschützte Fassade anzugleichen, wie Stammler es beschreibt. Dessen Großvater Karl-Friedrich hatte den damals hochmodernen Gebäudekern gemeinsam mit den Stiftungsgründern Dr. Elsa Maria und Johann-Philipp Palm entworfen und gebaut. Zu dieser Zeit, als das Schorndorfer Stadtbild repariert und dafür etliche Ensembles rund um den Marktplatz entkernt und neu aufgebaut wurden, war dies der gängige Umgang.

Flexible Grundrisse passen sich an die Anforderungen der Mieterinnen an

„Wir legen nun den teils gemauerten und betonierten Baukörper im Gebäudeinnern wieder frei“, sagt Mudroh. Die dunkelbraune Holzverkleidung im Treppenhaus wird zurückgebaut. Die freiwerdenden Mauerstücke lässt der Bautechniker verputzen, während die Betonelemente sichtbar bleiben sollen. Dem vor rund einem halben Jahrhundert entstandenen Baukörper bescheinigt Stammler eine bis heute gültige Modernität. 

Klare Trennung von Historie und modernem Kern
Flexible Grundrisse werden den Anforderungen der Mieterinnen und Mieter gerecht.
(Bild: Palm Immobilien)
Klare Trennung von Historie und modernem Kern
(Bild: Palm Immobilien)

„Der Marktplatz 2 ist mit offenen Grundrissen konzipiert“, so der Planer. Die Decken haben eine große Spannweite. Auf Stützen oder tragende Wände wurde verzichtet. Lange Stahlträger spannen sich stattdessen von Wand zu Wand. So entstehen flexible Grundrisse, die Palm individuell an die Anforderungen ihrer Mieterinnen und Mieter anpassen kann – wie nun im dritten Obergeschoss deutlich wird.

Praxisräume werden entkernt

„Weil sich zudem die Anforderungen an Arztpraxen im Laufe der Jahre geändert haben, können wir diesen neuen Bedürfnissen gerecht werden“, erläutert der Geschäftsführer. Die freien Praxisräume werden derzeit entkernt und mit neuen Leitungen für Strom, Wasser und Daten versehen. Im Inneren sieht Palm die Möglichkeit vor, eine Verbindungstreppe zur darunterliegenden Praxis von Dr. Christian Grimm nachzurüsten. „Wenn nötig, lässt sich so aus zwei Praxen eine große machen“, verdeutlicht Mudroh. Der beobachtet, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Räume heute meist gemeinschaftlich mieten. Und dafür Flächen von rund 300 m² benötigen.

Maßnahmen gegen Schallbrücken

„Um Schallbrücken zu vermeiden, stellen wir die Trockenbauwände auf den Rohfußboden“, so Mudroh. Diamantplatten aus Gipskarton als Beplankung und Mineralwolle im Inneren der Trockenbauwände absorbieren Geräusche. Die Vermieterin verlegt einen PVC-Boden in Holzoptik, wodurch die Räume zeitgemäß erscheinen. 

Bleibt noch das Dachgeschoss mit Maisonette und dem Blick über die Schorndorfer Altstadt. Auch hier wird modernisiert. Dabei achten die Planer darauf, dass die private Nutzung der Räume bereits im Treppenhaus des Apotheken- und Ärztehauses erkennbar ist. Eine offene und damit leicht anmutende Stahltreppe ersetzt die vorhandenen, schweren Holzstiegen.

Wo historische Bausubstanz endet – und die Moderne beginnt

Fertig soll alles bis zum kommenden Frühjahr sein. Die substanzschonende und doch klare Formensprache könnte als Blaupause für das Stadtbild dienen, findet Stammler. Am Marktplatz 2 wird künftig ablesbar sein, wo historische Bausubstanz endet, und die Moderne beginnt. Mudroh sieht das Haus damit für die nächsten 50 Jahre gerüstet und somit in der Lage, den Stiftungsauftrag zu erfüllen: Ein modernes Apotheken- und Ärztehaus mit sehr guter Bausubstanz am attraktiven Standort, das die innerstädtische Gesundheitsversorgung aufrechterhält.

Weitere Informationen:

https://www.palm-firmengruppe.de/

https://www.stammler-architekten.de/

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