Ganzheitlich zu denken ist für die DB Engineering & Consulting GmbH (DB E&C) selbstverständlich. Das international agierende Ingenieurbüro der DB AG kennt die Stärken der unterschiedlichen Verkehrsträger und kombiniert sie effektiv in Deutschland und weltweit. Mit dem Wissen aus tausenden Projekten ist es möglich, komplexe Infrastrukturprojekte aus einer Hand zu managen und alle Leistungspakete gewerkeübergreifend zu integrieren.
(Quelle: DB AG, Max Lautenschläger)
Für Martin Münnig, Leiter der Stabsstelle BIM und Digitalisierung bei DB E&C in der Region Deutschland Mitte, ist BIM unverzichtbar. Auch, wenn er lieber den Begriff „3D-Datenmodellierung“ verwendet, da das „B“ in BIM ja für „Building“ stehe. Man denke dabei mehr an den Hochbau, aber nicht ans Bauen an sich. Seine Kollegen, die Gleise, Signale und Oberleitungen planen, hätten sich anfangs gar nicht abgeholt gefühlt, das Thema sei ihnen schlichtweg fremd gewesen. „3D-Datenmodellierung“, also „3D plus Daten“, zeige nun, dass es um mehr gehe, als nur um Geometrien, so Münnig.
Bewährter Partner in Sachen BIM
BIM ist auch mehr, als mit einer einzigen Software Datenmodelle zu konstruieren. Dass Mensch und Maschine (MuM) als bewährter Bahn-Partner für CAD-Kurse sich früh mit der Methode befasst hat, war für die DB richtungsweisend. Als das BMVI 2015 die ersten Anforderungen formulierte, gab es bei MuM bereits ein Ausbildungsprogramm. Heute beherrschen zahlreiche Bahn-Mitarbeitende die methodischen Grundlagen. Die Kommunikation und die Zusammenarbeit sind dadurch einfacher geworden; in einem Projekt vereinte Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen haben eine gemeinsame Sprache – das Modell.
(Grundlagenmodell Bahnhof Frankfurt/ Main. Bild: DB E&C)
BIM ready für die Infrastruktur
Gemeinsam mit MuM entstanden in der Folgezeit Kursvarianten mit dem Schwerpunkt Infrastruktur. MuM verstand die Anforderungen für Planung und Bau von Gleiskörpern, Bahnsteigen, Brücken, bahntechnische Ausrüstung usw. Die DB E&C stellt im Gegenzug relevante Know-how-Träger und Praxisbeispiele zur Verfügung: Martin Münnig und seine Kollegin Jessica Esper sind inzwischen regelmäßig als Gastreferenten bei BIM-Ready-Kursen an Bord.
Auch für die Grundlagenermittlung verwendet die DB E&C inzwischen BIM und schafft die digitalen Grundlagen beispielsweise für die Planung und übergeordnete Koordination der Projekte von DB Station&Service und DB Netz im Knoten Frankfurt am Main. BIM-Beraterin Jessica Esper hat ungefähr drei Monate gebraucht, um ein Grundlagenmodell aus verschiedenen Datenquellen aufzubauen: Das digitale Geländemodell (DGM) wird ergänzt durch Punktwolken, die bei der Befliegung einzelner Projektabschnitte entstanden sind. Dazu kommen von Dienstleistern erstellte Bestandsmodelle unterschiedlichster Genauigkeiten und Koordinatensysteme, weitere GIS-Daten (vor allem amtliche Landesdaten) und vieles mehr.
Daten für alle
Ziel ist, bis 2025 digitale Zwillinge vieler Bahnanlagen im Netz der DB AG zu schaffen. Diese Modelle sollen über eine Plattform allen Berechtigten zur Verfügung stehen. Durch die dreidimensionale, zum Teil fotorealistische Darstellung wird es einfacher, Abhängigkeiten zu erkennen und zu berücksichtigen. Auf einem 2D-Plan sähen zwar alle die gleichen Symbole und Texte, aber in Wirklichkeit hätte jeder ein anderes Bild im Kopf. Für die weitere Planung sei es zum Beispiel entscheidend, welche Beleuchtung auf dem Bahnsteig installiert werde. Das sei auf dem 2D-Plan nicht zu erkennen, mit dem 3D-Modell aber würde das viel klarer herauskommen, so Martin Münnig.
Alexander Müller, Leiter Planung Verkehrsanlagen und konstruktiver Ingenieurbau im Frankfurter Büro der DB E&C führt das weiter aus: „Neben den technischen Fragestellungen sind gleichzeitig die Anforderungen an unsere Mitarbeitenden zu bewerten, unter anderem wann welche Qualifikationen benötigt werden, um diese Entscheidungen mit dem Kunden zu treffen. Sich für das richtige Qualifizierungsprogramm zu entscheiden und damit unsere Mitarbeitenden und insgesamt die DB AG nach vorne zu bringen, hat mir MuM an dieser Stelle einfach gemacht“.
(Das BIM-Modell macht betriebliche Einschränkungen sichtbar: Lichtraum- profil des Gleises (grün) wird durch die Randkappe einer Brücke (rot) gestört. Bild: DB E&C)
BIM ready: Noch ein weiter Weg
Die 3D-Datenmodellierung schafft schon heute viel Transparenz. Sie beschleunigt Prozesse und erzeugt auf unterschiedlichen Ebenen Mehrwert und gegenseitiges Verständnis.
Inzwischen nutzen immer mehr ausführende Firmen digitale Modelle. Das wird die Prozesse künftig weiter verschlanken und dazu führen, dass sich zunehmend Fehler und Missverständnisse vermeiden lassen. Bis Datenmodelle aber in den Betrieb (digitaler Zwilling) und sogar in die Bauteilproduktion Einzug finden, wird es wohl noch eine Weile dauern. Für die DB E&C ist es aber der einzig richtige Weg. „Hier gilt es jetzt, unermüdlich dran zu bleiben und BIM konsequent in die Anwendung zu bringen. Wir sehen, dass MuM hier kompetent Projektbeteiligte aus unterschiedlichen Bereichen ansprechen kann. Das macht uns effizienter und wirtschaftlicher. Diese partnerschaftliche Zusammenarbeit wollen wir auch in Zukunft nutzen und ausbauen“, sagt Alexander Müller.
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