Stuttgart 21: RFID-Tracking von Bauteilen Warentracking von der Produktion bis zum Einbau

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 3 min Lesedauer

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Das Baufeld für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof ist so groß wie fünf Fußballfelder. Damit Fassadenbauspezialist Seele dort die 27 Lichtaugen errichten kann, werden Hunderte voll beladene LKW eine vermeintlich unübersichtliche Vielzahl an Bauteilen anliefern. Doch durch das Warentracking von Seele sind alle Teile von der Produktionshalle bis zum finalen Einbau perfekt organisiert.

Die 27 Oberlichter für Stuttgart 21 verteilen sich über ein großes Baufeld. (Bild:  Arnim Kilgus / DB)
Die 27 Oberlichter für Stuttgart 21 verteilen sich über ein großes Baufeld.
(Bild: Arnim Kilgus / DB)

27 Oberlichter und 3 Schalentragwerke realisiert Seele für das Großprojekt Stuttgart 21. Die Bauteile dafür stammen aus den Werken in Gersthofen und dem tschechischen Pilsen – einige rollen direkt auf die Baustelle, andere werden zunächst in Baustellennähe zwischengelagert. Um den Überblick zu behalten, hat Seele ein System zur automatisierten Bestandspflege entwickelt.

Warentracking: Das RFID-System von Seele

Die Digitalisierungsmaßnahme basiert auf der Radio-Frequency Identification (RFID)-Technologie, bei der Daten über Funkwellen zwischen einem Transponder und einem Lesegerät ausgetauscht werden. Die Umsetzung für das RFID-Tracking trieb Sebastian Lippert voran. Als Engineer Virtual Construction bei Seele verfolgte er das Ziel, den Fortschritt der Bauarbeiten in Echtzeit digital abzubilden. Das Ergebnis ist nun ein vollständig digitales Logistikkonzept, das allen Projektbeteiligten hilft.

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Seele hat sechs RFID-Gates mit Lesegeräten auf beiden Seiten errichtet.
(Bild: Seele)

Für das Tracking befestigt Seele einen passiven Transponder in Form eines Folienetiketts mit einem Titan-Inlay auf jedem Packstück. Außerdem hat das Unternehmen 6 RFID-Gates errichtet, die diese Labels automatisch erfassen: Jeweils eines an den Warenausgängen der Produktionsstätten in Gersthofen und Pilsen, eines im Zwischenlager und 3 auf der Baustelle. Zusätzlich hat das Unternehmen die Mitarbeitenden auf der Baustelle mit mobilen Lesegeräten ausgestattet.

Jedes Packstück enthält mehrere Bauteile.
(Bild: Seele)

Ein Bauteil auf Reisen

Bevor eine Verpackungseinheit, zum Beispiel eine Kiste mit Metallprofilen für die Lichtaugen, von Seele auf den LKW geladen wird, bekommt die Kiste ein RFID-Label. Die hinterlegte Packliste gibt Aufschluss über die genaue Stückzahl und die exakte Bauteilbezeichnung. Der Transponder funktioniert ohne eigene Stromversorgung, hat eine Reichweite von bis zu 12 m und lässt sich recyceln. Wenn der LKW das Gate beim Verlassen des Werks passiert, scannt das Lesegerät darin automatisch alle Etiketten und leitet ein Status-Update an das ERP-System von Seele weiter: Damit beginnt die Reise des Bauteils.

Warentracking für Stuttgart 21
Jedes Packstück erhält an der Längsseite ein eigenes RFID-Label, damit es vom Lesegerät erfasst werden kann.
(Bild: Seele)

Fährt der LKW zunächst zum Zwischenlager, befindet sich auch dort ein Gate. Es erfasst, dass die Kiste mit den Profilen im Lager angekommen ist und gibt dies an das ERP-System weiter: Das Bauteil legt einen Zwischenstopp ein. Wird es weiter zur Baustelle transportiert, registriert das RFID-Label dies erneut und meldet den Standortwechsel.

Status-Update an das ERP-System mit Schnittstelle zum digitalen Modell

Auch auf den Baustraßen des Kernstücks von Stuttgart 21 sind drei Gates aufgebaut, die das Ankommen der Kiste vermerken. Der Mitarbeitende von Seele, der sie vom LKW ablädt, scannt das Label einmal mit dem mobilen Lesegerät. 

Eine komplexe Konstruktion mit vielen Bauteilen kennzeichnet die Lichtaugen.
(Bild: plan b Stuttgart, Atelier Peter Wels, ingenhoven architects)

Wenn die Reise der Kiste zu Ende geht, sie also am gekennzeichneten Lagerplatz abgeladen und ausgepackt wird, landet ihr RFID-Etikett in einem speziellen Behälter am digitalen Baustellenterminal, der ebenfalls ein Lesegerät enthält. Anschließend verbaut das Montageteam die Metallprofile und übermittelt das letzte Status-Update an das ERP-System von Seele mit einer Schnittstelle zum digitalen Modell des Lichtauges, das die Bauteile als montiert kennzeichnet.

Digitalisierungsoffensive

Das RFID-Warentracking verhindert nicht nur die teilweise zeitaufwändige Suche nach Bauteilen. Die Technologie dokumentiert und bildet das Voranschreiten der Baumaßnahmen für den künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof bauteilgenau ab. Damit stellt sie einen wichtigen Meilenstein bei der digitalen Transformation von Seele dar.

Die Fertigung und Montage der Lichtaugen erfordert höchste Präzision.
(Bild: Jannik Walter / DB)

„Vom Konstruktionsbüro bis zur Fertigung arbeiten alle Abteilungen mit einem gemeinsamen 3D-Modell, das alle Informationen enthält. Mit dem RFID-Tracking ist es uns gelungen, nun auch die Logistik und die Montage darin einzubinden. Das ist eine enorme Erleichterung für seele und bietet erhebliche Vorteile für unseren Auftraggeber, die Deutsche Bahn“, sagt Andreas Hafner, Geschäftsführer der Seele GmbH.

Weitere Informationen: https://seele.com/de/

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