Wie SE Tylose die Instandhaltung digitalisiert Über 30‘000 Anlagen, ein System

Ein Gastbeitrag von Frank Ostwald 5 min Lesedauer

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Mehr als 30‘000 Anlagen, höchste GMP-Anforderungen, IT – und dann der radikale Neuanfang. SE Tylose modernisiert die Instandhaltung auf spannende Art und Weise und etabliert eine durchgängige CMMS-Plattform mit SAP PM und Argvis; Maintenance Portal. 

Moderne Prozessanlage bei SE Tylose: Über 30'000 Aggregate werden heute zentral, transparent und GMP-konform über ein integriertes CMMS aus SAP PM und dem Argvis; Maintenance Portal gesteuert – das digitale Rückgrat der Instandhaltung.(Bild:  SE Tylose GmbH & Co. KG)
Moderne Prozessanlage bei SE Tylose: Über 30'000 Aggregate werden heute zentral, transparent und GMP-konform über ein integriertes CMMS aus SAP PM und dem Argvis; Maintenance Portal gesteuert – das digitale Rückgrat der Instandhaltung.
(Bild: SE Tylose GmbH & Co. KG)

SET räumt auf – und digitalisiert die Instandhaltung radikal. Die SE Tylose GmbH & Co. KG mit Sitz in Wiesbaden, Teil der japanischen Shin-Etsu-Gruppe, produziert Celluloseether aus nachwachsenden Rohstoffen – hochkomplexe chemische Verfahren, die höchste Anforderungen an Anlagenverfügbarkeit, Prozesssicherheit und Dokumentation stellen. In sechs Produktionsbetrieben betreibt SET über 30‘000 instandhaltungsrelevante Aggregate. Doch bis vor Kurzem war die Instandhaltung geprägt von fragmentierten IT-Systemen, papierbasierten Workarounds und einer Vielzahl eigenentwickelter Datenbanken. Die digitale Transformation kam mit der Einführung eines modernen CMMS – basierend auf SAP PM und dem Argvis; Maintenance Portal.

Ist-Zustand in der Instandhaltung: Fragmentiert, fehleranfällig, nicht auswertbar

In der Instandhaltung von SE Tylose arbeiten rund 70 Fachkräfte verteilt auf Mechanik, Elektro-, Mess- und Regeltechnik (EMR) und Reliability. Organisatorisch agiert die Abteilung zentral und bedient alle Betriebe des Standorts. Die Anforderungen waren hoch. Neben laufender Instandsetzung gehören auch gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen, GMP-konforme Dokumentationen und komplexe Stillstandsplanungen zum Alltag. Tobias Oehler, Abteilungsleiter Reliability bei der SE Tylose GmbH & Co. KG (SET), bringt die Ausgangslage auf den Punkt: „Wir sind auf Sicht gefahren – ohne verlässliche Datenauswertung war keine echte Steuerung möglich.“

Digitalisierte Instandhaltung bei SE Tylose, Porträtbild Tobias Oehler,
Tobias Oehler, Abteilungsleiter Reliability bei der SE Tylose GmbH & Co. KG: „Ein CMMS lebt von Daten. Und Daten liefern nur motivierte User. Deshalb war Usability das oberste Gebot.“
(Bild: SE Tylose GmbH & Co. KG)

Zahlreiche Systeme kamen parallel zum Einsatz: Excel, Access-basierte Tools, eigentwickelte Datenbanken, IBM Notes für Prüfprozesse, Datenbanken und Tools externer Prüfdienstleister, SAP PM nur in Grundzügen. Die Folgen waren mehrfach redundante Stammdaten zu gleichen Aggregaten, fehlende Schnittstellen und Medienbrüche. Eine konsistente, durchgängige Dokumentation und Analyse der Instandhaltungsprozesse war nicht möglich. SAP PM selbst wurde in der Vergangenheit für externe Auftragsverfolgung und grobe Kostenkontrolle genutzt.

Im Visier: Volle Transparenz, maximale Usability, tiefe SAP-Integration

Mit Blick auf die steigende Komplexität der Anlagen, den fortschreitenden demografischen Wandel und weiter steigende regulatorische Anforderungen entschied sich SET für einen Systemwechsel. Ziel war eine einheitliche digitale Plattform für alle Prozesse der Instandhaltung – und zwar integriert in das bestehende SAP-Ökosystem. Nach einem umfassenden Ausschreibungsprozess setzte sich Argvis; Maintenance Portal als Frontend-Erweiterung durch. Ausschlaggebend waren nicht nur funktionale Kriterien wie Usability, Skalierbarkeit und SAP-Integration, sondern auch der Faktor Mensch, wie Oehler betont: „Ein CMMS lebt von Daten. Und Daten liefern nur motivierte User. Deshalb war Usability das oberste Gebot.“

Großtechnische Produktionsanlagen am Standort Wiesbaden: Die komplexe Verfahrenstechnik von SE Tylose stellt höchste Anforderungen an die Instandhaltung..
Großtechnische Produktionsanlagen am Standort Wiesbaden: Die komplexe Verfahrenstechnik von SE Tylose stellt höchste Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Dokumentation.
(Bild: SE Tylose GmbH & Co. KG)

Die strategische Entscheidung: SAP PM wird das Rückgrat, dazu umfassend ausgebaut und customized – und Argvis wird die intuitive und mobile Oberfläche. Die Verbindung beider Systeme schafft eine leistungsfähige CMMS-Infrastruktur, die auch an weiteren Standorten der Gruppe ausgerollt werden kann.

Info: SE Tylose GmbH & Co. KG

Die SE Tylose GmbH & Co. KG mit Sitz in Wiesbaden gehört zur japanischen Shin-Etsu-Gruppe und zählt weltweit zu den führenden Herstellern von Celluloseethern. Mit einer Jahresproduktion von rund 65‘000 Tonnen und etwa 560 Mitarbeitenden entwickelt und vertreibt das Unternehmen Spezialchemikalien für industrielle und lebensmittelnahe Anwendungen. 

Industriepark Kalle-Albert bei Dämmerung: Am Traditionsstandort von SE Tylose laufen hochvernetzte Produktions- und Versorgungsanlagen rund um die Uhr – gesteuert und abgesichert durch eine digitalisierte Instandhaltung.
Industriepark Kalle-Albert bei Dämmerung: Am Traditionsstandort von SE Tylose laufen hochvernetzte Produktions- und Versorgungsanlagen rund um die Uhr – gesteuert und abgesichert durch eine digitalisierte Instandhaltung.
(Bild: SE Tylose GmbH & Co. KG)

Die Marken Tylose und Tylopur finden Einsatz in Baustoffen, Farben, Keramik, Pharma und Nahrungsmitteln. Am Traditionsstandort im Industriepark Kalle-Albert – seit 1935 Produktionsstätte für Celluloseether – setzt SE Tylose heute auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und globale Partnerschaften. Mit starker Marktposition und detaillierten CO₂-Bilanzen ist das Unternehmen ein relevanter Player für Maschinenbau und Prozessindustrie.

Weitere Informationen: https://www.setylose.com/de/

Umsetzung mit Scrum und Nutzerfokus

Der Projektansatz: agil. In enger Zusammenarbeit mit Argvis setzte SET auf Scrum-Elemente wie Sprints, Feedback-Schleifen und klare Inkremente. Mitarbeitende aus der Instandhaltung waren aktiv eingebunden, testeten, gaben Feedback und halfen mit, das System auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. „Unsere Leute waren keine Statisten – sie waren Mitentwickler. Das hat die Motivation enorm gesteigert“, so Tobias Oehler. „Es ist eine Software von UNS für UNS“.

Parallel wurde SAP PM umfassend erweitert. Statt reiner Kostenverfolgung bildet es heute vollständige Instandhaltungsprozesse ab – inklusive Störmeldungen, Auftragsplanung, Ressourcenmanagement, Prüfzyklen und Lebenslaufakten. Eine besondere Herausforderung stellte die regulatorische Umgebung dar: Als Hersteller im Bereich Pharma und Food muss SET GMP- und FDA-Vorgaben erfüllen. Die Lösung: Klar dokumentierte Workflows und engste Abstimmung zwischen IT, Projektteam und Argvis – mit Erfolg.

Go-Live und Alltag: Daten, die endlich wirken

Seit dem 8. Dezember 2025 ist das neue System produktiv. Und der Unterschied ist spürbar: Störmeldungen werden mobil erfasst, direkt dokumentiert und digital weiterverarbeitet. Prüfpläne laufen automatisiert, GMP-Dokumentationen sind lückenlos nachvollziehbar. Statt Insellösungen gibt es nun ein durchgängiges System, das Transparenz schafft – und Entscheidungen ermöglicht. Durch die Zentralisierung mit SAP sind Instandhaltungskosten direkt in die Geschäftsprozesse mit eingebunden.

Die Bereitschaft der Mitarbeitenden, Meldungen digital zu erfassen, ist sprunghaft angestiegen. Prozesse wie Ersatzteilmanagement, Stillstandsplanung oder Prüfmittelverfolgung laufen effizienter und strukturierter. Auch die mobile Nutzung zahlt sich aus: Techniker arbeiten direkt an der Anlage – mit Tablet oder Smartphone. Notwendige Informationen stehen direkt zur Verfügung. Papierformulare, doppelte Datenpflege und langwierige Rückfragen gehören der Vergangenheit an.

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Fünf greifbare Erfolge in kurzer Zeit

  • Transparenz: Alle relevanten Instandhaltungsdaten sind zentral, aktuell und auswertbar verfügbar.
  • Effizienz: Automatisierte Prozesse und bessere Planbarkeit führen zu spürbarer Zeit- und Kostenersparnis
  • Compliance: GMP- und FDA-Vorgaben werden vollständig digital und revisionssicher dokumentiert.
  • Akzeptanz: Durch hohe Usability und aktive Mitgestaltung ist das System im Team breit akzeptiert.
  • Skalierbarkeit: Die Lösung ist bereit für den Rollout auf weitere Werke der Shin-Etsu-Gruppe.

Fazit und Ausblick: Predictive, IoT & globaler Roll-out

Das neue CMMS legt die digitale Basis – doch das Potenzial ist damit längst nicht ausgeschöpft. In den kommenden Monaten plant SET die Integration von IoT-Systemen zur Zustandsüberwachung, die stärkere Nutzung von Predictive Maintenance-Ansätzen sowie eine weitere Automatisierung von Wartungs- und Prüfprozessen. Auch ein internationaler Roll-out ist vorgesehen – insbesondere für die US-Standorte der Shin-Etsu-Gruppe. Abteilungsleiter Reliability Oehler blickt optimistisch nach vorn: „Wir haben jetzt das digitale Fundament – ab jetzt denken wir groß.“

Fazit: SE Tylose zeigt eindrucksvoll, wie ein mittelständisches Unternehmen mit SAP PM und Argvis; Maintenance Portal seine Instandhaltung modernisiert – praxisnah, regulatorisch sicher und zukunftsorientiert. Der digitale Wandel ist kein Selbstzweck, sondern ein klarer Hebel für mehr Effizienz, Qualität und Anlagenverfügbarkeit.

Autor: Frank Ostwald, Argvis, Head of Sales/Marketing

Weitere Informationen: https://www.argvis.com/