Erst Industriebrache, heute Wohnquartier: Die „Parkstadt Karlshorst“ im Berliner Bezirk Lichtenberg gilt als gelungenes Beispiel für zeitgemäßen Städtebau. Mit der Rückbesinnung auf die Tradition des Reformwohnungsbaus setzt die architektonische Gestaltung auf viel Lebensqualität und behält die typische Ziegeloptik bei. Das Fassadenmaterial lieferte Vandersanden, die Masterplanung übernahm das Berliner Büro Klaus Theo Brenner – Stadtarchitektur.
(Bild: Bonava)
Während der vergangenen 20 Jahre hat sich Lichtenberg zu einem der Schwergewichte im Berliner Wohnungsbau entwickelt.
Den Anfang machte das Großprojekt „Rummelsburger Bucht“, das als städtebauliches Entwicklungsgebiet schrittweise erschlossen wurde und mit attraktiven Neubauten vor allem bei jungen Familien nach wie vor beliebt ist.
Mix aus Ziegeln in zwei unterschiedlichen Farben für die Außenseiten der Gebäude sowie Putz in vier hellen Farbtönen für die Gestaltung der Innenhöfe.
(Bild: Bonava)
Im benachbarten Ortsteil Karlshorst galt das Interesse der städtischen Planer vor allem einer Industriebrache mit leerstehenden und kaum noch nutzbaren Altbauten eines Furnierwerks und des einstigen „VEB Maschinenbauhandel“. Die Masterplanung für die anschließende Verwendung der beiden Flächen übernahm das Berliner Büro Klaus Theo Brenner – Stadtarchitektur. Die Planung für das zwölf Hektar große Areal der Parkstadt Karlshorst sieht die Errichtung von insgesamt rund 1.000 Wohneinheiten in fünfgeschossiger Bauweise vor, aufgeteilt in eine Reihe zusammenhängender Wohnanlagen und ergänzt um einzeln stehende Mehrfamilienhäuser. Zu den jeweiligen Straßenseiten hin sollte das Fassadenbild der Neubauten einen gleichermaßen soliden wie auch lebendigen Eindruck vermitteln, während die Innenhöfe der Wohnanlagen möglichst hell und luftig wirken sollten.
Städtebau: Historische Ziegeloptik
Die Lösung fanden Architekt Brenner und sein Team in einem Mix aus Ziegeln in zwei unterschiedlichen Farben. Zum einen für die Außenseiten der Gebäude und andererseits als Putz in vier hellen Farbtönen für die Gestaltung der Innenhöfe sowie als auflockerndes Element in Teilen der Außenfassaden.
„Bei aller Individualisierung der einzelnen Gebäudeteile wird über das Material Ziegel eine gemeinsame Identität hergestellt, und zugleich knüpfen wir damit nahtlos an die traditionelle Backsteinkultur des Standorts an“, sagt Brenner. Obschon die Detailplanung der einzelnen Bauabschnitte in der Parkstadt Karlshorst von mehreren Architekturbüros ausgeführt wurde, war die im Masterplan festgelegte Art der Fassadengestaltung für alle Beteiligten verbindlich – und wirkte sich damit auch unmittelbar auf die Beschaffung des benötigten Materials aus.
Klaus Theo Brenner – Stadtarchitektur, Berlin.
(Bild: Klaus Theo Brenner)
Ziegelfassaden haben in der Historie von Lichtenberg schon immer ein prägendes Element dargestellt. Damit war nicht nur für den Denkmalschutz, sondern auch für uns als Planer klar, dass wir dieses Baumaterial auch für die Realisierung der neuen Siedlungsprojekte verwenden müssen.
Riemchen wie Ringofenklinker
Aus wirtschaftlichen Gründen und angesichts der Mauerkonstruktion mit Wärmedämmverbundsystem kamen für die Fassade nur Riemchen infrage, die von der Farbgebung und der Oberfläche her möglichst präzise dem Charakter der ursprünglich am Standort verwendeten Ziegel entsprachen. So wurden in Karlshorst dunkelrot-braune Ringofenklinker verwendet, da eine Entsprechung in Form von Riemchen als Standardprodukt am Markt praktisch nicht verfügbar ist. Um darüber hinaus die Einheitlichkeit der Farbgebung über alle Bauabschnitte und Gebäudeteile hinweg sicherzustellen, ließ sich die Lieferung für die Verkleidung von insgesamt rund 15.000 Quadratmetern Fassadenfläche schwerlich auf mehrere Hersteller aufteilen.
Komplexe Bemusterung von Fassadenmaterialien
Im Ergebnis gestaltete sich die Bemusterung des Fassadenmaterials einigermaßen komplex, zumal neben den Urhebern des Masterplans auch städtische Planer und Denkmalschützer, die politischen Gremien des Bezirks Lichtenberg und nicht zuletzt die Bonava Deutschland GmbH als Bauträger des Gesamtprojekts einbezogen werden mussten. „Über einen längeren Zeitraum hinweg haben wir immer wieder neue Mustertafeln zusammengestellt und den Entscheidern präsentiert, bis sich am Ende eine nahezu perfekte Lösung herauskristallisierte“, berichtet der für die Region Berlin zuständige Vandersanden-Fachberater Tobias Heim. „Und weil wir zugleich auch gewährleisten konnten, dass die benötigte Menge an Riemchen über mehrere Jahre hinweg durchgehend in gleicher Qualität von uns geliefert werden kann, wurde Vandersanden letztlich als Lieferant ausgewählt.“
Tatsächlich fiel die Wahl im Bemusterungsprozess auf Riemchen, die als Standardprodukt im Angebot von Vandersanden gar nicht vorhanden sind. „Die Vorgabe von Ringofenklinkern als Referenzmaterial schränkte die Auswahl schnell und sehr stark ein“, so Tobias Heim. Theoretisch wäre es zwar möglich gewesen, farblich perfekt passende Verblender in einem Ringofen ganz neu herzustellen und durch Absägen der Sichtseiten daraus die benötigten Riemchen zu gewinnen. Aber die damit verbundenen Kosten wären angesichts der aufwändigen Produktionsmethode und mit Blick auf die große Materialmenge unrealistisch. Stattdessen entwickelte Vandersanden eine praktikable Alternative auf der Basis von Klinkern aus dem Standardprogramm, die aber normalerweise nicht als Riemchen geliefert werden.
Stand: 16.12.2025
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Städtebau: Alt Krakow und Alt Tessin
Fassadenmaterial von Vandersanden: eine besondere Mischung aus Riemchen der Sorten „Alt Krakow“ und „Alt Tessin“.
(Bild: Vandersanden)
(Bild: Vandersanden)
„Unser Vorschlag bestand darin, zwei Sorten der optisch am besten passenden Verblender so zu mischen, dass abwechselnd jeweils die zu Riemchen verarbeiteten Vorder- und Rückseiten der Steine zum Einsatz kommen“, erklärt Vandersanden-Fachberater Heim. Als Ausgangsprodukte wurden letztlich die im Strangpressverfahren hergestellten Verblender „Alt Krakow“ und „Alt Tessin“ ausgewählt, die im Ringofen produziert werden und optisch von Ringofenklinkern kaum zu unterscheiden sind. Damit nicht genug, sollten die Riemchen für die Fassadenverkleidung in der Parkstadt Karlshorst im Format DF 240 x 115 x 52 Millimeter geliefert werden. Die gewünschten Verblender werden standardmäßig jedoch in ganz anderen Formaten hergestellt.
Innovative Riemchenentwicklung für Parkstadt Karlshorst
Und last but not least erforderte der von den Architekten entwickelte Fassadenentwurf neben der Verwendung von Riemchen mit einer Standarddicke von 20 mm auch noch die Herstellung 25 mm dicker Riemchen, die entlang der Wände den Eindruck vor- und zurückspringender Ecken und Kanten erzeugen sollten. „Alles in allem haben wir für das Projekt Parkstadt Karlshorst praktisch völlig neue Produkte entwickelt“, fasst Heim zusammen. Und weil je nach Baufortschritt die Riemchen in mehreren Tranchen geliefert werden mussten, kam es von der Herstellung der Verblender über den Transport und die Verarbeitung bis hin zur Anlieferung auf die Baustellen auch noch auf ein perfekt abgestimmtes Timing an.