Informationssystem Holzbau: So groß ist das Klimaschutz-Potenzial
Verantwortlicher Redakteur:in:
Rainer Trummer
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Kommunales Informationssystem Holzbau: Tool weist Klimaschutz-Beitrag des Bauens und Sanierens mit Holz aus.
(Quelle: Alexander Knoblauch)
Kommunen können über den Bausektor Treibhausgas(THG)-Einsparungen erzielen, indem sie Vorgaben für klimafreundliche Baustoffe machen.
Das neue Informationssystem Holzbau-KIS, das die Ruhr-Universität Bochum und die Disy Informationssysteme GmbH derzeit entwickeln, unterstützt Kommunen bei entsprechenden Planungen.
Denn es weist das konkrete Klimaschutzpotenzial durch Holzbau für verschiedene Szenarien in den Bereichen Neubau, Sanierung, Nachverdichtung und Aufstockung ausgewählter Kommunen aus
Das Vorläuferprojekt Holzbau-GIS erhielt am 4. Dezember 2023 den Nachhaltigkeitspreis der Initiative Humboldtⁿ, einer Nachhaltigkeitsinitiative der nordrhein-westfälischen Universitäten (https://humboldt-n.nrw/). Die Weiterentwicklung zum Holzbau-KIS läuft nun bis 2026 und wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.
Kommunen haben bei der Städteplanung den Hut auf und können in dieser Funktion wichtige Weichen für den Klimaschutz stellen, insbesondere, wenn sie Eigentümer der Baugrundstücke sind. Ein Beispiel dafür ist das Quartier Prinz-Eugen-Park in München. Die Stadt knüpfte die Vergabe einer ökologischen Mustersiedlung innerhalb des Gebietes unter anderem an das Kriterium einer hohen Kohlenstoffspeicherung, wie sie insbesondere der Baustoff Holz leistet. Dabei entstand die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands mit 566 Wohnungen in Holz- und Holz-Hybrid-Bauweise. Den Klimaschutzbeitrag solcher Quartiere, aber auch einzelner Gebäude konkret quantifizieren zu können, soll mit dem Kommunalen Informationssystem Holzbau (Holzbau-KIS) möglich sein. Die generierten Daten können als Entscheidungshilfe, zur Integration in kommunale Klimaschutzkonzepte sowie der Kommunikation dienen.
Fachinformationssystem Holzbau-GIS als Ausgangsbasis
Die Ausgangsbasis für das Projekt Holzbau-KIS stellt das im Vorläuferprojekt entwickelte Fachinformationssystem Holzbau-GIS dar. Holzbau-GIS wurde als Prototyp auf Basis öffentlich zugänglicher Geodaten aus Nordrhein-Westfalen und lokaler Datensätze der Stadt Menden entwickelt. In dem webbasierten Kommunikationstool lassen sich räumliche Fachdaten mit Gebäudetypologien, baulicher Struktur und THG-Minderungspotenzialen verbinden. Sie ermöglichen daher die Verknüpfung von Baumaßnahmen mit Klimaschutzzielen. Außerdem wendet das Tool normkonforme Berechnungsmethoden auf Gebäudeebene, analog der Grundsystematik im Qualitätssiegel Nachhaltige Gebäude (QNG), an. Die verwendeten Daten stammen aus der ÖkoBauDat, der Datenbasis für die Ökobilanzierung von Bauwerken des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
Im aktuellen Projekt soll anhand weiterer Städte eine Anpassung an andere landes- und kommunenspezifische Datensätze erfolgen. So will man prüfen, welche Daten vorliegen und welche Anpassungen erforderlich sind, um das System auch bundesweit einsetzen zu können.
Webbasierte Tools sollen leistungsfähiger werden
Auf technischer Seite sollen zudem Performance-steigernde Optimierungen des webbasierten Tools realisiert werden, indem der Übergang zur aktuellsten Version der Software Disy Cadenza Plattform für Business & Location Intelligence geschaffen wird. Besonderes Augenmerk liegt auf verständlicher Darstellung und guter Bedienbarkeit trotz umfangreicher Analyse- und Planungsfunktionalitäten.
Während sich das Holzbau-GIS auf die Themen Neubau und Sanierung mit Holz bezog, ergänzen die Forschenden im neuen Holzbau-KIS Szenarien zur Aufstockung, Nachverdichtung und zu ausgewählten Nichtwohngebäuden, hier vor allem kommunale und öffentliche Gebäude, mit Holz. Hinzu kommt das Thema Blau-Grüne Infrastruktur – der Begriff beschreibt den Ansatz, über Entsiegelung, Anlegen von Versickerungs- und Grünflächen oder wasserspeichernde Elemente zunehmende Wetterextreme im Klimawandel abzufedern.
Planungswerkzeug über den Holzbau hinaus
Das Holzbau-KIS geht somit über das Holzbauthema hinaus und wird zum kommunalen Planungswerkzeug für Klimaschutz- und Klimafolgenanpassung. Bereits im ersten Projekt hatte sich gezeigt, dass das System für Kommunen noch interessanter ist, wenn es weitere Informationen für die kommunale Bauleitplanung oder andere ökologisch-relevanten Fachplanungen verarbeiten und bereitstellen kann.
Stand: 16.12.2025
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Weitere Informationen zum Informationssystem:
Verbundvorhaben: Kommunales Informationssystem Holzbau -- Modell zur Quantifizierung und Darstellung von Treibhausgas-Einsparpotenzialen durch stoffliche Holzverwendung in Kommunen.
Teilvorhaben 1: Methodische Entwicklung - Akronym: Holzbau-KIS; Ruhr-Universität Bochum - Fakultät Bau- und Umweltwissenschaften - Ressourceneffizientes Bauen https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2221HV105A
Bild oben: Teil der ökologischen Mustersiedlung im Prinz Eugen Park in München: Der Gebäudekomplex der Baugemeinschaft „gemeinsam größer II“ mit Gründächern. Bild: Andreas Knoblauch