Smart Home Gebäudeautomatisierung: Die große Smart Home-Expertenumfrage

Von Regine Appenzeller 15 min Lesedauer

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Intelligente Gebäudeautomatisierung und Smart Buildings versprechen nicht nur Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen, Komfortverbesserungen sowie eine bessere Nutzung von Ressourcen. Sie fordern Anwender und Planer auch durch staatliche Vorgaben wie etwa das Gebäudeenergiegesetz oder bestimmte Nachhaltigkeitskriterien. Wir haben 13 Experten dazu genauer befragt.

(Bild:  thanmano/AdobeStock)
(Bild: thanmano/AdobeStock)

FRAGEN AN DIE EXPERTEN:

  • Mit intelligenter Gebäudeautomatisierung und Smart Buildings lassen sich echte Mehrwerte schaffen. Warum ist es so wichtig, Gebäude mit diesen Technologien auszustatten?

  • Mit welchen Herausforderungen müssen sich Anwender und Planer dieser intelligenten Systeme beschäftigen? (Stichworte wie GEG, ESG-Kriterien, Stranded Assets)

  • Was haben Sie an Weiterentwicklungen geplant und welche Trends zeichnen sich in dieser Branche ab?

Gebäudeautomatisierung und Energieeffizienz

GebäudeautomatisierungProf. Dr.-Ing. Martin Becker
Professor an der Hochschule Biberachund Vorsitzender des Fachausschusses Elektrotechnik/Gebäudeautomation im VDI-GBG TGA

Bildquelle: VDI

1. Zeitgemäße Gebäudeautomationssysteme ermöglichen ein kontinuierliches Anlagen- und Energie-Monitoring. Dies ist wiederum die Basis für einen möglichst energieeffizienten und nachhaltigen Gebäudebetrieb bei gleichzeitiger Erfüllung der Nutzungs- und Nutzeranforderungen wie Komfort, Bedienbarkeit und Akzeptanz. Ein Gebäude ist ein Smart Building, wenn es diese Funktionen durch einen möglichst durchgehenden und automatisierten Gebäudebetrieb erfüllt.

2. GA-Systeme sind nach dem Gebäudeenergiegesetz ab 1.1.2024 für Gebäude mit mehr als 290 kW installierter Leistung für HLK-Systeme verpflichtend, im Bestand sind sie sogar bis 31.12.2024 nachzurüsten. Außerdem wird ab sofort eine GA-Effizienzklasse von mindestens B gefordert. Dies inkludiert etwa dann auch den Einsatz von GA-Management und Monitoring-Systemen. Es obliegt einer guten Bedarfs­planung und anschließenden Fachplanung diese Anforderungen passend in den Planungs- und Ausführungsprozess zu integrieren. Gut geplant und umgesetzt lassen sich so auch die Anforderungen an Energiemanagementsysteme bereits passend mit integrieren.

3. Die zuvor geschilderten verschärften Anforderungen an die Energieeffizienz und den nachhaltigen Betrieb von Gebäuden benötigen in Zukunft einen möglichst durchgehenden digitalisierten Engineering-Prozess. Dazu sind basierend auf den aktuellen Gesetzen wie GEG und EnEfG, Normen (etwa ISO 52120, 50001) sowie VDI-Richtlinien (VDI 3814, VDI 3805 usw.) noch passende Werkzeuge in Form von abgestimmten Software-Tools für einen möglichst durchgehenden digitalisierten Workflow-Prozess zu entwickeln und in der Breite der Praxis zu etablieren.

GebäudeautomatisierungWerner Ottilinger
Geschäftsführung SAUTER Deutschland

Bildquelle: SAUTER

1. Einerseits sind mit dem GEG die gesetzlichen Grundlagen und energiepolitischen Ziele der Bundesregierung zu erfüllen. Andererseits kann die intelligente Gebäudeautomatisierung neben Energie und CO2 zusätzlich Kosten sparen bei deutlich höherem Komfort für die Immobiliennutzer.

2. Für viele Immobilienbesitzer sind die Herausforderungen gigantisch. Teilweise kennen sie die Verbräuche der Immobilien nicht oder nur die Allgemeinverbräuche ohne den Anteil der Mieterverbräuche, die in der Gesamtbetrachtung mindestens ebenso wichtig sind. Zudem werden teils Unsummen in die Zählerinfrastruktur investiert, ohne auf den wirklichen Nutzen zu achten. Zurzeit kommt noch hinzu, dass die Mittel für energetische Sanierungen gekürzt werden und somit die Reduktion des CO2-Ausstoßes, da die Gelder anderweitig eingesetzt werden müssen, etwa in Finanzierungskosten.

3. Auch wenn die Umsetzung des GEG eventuell etwas ins Stocken geraten wird, müssen wir dringend die Ziele für 2030, 2050 und die aktuell diskutierten erweiterten Ziele für 2040 umsetzen. Die Herausforderung hierbei ist natürlich, genügend geeignetes Personal zur Realisierung zu finden. Wir werden alles daransetzen, die Umsetzung durch mehr Automatisierung zu vereinfachen, um so effizient wie möglich die Zielerreichung zu schaffen. Die Abgabe und Prüfung der ersten Nachhaltigkeitsberichte wird die Immobilienbranche mit Spannung beobachten.

Flexibilität ist gefragt

GebäudeautomatisierungDaniel Zauner
Leiter Marketing iHaus AG

Bildquelle: iHaus AG

1. Angesichts des Megatrends „Demografischer Wandel“ müssen sich auch Immobilien weiterentwickeln. Schon heute leben 5,6 Millionen der 18,4 Millionen über 65-Jährigen allein. Wer älter wird, ist häufiger auf Unterstützung angewiesen. Mit Gebäudeautomation und intelligenten Lösungen können bestehende und neue Immobilien so weiterentwickelt werden, dass sie mit den Bedürfnissen der Menschen mitwachsen. Nachhaltigkeit, Lebensqualität und flexible Nutzungsmöglichkeiten erfordern eine Basis aus technischen Lösungen und IT, die Daten zusammenführt.

2. Für die Anwender ist es wichtig zu entscheiden, welche intelligenten Lösungen sie heute und welche sie in Zukunft nutzen wollen, wenn sich ihre Lebenskonzepte ändern. Flexible Wohnformen erfordern ebenso flexible Systeme – und offene Infrastrukturen als Grundlage. Das ist nachhaltig und wirtschaftlich.

Planer, Projektentwickler und Bauherren können mit Smart-Living-Services und Smart-Building-Lösungen über Jahrzehnte gute Geschäfte machen, wenn sie ihre Bauprojekte entsprechend vorbereiten. Heute geht es zum Beispiel  darum, vorhandene Komponenten zu nutzen, die seit vielen Jahren erprobt sind.

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3. Wir verbessern unsere Plattform, um Gebäudedaten für Organisationen wie etwa dem DRK zugänglich zu machen, was einem digitalen Hausnotruf für Wohnimmobilien entspricht. Dadurch können Bewohner im Notfall automatisch Hilfe erhalten, selbst wenn sie nicht in der Lage sind, aktiv einen Hilferuf abzusetzen. Ein Schlüsselelement ist die Anomalie-Erkennung, die auf ungewöhnliche Verhaltensmuster hinweist – KI spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

FRAGEN AN DIE EXPERTEN:

  • Mit intelligenter Gebäudeautomatisierung und Smart Buildings lassen sich echte Mehrwerte schaffen. Warum ist es so wichtig, Gebäude mit diesen Technologien auszustatten?

  • Mit welchen Herausforderungen müssen sich Anwender und Planer dieser intelligenten Systeme beschäftigen? (Stichworte wie GEG, ESG-Kriterien, Stranded Assets)

  • Was haben Sie an Weiterentwicklungen geplant und welche Trends zeichnen sich in dieser Branche ab?

GebäudeautomatisierungKonstantin Elstermann
Vice President Home & Distribution, Schneider Electric

Bildquelle: Schneider Electric

1. Rund 26 Prozent des globalen Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude, was die Wichtigkeit intelligenter Gebäudeautomatisierung unterstreicht. Durch sie werden Energieverbräuche im ersten Schritt sichtbar gemacht. Basierend auf diesen Daten kann dann eine optimierte Steuerung verschiedener Elemente zu signifikanten Energie- und Ressourceneinsparungen führen. Zudem erhöht sie Komfort und Sicherheit und trägt zur Zukunftssicherheit einer Immobilie bei.

2. Seit der Diskussion um GEG und KWP sowie den EU-Vorgaben vom Dezember 2023 gibt es zwar keinen Sanierungszwang mehr. Langfristig führt jedoch kein Weg an erneuerbaren Energien und einer höheren Energieeffizienz in Gebäuden vorbei. Intelligente Systeme weisen meist eine hohe Komplexität auf, daher ist eine möglichst einfache Installation auch mit Blick auf den Fachkräftemangel enorm wichtig. Für Endnutzer müssen die Lösungen aktiv die Verbräuche senken, leicht zu bedienen sein und das bestenfalls aus nur einer Anwendung heraus. Hierbei hilft ein hoher Grad an Interoperabilität sowie offene Standards.

3. Der Fokus liegt weiterhin auf Produkten und Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz. Unser neues Home-Energy-Management-System „HEMSlogic“ ist ein gutes Beispiel. Es ist interoperabel und verknüpft die Photovoltaikanlage mit steuerbaren Stromverbrauchern (etwa Wallbox oder Wärmepumpe) eines Einfamilienhauses. Automatisierte Algorithmen maximieren dann den Eigenverbrauch, was speziell für Kunden interessant ist, deren Einspeisevergütung ausläuft. Zudem ist das System an die Steuerbox des Netzbetreibers anbindbar und somit §14a EnWG-konform.

Smart Home: Eine umfassende Gebäudeautomatisierung

GebäudeautomatisierungCarsten R. H. Müller
Geschäftsführer GST MÜLLER GmbH & Co KG

Bildquelle: GST MÜLLER GmbH & Co KG

1. Intelligente Gebäudeautomation und Smart-Technologien sind wichtig, weil sie den Energieverbrauch und die Kosten über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude senken, den Komfort und die Sicherheit der Nutzer erhöhen, und die Umwelt schützen.

2. Anwender und Planer von intelligenten Systemen stehen vor verschiedenen Herausforderungen, wie das Einhalten gesetzlicher Vorgaben und Umweltkriterien, der Nutzbarkeit in der Zukunft, die Bewältigung technischer Komplexität und Interoperabilität der eingesetzten Systeme sowie die Sicherstellung von Datenschutz und Informationssicherheit.

3. Die Branche der Gebäudeautomatisierung und Smart Homes ist innovativ und nutzt Fortschritte in der künstlichen Intelligenz, der erweiterten Sensorik, dem IoT, den erneuerbaren Energien, der Energiespeicherung, der personalisierten Nutzererfahrung und der Gesundheitsförderung, um intelligente, effiziente und benutzerfreundliche Lösungen zu bieten. Für uns als Planer und Systemintegrator ist es wichtig, auf diese zukünftigen Möglichkeiten gut vorbereitet zu sein, um unseren Kunden den bestmöglichen Service bieten zu können.

GebäudeautomatisierungThomas Kirmayr
Geschäftsführer Fraunhofer-Allianz Bau und Leiter Mittelstand Digital Zentrum Bau 
 

Bildquelle: Fraunhofer-Allianz Bau

1. Intelligente Sensorik und Steuerungssysteme sind schnell nutzbare und einfache Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz und Nutzerzufriedenheit. Die Komplexität installierter Gebäudetechnik zur Nachhaltigkeit steigt in gleichem Maße wie die Anforderungen an die Flächennutzung, etwa durch Flex-Desking, temporäre Abwesenheiten, usw. Um das im Sinne der Nachhaltigkeit, Kosten, Arbeits- und Nutzungsqualität optimal zu steuern sind entsprechende Informationen unabdingbar.

2. Die größte Herausforderung der Digitalisierung im Kontext smarter und intelligenter Gebäude sind sicherlich einmal die sich stetig ändernden Anforderungen, wie aktuell die Umweltfaktoren zur Umweltberichterstattung oder die EU-Taxonomie-Konformität. Andererseits müssen für wirkungsvolle Lösungen vollständige digitale Prozessketten funktionieren. Hierfür sind Gewerke- und Systemgrenzen zu überwinden und einheitliche digitale Sprachen (so genannte Ontologien) zu vereinbaren. Eine Information ohne dessen Verarbeitung, Aufbereitung und Nutzung ist gleichermaßen wertlos, so wie eine, die das weiterverarbeitende IT-System nicht versteht.

3. Im Moment muss vor allem der Gebäudebestand energetisch verbessert werden. Deshalb entwickeln wir Lösungen, die mit geringen Fachkenntnissen auf viele Bestandssysteme schnell und einfach anwendbar sind. Hier spielen vor allem selbstlernende und KI-basierte Lösungen für Gebäudeautomatisierung eine immer größere Rolle. Aber auch moderne und intelligente Nutzerschnittstellen sind von großer Bedeutung, damit der Mensch immer noch im Mittelpunkt steht und ein smartes Gebäude nicht den Eindruck einer unbeeinflussbaren Maschine vermittelt.

Gebäudeautomatisierung für mehr Nachhaltigkeit

GebäudeautomatisierungRolf Schulte
Global Vertical Market Manager Building Technologies, EPLAN

Bildquelle: EPLAN

1. Die großen Herausforderungen wie die Reduktion von CO2-Emissionen und die damit im engen Zusammenhang stehende Optimierung der Energieverbräuche lassen sich nur durch eine gute, über die Gewerke hinweg abgestimmte Gebäudeautomation realisieren. Diese ist so zusagen das Gehirn eines Gebäudes. Die so generierten Daten auf Basis dieser Gebäudeautomation liefern erst die Basis für Analysen, Optimierungen und entsprechende Maßnahmen.

2. Die Anwendungsfälle, Normierungen, und Technologien im Rahmen der Gebäudeautomation werden immer komplexer. Hinzu kommen zahlreiche Gesetzgebungen im Zusammenhang mit dem Gebäudebetrieb, die einen Einfluss auf die Ausführung der Gebäudeautomation haben. So hat die Bundesregierung einige Maßnahmen in das Gebäudeenergiegesetz aufgenommen, die bereits 2018 von allen Mitgliedern der EU gesetzlich verankert wurden. Aber vor allem die sehr komplexen und vielfältigen Standardisierungen und Normierungen, wie von VDI oder AMEV erarbeitet, machen dem Planer das Leben nicht leichter.

3. Die Lösungen von EPLAN zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass Anwender ihre Prozesse sehr effizient realisieren. Die Basis dafür ist Standardisierung. Im Bereich der Gebäudeautomation unterstützen wir alle Projektbeteiligen durch diese Standardisierung und ein hohes Maß an Datendurchgängigkeit. Vorgedachte Praxisbeispiele – zugeschnitten auf die Gebäudeautomation – erleichtern die Implementierung und normgerechte Planung.

FRAGEN AN DIE EXPERTEN:

  • Mit intelligenter Gebäudeautomatisierung und Smart Buildings lassen sich echte Mehrwerte schaffen. Warum ist es so wichtig, Gebäude mit diesen Technologien auszustatten?

  • Mit welchen Herausforderungen müssen sich Anwender und Planer dieser intelligenten Systeme beschäftigen? (Stichworte wie GEG, ESG-Kriterien, Stranded Assets)

  • Was haben Sie an Weiterentwicklungen geplant und welche Trends zeichnen sich in dieser Branche ab?

Sebastian Palmer
Director VMM Building Technology, Phoenix Contact

Bildquelle: Phoenix Contact

1. Nur die bedarfsgerechte und intelligente Steuerung und Regelung ermöglicht es, den Energieeinsatz für den Gebäudebetrieb zu managen. Der Mehrwert liegt in der signifikanten Optimierung der Betriebskosten bei hohem Nutzerkomfort. Diese Verbesserung lässt sich lediglich erreichen, wenn alle Komponenten, Anlagen und Gewerke in einem Gebäude im Building-IoT-Netzwerk Informationen austauschen und zur Regelung des notwendigen optimalen Betriebspunkts verwendet werden.

2. Stranded Assets lassen sich nur durch intelligente und smarte Gebäudemanagementsysteme vermeiden. „Lage, Lage, Lage“ wird ersetzt durch „Lage, Smartness, Zukunftsfähigkeit“. Smart Readiness und Zukunftsfähigkeit werden durch die Erfüllungsgrade der ESG-Kriterien und in Deutschland durch das GEG für Investoren bewertbar. Die wesentliche Herausforderung für Investoren wird darin liegen, den Bestand in die Zukunft zu führen und die Anforderungen bereits in der Projektentwicklung zu formulieren. Auf der Planungsseite wird es erforderlich sein, Upgrade- und Update- sowie zukunftsfähige Lösungen mit den heutigen Systemen und Technologien ganzheitlich zu planen und die Integration der Gewerke sicherzustellen.

3. Einerseits forciert Phoenix Contact die praxisgerechte Entwicklung von Lösungen, die mit standardisierten Gebäudemodellen – dem digitalen Gebäudezwilling – Informationen über den gesamten Lebenszyklus enthalten und insbesondere in der Betriebsphase des Gebäudes eine Optimierung ermöglichen. Andererseits sehen wir einen hohen Bedarf an Beratung während der Planungs- und Errichtungsphase, um die zu erreichenden Kriterien zu erfüllen. Smart-Building-Design-Prinzipien können in der Projektierungs-, Planungs- und Errichtungsphase eine integrative Lösung sicherstellen.

Strenge Rahmenbedingungen bei Immobilien

Patrick Lützel
Leiter Systemengineering Gebäudeautomation, TÜV SÜD Industrie Service

Bildquelle: TÜV SÜD Industrie Service

1. Die Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit von Immobilien und die regulatorischen Rahmenbedingungen werden immer strenger. Das erhöht die Anforderungen an einen effizienten Gebäudebetrieb. Eine richtig umgesetzte Gebäudeautomatisierung (GA) bringt die entscheidenden Einsparungen. Vernetzte und intelligente Systeme steigern zudem den Nutzerkomfort und den Wert einer Immobilie, die sich dann besser vermarkten lässt.

2. In der Praxis führt eine falsch geplante oder ineffiziente GA immer wieder zu hohen Betriebskosten sowie unnötigen Emissionen. Viele Systeme erreichen nicht die vereinbarte Leistung, teils aufgrund nicht gleich ersichtlicher Fehlfunktionen. Die können sich aber auf weite Teile des Gebäudes auswirken. Bauherren sind bei Neubauten oder Sanierungen in der Verantwortung, den gesamten Planungs- und Integrationsprozess zu überwachen und sich eng mit den Planern sowie den GA- und den IT-/ OT-Integratoren abzustimmen. Ein planungs- und baubegleitendes Qualitätscontrolling ist unverzichtbar, damit keine Schnittstellenprobleme entstehen.

3. EU-Vorgaben und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) fordern die Integration von Energiemanagement und GA. Aufgrund der zunehmenden Vernetzung und europäischer Vorgaben sind die GA-Systeme künftig immer besser vor unerlaubten Zugriffen zu schützen. Unabhängige Prüfungen geben Bauherren hier Sicherheit. Zudem legt unser technisches Monitoring die Grundlage, um den TGA-Datenschatz zu analysieren und so erhebliche Effizienzgewinne zu erschließen. Dafür haben wir die TÜV SÜD data box entwickelt, die Informationen aus Sensoren, Aktoren und Betriebszuständen erfasst. Das fertig konfigurierte Plug-&-Play-System macht über einen Soll-Ist-Abgleich Optimierungspotenziale sichtbar.

GebäudeautomatisierungDr. Axel Zein
Geschäftsführer WSCAD GmbH

Bildquelle: WSCAD GmbH

1. Die Planung und der Betrieb von Gebäuden nehmen an Komplexität zu. Da ist es gut, wenn wir mit innovativen technischen Lösungen für mehr Sicherheit und Komfort sorgen können. Gleichzeitig zahlt ein Effizienzplus auf das wichtige Sektorziel CO2-Reduktion ein.

2. Ohne eine durchgängige Planungssoftware sind smarte Immobilien schlicht nicht zu handhaben. Dazu müssen Planer und Betreiber müssen eine Vielzahl an Nachweisen erbringen. In der Planung sind Simulationen auf Basis verlässlicher Daten gefragt, in der Betriebsphase eine engmaschige Überwachung. Eine zuverlässige und aktuelle Dokumentation hilft zudem, die in Immobilien verbaute Technik professionell zu beurteilen. Modernisierungsmaßnahmen sollen schließlich nicht unerwartet in die Nähe des Immobilienwerts rücken und potenzielle Investoren vergraulen.

3. Wir bieten mit unserer E-CAD-Lösung eine durchgehende Planung für die gesamte Gebäudeautomatisierung und Elektrokonstruktion. MSR-Unternehmen können mühelos mit den erzeugten Daten aus der GA-Planung weiterarbeiten; die Werte der erfassten Datenpunkte stehen für die Programmierung der Steuerungen zur Verfügung. Wer Schaltschränke baut, kann diese medienbruchfrei auf NC-Maschinen namhafter Hersteller fertigen, ohne die Daten ein weiteres Mal zu erfassen. Zudem implementieren wir Definitionen im Rahmen von BIM Schritt für Schritt in unsere Lösung: Dann erkennen Planer, wo Kabeltrassen bereits geplante Heizungsrohre kreuzen oder wo Schaltschränke im Gebäude stehen und was die in ihnen verbauten Komponenten steuern und regeln.

Gebäudeautomatisierung muss sicher sein

GebäudeautomatisierungAxel Schlarb
Leiter Portfolio Automation bei Siemens Smart Infrastructure, Deutschland

Bildquelle: Siemens Smart Infrastructure

1. Steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Flexibilität, ein besseres Nutzer­erlebnis am Arbeitsplatz und wachsende Cyber­bedrohungen: Die Anforderungen an moderne Gebäude werden immer anspruchsvoller und vielfältiger. Die Gebäude­automation vernetzt Heizung, Klima, Lüftung, Licht, Beschattung und andere technische Gewerke und ist die Voraussetzung für eine effiziente Betriebsführung. Mit Effizienzklasse A ist sie ein schneller und wirtschaftlicher Hebel, um den Energieverbrauch speziell in bestehenden Nichtwohngebäuden spürbar zu reduzieren. Mit einer Lebensdauer von 20 Jahren ist es jetzt die richtige Investition in die Zukunft, die sich langfristig auszahlt.

2. Noch immer verursachen Gebäude zu hohe Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen. Neue gesetzliche Vorgaben, etwa aus dem Gebäudeenergiegesetz, dem Energieeffizienzgesetz oder der Corporate Sustainability Reporting Directive, zwingen zum Handeln. Im Fokus stehen energetische Maßnahmen in Bestandgebäuden und ein ressourcenschonender Betrieb, um den Immobilienwert zu erhalten und nicht als Stranded Asset zu enden. In kritischen Infrastrukturen spielt die Cybersicherheit der gesamten Versorgungstechnik zudem eine stark wachsende Rolle.

3. Unter dem Stichwort Digitalisierung vollzieht sich gerade ein starker Wandel. Planungsprozesse werden zunehmend digitalisiert und BIM-Modelle mit Live-Daten der Anlagen in den Betrieb übergeben – bei Siemens nennen wir das Building X Lifecycle Twin. 
Gebäudedaten werden laufend analysiert, Schwachstellen automatisch erkannt und der Gebäudebetrieb mit ­KI-Modellen optimiert.

Georg Schemmann
Branchenmanager Gebäudeautomation bei Beckhoff Automation

Bildquelle: Beckhoff Automation

1. Obwohl 41 Prozent der Energie in den Gebäuden verbraucht wird, werden viele Gebäude einfach im „Blindflug“ betrieben. Deshalb liegt hier ein großes Potenzial, um mit Gebäudeautomation und Smart Buildings viel Energie einzusparen. Mit der intelligenten Gebäudeautomatisierung von Beckhoff lassen sich beispielweise Anomalien erkennen – die Steuerung kann dazu Vorschläge für eine Optimierung generieren und somit erheblich zur Energieeinsparung beitragen.

2. Die Politik hat einen Leitfaden geschaffen, um Klimaschutz voranzutreiben. Aus meiner Sicht hätte das schon eher passieren müssen. Zudem ist auch noch einiges an Bürokratie abzubauen, damit wir schneller ans Ziel kommen. Hier ist vor allem darauf zu achten, dass keine Insellösungen entstehen. Die Systeme können nur intelligenter werden, wenn möglichst alles miteinander kommunizieren kann. Entscheidend ist dabei, leistungsfähige Systeme zu verbauen. Die Planungsbüros und Anwender müssen sich zunehmend auch mit Systemen ausein-andersetzen, die immer intelligenter und kommunikativer werden. Dabei reicht die Vernetzung bis in die IT-Welt mit all ihren Anforderungen und Möglichkeiten.

3. Das Energiemanagement wird zukünftig eine der wichtigsten Herausforderungen sein. Dazu müssen die Bestandsgebäude mit entsprechenden Technologien ausgestattet werden, um überhaupt die Verbräuche erfassen und analysieren zu können. Auf diesen Informationen aufbauend helfen dann auch die modernen Werkzeuge der KI dabei, anschließend eine Optimierung durchzuführen. Die Beckhoff Automatisierungstechnik integriert hier bereits heute schon unterschiedlichste KI-Funktionalitäten.

Jürgen Keller
Produktmanager Connectivity – Integrated Solutions, GEZE

Bildquelle: GEZE

1. Gebäude sind ein wichtiger Bestandteil unseres modernen Lebensraums, die in hohem Maß an unserem globalen Energieverbrauch beteiligt sind, und unsere Anforderungen an sie entwickeln sich stetig weiter. Umso wichtiger ist es, sie nachhaltig zu planen, zu bauen und vor allem zu betreiben. Dabei helfen uns die Technologien eines modernen Gebäudemanagements. Die Mehrwerte ergeben sich aus den Synergien und der Interoperabilität aller Gebäudeanlagen, wenn diese intelligent vernetzt sind, automatisch Abläufe einleiten können und durch eine zentrale Überwachung stets ein gesicherter Status zu allen Systemen abrufbar ist.

2. Daten, Daten, Daten – sie sind die Basis für ein interoperables Zusammenspiel aller Anlagen und Gewerke in einem Gebäude. Das muss man über den gesamten Gebäudeobjektlebenszyklus berücksichtigen. Bereits in einer frühen Planungsphase sind alle Systeme dahingehend zu strukturieren, um einen zuverlässigen Gebäudebetrieb über die vielen Jahre der Nutzung sicherzuzustellen.

Offene Kommunikationsstandards wie etwa BACnet helfen dabei, allen Beteiligten die notwendigen Daten transparent und klar strukturiert zur Verfügung zu stellen. Die gesetzlichen Vorgaben geben hier einen Rahmen, wie die Technologien und vor allem deren Anwendung einzusetzen sind. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist in unserer heutigen Zeit auch das Thema Sicherheit – Stichwort KRITIS. Gerade im Gebäudebereich ist ein sicherer und bekannter Zustand der Außenhaut immens wichtig.

3. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden bieten wir unsere Connectivity-Plattform myGEZE Control an, die eine durchgängige und einfache Integration aller Systeme aus dem Bereich Tür-, Fenster- und Sicherheitstechnik in praktisch alle Abläufe eines modernen Gebäudemanagement ermöglicht. Damit gestalten wir den Trend eines ganzheitlichen und nachhaltigen Gebäudebetriebs für unsere Branche aktiv mit.