Unter Kostenmanagern gilt der Fuhrpark als einer der Unternehmensbereiche mit dem größten Einsparpotenzial – noch vor der Instandhaltung und der Gebäudeunterhaltung. Häufig machen verkrustete Strukturen einen Flottenbetrieb unnötig teuer. Eine kaufmännische und operative Steuerung in einer Hand würde das Problem lösen.
(Bild: PantherMedia/garagestock)
In der Materialwirtschaft sind die Konsolidierung des Lieferentenstamms und die Mengenbündelung längst eine Selbstverständlichkeit. Die Einkaufsabteilungen erzielen erhebliche Rabatte; CFOs und Fachabteilungen schätzen den dadurch gewonnenen finanziellen Spielraum. Anders ist es im Fuhrpark, besser – im Plural – den Fuhrparks. Hier werden die verschiedenen Fahrzeugarten und mobilen Maschinen von zwei oder drei Stellen oder Standorten unabhängig voneinander verwaltet. Betriebswirtschaftlich ist das eine Todsünde. Es entsteht nicht nur ein unnötig hoher, weil mehrfacher, Verwaltungsaufwand. Noch schlimmer ist, dass die Total Cost of Ownership (TCO) unsichtbar bleiben.
Das sind sämtliche Kosten – von der Beschaffung der Fahrzeuge über deren Einsatz bis hin zur Wiedervermarktung. Nur wer diese Zahlen kennt, kann die Wirtschaftlichkeit bemessen, Benchmarkvergleiche anstellen und Optimierungen einleiten. Wenn es um Fahrzeugflotten geht, sparen die wenigsten Unternehmen. Laut einer Studie von Dataforce, der führenden Marktforschungsgesellschaft im Bereich gewerblicher Mobilität, führen gerade einmal 60 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen für mehr als 50 Pkw ein TCO-Monitoring durch.[1] „Somit läuft bei dem Fahrzeugbestand ein signifikanter Kostenblock unter dem Radar“, heißt es.
Auf einen Blick: Best Practices bei strabag [4]
Der STRABAG Konzern verfügt mit dem Zentralbereich STRABAG BMTI (STRABAG Baumaschinentechnik International) über ein zentrales Gerätemanagement, das konzernweit die Investition und Beschaffung, den wirtschaftlichen Geräteeinsatz, Service, die Wartung und Reparatur sowie die Verwertung der Baumaschinen sowie der maschinellen Anlagen und Fahrzeuge steuert. Die zentrale Organisation bietet den Vorteil, Prozesse zu standardisieren und so wirtschaftlich effizient gestalten zu können. STRABAG stellt alljährlich umfangreiche Investitionsmittel für die maschinentechnische Ausstattung der operativen Einheiten zur Verfügung. Um die hierfür notwendigen Prozesse zu steuern, ist übergeordnet das Zentrale Investitions- und Beschaffungsmanagement (ZIB) sowie in den einzelnen Konzernländern jeweils ein Investitions- und Beschaffungsmanagement eingerichtet. Die länder- und organisationsübergreifende Nutzung von eigens entwickelten Programmen für die Hauptprozesse Investition, Rental und Service ermöglicht zudem die Schaffung einer einheitlichen Datenbasis. Diese legt den Grundstein für datengetriebene Entscheidungen, die in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung von immer größerer Bedeutung werden. Die zentrale Gerätemanagementorganisation ermöglicht zudem einen kontinuierlichen Fortschritt, indem sie die von den Mitarbeiter:innen entwickelten Innovationen aufgreifen, fördern und einheitlich an vielen dezentralen Standorten zu einem Standard wachsen lassen kann.
Jacob Volkmann, Kaufmännischer Direktionsleiter der STRABAG BMTI
Effektiver organisieren
Um alle mobilitätsbezogenen Aufwendungen lückenlos erfassen und analysieren zu können, sind herkömmliche Excel-Tabellen wenig geeignet. Eine leistungsfähige digitale Software-Lösung schafft das in Sekundenschnelle. Sie dokumentiert Kostenentwicklungen, die Zuverlässigkeit von Werkstätten, die Langlebigkeit von Reifen oder Bündelungsmöglichkeiten auf Lieferanten. „Die besten Reporting-Tools und Softwarelösungen sind jedoch wertlos, wenn diese nicht mit den tausenden validen Datenpunkten aus Rechnungsprüfungen und Schnittstellen mit allen Akteuren, die den Lebenszyklus beeinflussen, gespeist werden. Deshalb sind Insellösungen von IT-Dienstleistern den integrierten Angeboten von Flottenmanagement-Unternehmen deutlich unterlegen“, so Experte Majk Strika vom Fuhrparkmanagement- und Leasing-Anbieter Holman.
Majk Strika, Geschäftsführer von Holman Deutschland.
(Bild: Holman Deutschland)
Aber es lohnt sich, wie das nachfolgende Rechenbeispiel verdeutlicht: Nettoumsatz gleichbleibend 100 Mio. EUR, Betriebsergebnis 5 %, Fuhrparkkosten 3 %: Eine Reduzierung der Fuhrparkkosten von 10 % verbessert das Ergebnis um 300'000 EUR oder 6 %. Zum Vergleich: Im deutschen Bauhauptgewerbe stiegen bzw. sanken die durchschnittlichen Jahresrenditen beispielsweise zwischen 2019 und 2020 um plus 17,4 % (2019 auf 2022) bzw. um minus 10,8 % (2021 auf 2022) [2]. Was hindert viele Unternehmen daran, ihre Ertragssituation durch Senkung der Mobilitätskosten deutlich zu verbessern?
Best Practices: Goldbeck
Das Fuhrparkmanagement bei GOLDBECK liegt in Verantwortung der Unternehmenszentrale. Alle Unternehmensfahrzeuge sind zentral auf die GOLDBECK GmbH zugelassen. Das verringert dezentralen Verwaltungs- und Behördenaufwand. Außerdem eröffnet uns diese Handhabung bessere Steuerungsmöglichkeiten für die interne Weitergabe gebrauchter Fahrzeuge. Bei GOLDBECK bündeln wir zudem Standardbestellungen, um möglichst kostengünstig und zuverlässig unseren Bedarf an Firmenfahrzeugen zu decken.
Fabian Melcher, Teamleiter Corporate Mobility bei GOLDBECK
Selbst „innovative“ Manager scheuen nichts so sehr wie mögliche Veränderungen. Die Sparten des Fuhrparks – Pkw, Nutz-, Spezialfahrzeuge – haben über Jahrzehnte ihre Eigenständigkeit entwickelt und in vielen Unternehmen regelrechte „Bastionen“ errichtet, vor denen Einkäufer und Finanzverantwortliche kapitulieren. Und nicht selten auch die Unternehmensleitungen, denn Umstrukturierungsprozesse sind unausweichlich mit Konflikten verbunden. Es ist allerdings besser, solche Phasen durchzustehen, als einen erkennbar ineffektiven und kostentreibenden Status quo zu konservieren. „Optimierungsprojekte stoßen bei den Mitarbeitern erfahrungsgemäß auf breite Akzeptanz, wenn sie mit spürbaren Arbeitserleichterungen verbunden sind", so Strika.
Die Sparten des Fuhrparks – Pkw, Nutz-, Spezialfahrzeuge – haben über Jahrzehnte ihre Eigenständigkeit entwickelt und in vielen Unternehmen regelrechte „Bastionen“ errichtet, vor denen Einkäufer und Finanzverantwortliche kapitulieren.
(Bild: Panthermedia/artisticco)
Entscheidend sei, dass die Akteure integrativ zusammenwirkten. Bewährt hätten sich Modelle von crossfunktionaler Zusammenarbeit. Es werden die Rollen der Akteure als Wertschöpfungspartner – statt als Gegner – definiert und operationalisiert. Erfahrungsgemäß gelinge ein solcher Integrationsprozess mit Unterstützung des, häufig bereits vorhandenen, externen Fuhrparkmanagers schnell und reibungslos.
Best Practices: PORR Equipment Services GmbH
Seit gut 1,5 Jahrzehnten lebt die PORR ein länderübergreifendes, zentrales Fuhrpark- und Baumaschinenmanagement. Um Effizienzen und Synergieeffekte zu heben, basiert das Fuhrpark- und Baumaschinenmanagement auf einer zentralen Planung, Beschaffung, Verwertung und Controlling. Im Fuhrparkbereich bedeutet das, dass den Mitarbeitern im Unternehmen klar definierte und länderübergreifend ausstattungsharmonisierte Fahrzeuge in allen Hierarchieebenen zur Verfügung stehen. Der Betrieb der Fahrzeuge und Baumaschinen vor Ort wird dezentral von operativem Personal sichergestellt, um den Anforderungen der vielfältigen Projekte in den unterschiedlichsten Ländern gerecht zu werden. Aufgrund der straffen Strukturen und der daraus resultierenden kurzen Entscheidungswege ist das Management der Fahrzeug- und Baumaschinenflotte effektiv und kosteneffizient.
Prok. Ing. Gerhard Tripolt, Technischer Leiter Fuhrparkmanagement, PORR Equipment Services GmbH
Besser finanzieren
Bei einem vollkostenorientierten Flottenmanagement kommen die Full-Service-Leasingverträge zwangsläufig auf den Prüfstand. Die pauschale Rate für Finanzierung und Services ist komfortabel. Sie liegt aber oft deutlich über dem Marktniveau für vergleichbare Leistungen und erhöht sich am Ende durch die Abrechnung sogenannter Rückgabeschäden [3]. Gebühren für Nutzungsänderungen verteuern zudem die notwendige Flexibilität.
Experten raten zu einer Trennung von Finanzierung und Fahrzeugservices. Wie für Nutzfahrzeuge könnten darlehensähnliche Vollamortisationsverträge abgeschlossen und sämtliche weiteren Fahrzeugservices auf dem freien Markt zu deutlich besseren Konditionen eingekauft werden. Strika: „Die flexible Nutzung, die Transparenz und Steuerbarkeit der Kosten und schließlich die Wiedervermarktung des Fahrzeugs zu bestmöglichen Konditionen zugunsten des Nutzers macht ein solches Modell einem herkömmlichen Full-Service-Leasing deutlich überlegen.“
Effektiver organisieren und besser finanzieren – damit könne der Fuhrpark einen Großteil seiner Transformationskosten selbst erwirtschaften.
Stand: 16.12.2025
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