Wasser ist das Lebenselixier unserer Volkswirtschaften, Gesellschaften und Ökosysteme. Dennoch haben wir es jahrzehntelang unterbewertet und schlecht verwaltet. Heute steht mehr auf dem Spiel als je zuvor. Die Global Commission on the Economics of Water (GCEW) hat Alarm geschlagen: Wasserknappheit, Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt destabilisieren den Wasserkreislauf, der das Leben auf der Erde aufrechterhält. Gleichzeitig verstärkt die Europäische Union die Wasserresilienz als Eckpfeiler ihrer Nachhaltigkeitsagenda.
Die Technologie schreibt die Regeln für die Wasserwirtschaft neu. Von der Echtzeitüberwachung bis hin zu prädiktiven Analysen ermöglichen digitale Ansätze schnellere Entscheidungen und effizientere Abläufe.
(Bild: Seequent)
Die Frage ist nicht, ob wir handeln müssen, sondern wie schnell wir funktionierende Lösungen skalieren können. Und hier ist die gute Nachricht: Wasser ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance. Mit Milliarden von weltweit in wasserbezogene Projekte fließenden Dollar gibt es einen wachsenden Markt für innovative Lösungen – insbesondere im digitalen Bereich –, die verändern können, wie wir mit dieser wichtigen Ressource umgehen, und die Wasserresilienz steigern.
Eine massive Finanzierungslücke – und eine Chance, sie zu schließen
Beginnen wir mit den Zahlen. Um das 6. Ziel für nachhaltige Entwicklung (sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen für alle) zu erreichen, sind allein in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen jährlich zusätzliche Investitionen in Höhe von 500 Milliarden USD erforderlich. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Für die Stabilisierung des globalen Wasserkreislaufs – blaues Wasser (Flüsse und Seen) und grünes Wasser (Bodenfeuchtigkeit) – brauchen wir bei Weitem mehr. Die Weltbank schätzt, dass bis zu 80 % der Kosten für die Anpassung an den Klimawandel mit Wasser zusammenhängen.
In Europa wurden im Rahmen der EU-Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) in 15 Mitgliedstaaten bereits 12,92 Milliarden Euro für wasserbezogene Projekte bereitgestellt. Spanien und Italien sind hier führend und investieren sehr stark in die Verringerung von Leckagen, die Verbesserung der Abwasserbehandlung und die Modernisierung der Infrastruktur. Bei diesen Bemühungen geht es nicht nur um die Einhaltung von Vorschriften, sondern vor allem um den Aufbau von Wasserresilienz in einer Welt, in der Risiken immer unvorhersehbarer werden.
Für Entscheidungsträger stellt diese erhebliche Finanzierungslücke einen Aufruf zum Handeln dar – und eine enorme Chance, die Führungsrolle zu übernehmen.
Digital kann Wellen schlagen
Die Technologie schreibt die Regeln für die Wasserwirtschaft neu. Von der Echtzeitüberwachung bis hin zu prädiktiven Analysen ermöglichen digitale Ansätze schnellere SMART-Entscheidungen und effizientere Abläufe in allen Branchen und Sektoren. In den folgenden drei Bereichen macht die Digitalisierung bereits Unterschiede aus – und die Investitionschancen günstig:
1. Digitale Wasserwirtschaft
Stellen Sie sich vor, Sie könnten das Wassernetz einer ganzen Stadt in Echtzeit überwachen und so Lecks erkennen, bevor sie auftreten, oder die Verteilung basierend auf Nachfragemustern optimieren. Das ist keine Science-Fiction: genau das geschieht derzeit bei Versorgungsunternehmen wie Evides, Aegea und Sabesp.
Warum das bedeutend ist: Im Durchschnitt gehen in der EU 23 % des Wassers durch undichte Leitungen, veraltete Aufbereitungsanlagen und unzureichende Reservoirs verloren. Bei der Behebung dieses Problems geht es nicht nur darum, Wasser zu sparen – sondern auch darum, Kosten einzusparen.
Wer investiert: Kapitalbeteiligungsgesellschaften und unternehmerische Akteure wie Bentley Systems stecken Millionen in Start-ups, die sich auf IoT-fähige Sensoren, KI-gesteuerte Analysen und SMART-Wasserplattformen spezialisiert haben.
EU-Spotlight: Die Europäische Kommission hat in ihrem Mandatsschreiben 2024-29 an EU-Kommissarin Jessika Roswall ein politisches Mandat zur Digitalisierung der Wasserwirtschaft und der Wasserversorger erteilt und finanziert weiterhin Forschungs- und Entwicklungsprogramme wie Horizon Europe, das Spitzenforschungsprojekte in diesem Sektor unterstützt.
2. Abwasserbehandlung und -wiederverwendung
In einer Welt, in der Süßwasser von Tag zu Tag knapper wird, ist Abwasser kein Abfall, sondern eine Ressource, die nur darauf wartet, angezapft zu werden.
Warum das bedeutend ist: Durch die Aufbereitung von Abwasser können etwa 8 % der weltweiten Süßwasserentnahme zurückgewonnen werden, was dem gesamten kommunalen Wasserverbrauch weltweit entspricht.
Wer investiert: Start-ups wie Gradiant haben über 392 Millionen US-Dollar für die Skalierung fortschrittlicher Aufbereitungstechnologien aufgebracht, die Nährstoffe und Energie aus dem Abwasser zurückgewinnen.
EU-Spotlight: Im Rahmen ihrer Agenda für die Kreislaufwirtschaft investiert die EU stark in Systeme für die Abwasserwiederverwendung, die nicht nur die Umweltverschmutzung verringern, sondern gleichzeitig auch einen wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.
3. Wassereffiziente Agrarwirtschaft
70 % der weltweiten Süßwasserentnahmen entfallen auf die Agrarwirtschaft – und ein Großteil davon wird aufgrund ineffizienter Bewässerungssysteme verschwendet.
Stand: 16.12.2025
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Warum es bedeutend ist: Durch die Skalierung einer präzisen Bewässerung können bis 2050 bis zu 25 % des für die Bewässerung genutzten Wassers eingespart und gleichzeitig die Ernteerträge gesteigert werden.
Wer investiert: Agri-Tech-Start-ups wie Kilimo nutzen SaaS-Plattformen für die Optimierung von Bewässerungsplänen und die Optimierung von Wassereinsparungen, die als Offset-Gutschriften monetarisiert werden können.
EU-Spotlight: Die EU unterstützt durch ihre Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) regenerative Anbaumethoden und schafft hiermit einen fruchtbaren Boden für Innovationen im Bereich der landwirtschaftlichen Effizienz.
Die Führungsrolle der EU im Bereich der Wasserresilienz
Europa hat sich als Vorreiter bei der Bewältigung globaler Probleme im Zusammenhang mit Wasser positioniert. Der Fokus der Europäischen Kommission auf Wasserresilienz unterstreicht ihre Verpflichtung, Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung in Einklang zu bringen. Durch Rahmenwerke wie die ARF und Kohäsionspolitik finanziert die EU nicht nur die Modernisierung der Infrastruktur, sondern prüft auch genauer, wie Innovationen gefördert werden können, um diese Systeme intelligenter und effizienter zu machen. Aber das derzeit vorhandene reicht bei Weitem nicht aus, wenn man die Dringlichkeit der Probleme und die Finanzierungslücke bedenkt. Daher sollten politische Entscheidungsträger und Wirtschaftsführer gleichermaßen zusammenarbeiten, weil sich so eine einzigartige Gelegenheit bietet, ein strategisches europäisches Problem zu lösen und gleichzeitig einen der am schnellsten wachsenden Märkte für Nachhaltigkeit zu erschließen.
Wer trägt diese Fortentwicklung?
Die Finanzierungslandschaft für Wasserlösungen ist vielfältig – und wächst weiter:
1. Privates Beteiligungskapital:
Unternehmen wie die Westly Group setzen stark auf junge Start-ups, die bahnbrechende Technologien entwickeln. Gemeinsame Beteiligungskapitalinitiativen visieren skalierbare Lösungen für Versorgungsunternehmen und Industrien an. Es wird erwartet, dass sich die Beteiligungskapitalinvestitionen im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 fast verdoppeln werden.
2. Entwicklungsfinanzierungsgesellschaften:
Viele Organisationen wie die Europäische Investitionsbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank stellen konzessionäre Kredite bereit, um das Risiko von Investitionen in Schwellenländern zu verringern. Entwicklungsfinanzierungsgesellschaften unterstützen zunehmend Just Water Partnerships, um privates Kapital für unterversorgte Regionen zu mobilisieren.
3. Öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP):
Regierungen arbeiten mit privaten Entitäten zusammen, um die Infrastruktur durch leistungsbasierte Verträge zu modernisieren. Beispiele hierfür sind Lecksuchsysteme, die von den Stadtwerken in Europa, Subsahara-Afrika und Südasien finanziert werden.
4. Multilaterale Initiativen:
Programme wie die systemweite Strategie der Vereinten Nationen für Wasser und Sanitärversorgung visieren die Beschleunigung des Fortschritts bei der Erreichung von SDG 6 durch eine großangelegte Förderung von Innovationen an.
Was bedeutet das für Sie?
Der Knotenpunkt von Technologie, Finanzierung und Politik bietet eine beispiellose Chance, die Art und Weise unseres Umgangs mit Wasser – einer von Ernährungssicherheit bis Klimaresilienz reichenden Ressource – zu verändern. Für Entscheidungsträger in Regierungen oder der Wirtschaft geht es nicht nur darum, Probleme zu lösen, sondern auch darum, Chancen zu ergreifen.
Durch die Investition in digital gesteuerte Lösungen – egal ob digitale Überwachungsplattformen für Versorgungsunternehmen, fortschrittliche Abwasseraufbereitungstechnologien für die Industrie oder Werkzeuge für eine präzisere Agrarwirtschaft – können Sie messbare Wirkungen erzielen und gleichzeitig einen langfristigen wirtschaftlichen Wert schaffen.
Wasserresilienz als Eckpfeiler einer nachhaltigen Entwicklung
Angesichts der massiven Finanzierungslücke und des strategischen Charakters dieser Herausforderungen ist es jetzt an der Zeit, mutig voranzugehen. Gemeinsam können wir Europa neu gestalten – und dafür sorgen, dass eine sichere Wasserversorgung weltweit zu einem Eckpfeiler der nachhaltigen Entwicklung wird.
Dr. Thomas Krom.
(Bild: Seequent)
Der Autor, Dr. Thomas Krom, ist Segment Director for the Environment bei Seequent. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung widmet er sich der Entwicklung praktischer Lösungen für die drängenden Umweltprobleme unserer Gesellschaft. Seine Arbeit konzentriert sich auf den Schutz natürlicher Ressourcen, die Verringerung der Umweltverschmutzung und die Bekämpfung des Klimawandels.