Migrationsmuseum Selma in Köln Der dritte Ort

Ein Gastbeitrag von Birgit Meyer 3 min Lesedauer

Eine ehemalige Industriehalle in Köln-Kalk, die selbst von Migrationsgeschichte geprägt ist, wird in den kommenden Jahren in das bundesweite Migrationsmuseum Selma umgewandelt. 

Visualisierung: Museum Selma, Außenansicht bei Nacht. (Bild:  Atelier Brückner)
Visualisierung: Museum Selma, Außenansicht bei Nacht.
(Bild: Atelier Brückner)

Atelier Brückner hat die europaweite Ausschreibung für die Architektur und Ausstellungsgestaltung des zukünftigen Migrationsmuseums Selma in Köln-Kalk gewonnen. Der Entwurf zeichnet sich durch konsequente Nachhaltigkeit und gezielte, minimalistische Eingriffe in den vorhandenen Gebäudebestand aus. Das international tätige Designstudio mit Sitz in Stuttgart wurde im Jahr 1997 von Shirin Frangoul-Brückner und Uwe R. Brückner gegründet und ist auf die Konzeption und Gestaltung von Ausstellungen, Museen und Messepräsentationen spezialisiert.

Mit einem interdisziplinären Team aus Architekten, Grafikdesignern, Ausstellungsgestaltern und Medienspezialisten realisiert man Projekte aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft. Dabei verbinden sich innovative Raumkonzepte, zeitgemäße Architektur und multisensorische Erlebnisse zu einzigartigen Markenerlebnissen.

Zentraler Ort für die Migration

Mit dem Museum Selma soll ein sehr besonderer Kulturort entstehen, der die Geschichte der deutschen Migrationsgesellschaft erzählt. Das Projekt ist eine Initiative von DOMiD, dem Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland, im Jahr 1990 von Migranten gegründet. Die Migration bekommt somit  einen zentralen Ort, an dem Deutschland als Migrationsgesellschaft erfahrbar wird. Das soll zur Transformation des industriell geprägten Stadtteils beitragen und als Beispiel für die nachhaltige Nutzung industrieller Bestandsbauten und das ressourcenschonende Bauen dienen.

DAs Museum entsteht in der rund 10.000 Quadratmeter großen Werkshalle 70 der früheren KHD-Werke in Köln-Kalk, erbaut in den Jahren 1913 bis 1916. „Das Industriegebäude ist ein bewusst und gut gewählter Ort für das Thema Migration“, sagt Michel Casertano, Partner im Atelier Brückner und leitender Architekt für den Wettbewerb. Schließlich seien industrielle Arbeit und Migration in Deutschland stark miteinander verknüpft, sagt er.

Die Historie des Orts ist auch der Ausgangsgedanke für den architektonischen Entwurf: Das Museum Selma wird Geschichten erzählen, aber auch das Gebäude hat eine lange Geschichte, die nach dem Umbau weiterhin erlebbar sein wird. Der Entwurf sieht einerseits modulare Holzeinbauten vor, arbeitet aber anderseits die Stärken der bestehenden Hallen heraus und nutzt deren Elemente: Der Hallenquerschnitt der Halle 70a wird als Erschließungsachse inszeniert, Kranbahnen, Türen und Türöffnungen, Schienen und Oberflächen bleiben erhalten und werden in die Gestaltung integriert. Die Sanierung soll den Standards der Leitlinien zum Klimaschutz in der Umsetzung nicht-städtischer Neubauvorhaben in Köln entsprechen. Die geplanten Materialien, wie Holz oder Polycarbonat, wurden nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip ausgewählt.

Ausstellungstraum mit Menschen
Lebendige Migrationsgeschichte: Vitrinen mit historischen Objekten und künstlerischen Installationen.
(Bild: Atelier Brückner)

Vielstimmigkeit ist Programm

Die DOMiD-Sammlung umfasst über 150.000 migrationsgeschichtliche Zeitzeugnisse von Objekten bis zu Fotos und Dokumenten. Die Ausstellungsgestaltung wird eine Auswahl dieser Sammlung in Szene setzen und die Migrationsgeschichte in Deutschland seit 1945 in den Blick nehmen. Partizipation und Interaktion werden elementare Grundprinzipien der Ausstellung sein. Neben den Ausstellungsflächen sind auch Büros, Workshopräume, Depots, Veranstaltungsräume, Werkstätten, ein Café, ein Kino und eine Bibliothek geplant.

Der Name Selma ist in vielen Sprachen und Kulturen dieser Welt zuhause und ist damit bereits jetzt ein Statement für die Vielstimmigkeit des geplanten Museums. Der Bau wird zu gleichen Teilen vom Bund und dem Land NRW finanziert, das Grundstück und das Gebäude stellt die Stadt Köln zur Verfügung. Die Eröffnung des Museums ist unter Vorbehalt externer Faktoren für 2029 geplant. Weitere Informationen gibt es hier

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