Digitale Zwillinge im Bauwesen Das virtuelle Abbild von Liegenschaften

Ein Gastbeitrag von Michael Bussmann 4 min Lesedauer

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Digitale Zwillinge schaffen die Datenbasis, um Gebäude entlang seines gesamten Lebenszyklus zu steuern. Um die gebaute Realität originalgetreu abzubilden, braucht es die richtigen Daten. Hier kommt Scanscape ins Spiel. Das Münchner Startup erfasst, digitalisiert und visualisiert ganze Liegenschaften mithilfe von 3D-Scans, BIM und Digital-Twin-Plattformen. 

Die erfassten Daten aus der Realität werden zu einem originalgetreuen virtuellen Abbild des Gebäudes.(Bild:  Scanscape)
Die erfassten Daten aus der Realität werden zu einem originalgetreuen virtuellen Abbild des Gebäudes.
(Bild: Scanscape)

In der Industrie sorgen digitale Zwillinge von Fertigungsanlagen für mehr Transparenz und Effizienz im Betrieb. Bei Immobilien fasst ein digitaler Zwilling alle relevanten Informationen zum Gebäude aus einer Vielzahl von Quellen zusammen: von Skizzen über Foto- und Videoaufnahmen bis hin zu BIM-Modellen und Echtzeit-Sensordaten aus dem Gebäudebetrieb. Bei Neubauten ist dies mittlerweile relativ einfach, da bereits bei der digitalen Planung eine Vielzahl an Daten anfällt. Deutlich schwieriger ist dieses Unterfangen bei älteren Bauwerken, bei denen die Daten meist analog vorliegen. Durch exakte Scans und die Digitalisierung bestehender Quellen werden aber auch diese historischen Daten nutzbar. 

Das Münchner Start-Up Scanscape digitalisiert eine Vielzahl an Gebäuden und Arealen. Seit ihrer frühen Jugend teilen die beiden Gründer, die Brüder Felix und Valentin Bussmann, eine Leidenschaft für virtuelle Welten und Gameification. Im Austausch mit ihrem Vater Michael Bussmann, CEO von BENO, wurde die Idee vertieft und in die Tat umgesetzt [1]. 

Erstes Testobjekt für digitale Zwillinge

Als erstes „Testobjekt“ für den Digital Twin diente der familieneigene Campingplatz in Hessen. Nachdem dieser ein digitales Abbild bekommen hatte, beschlossen die Brüder, sich weiter zu professionalisieren – und 2024 war Scanscape geboren.

Die Drohnenkartierung der Dachflächen bei BENO wurde auch für die Planung der Dach-PV-Anlage genutzt.(Bild:  Scanscape)
Die Drohnenkartierung der Dachflächen bei BENO wurde auch für die Planung der Dach-PV-Anlage genutzt.
(Bild: Scanscape)

Mit seiner Reality-Capturing-Technologie kann Scanscape auch große Räume innerhalb kurzer Zeit erfassen und digital wiedergeben. So benötigen die Experten für den 3D-Scan eines durchschnittlichen Gebäudes mit etwa 10'000 m² Fläche ungefähr eine bis zwei Stunden; 50'000 m² brauchen circa zwei Tage. Der fertige digitale Zwilling ist in fünf Tagen einsatzbereit und kann problemlos auf nahezu jedem Gerät genutzt werden – vom PC bis zum Smartphone.

Lückenlos digitalisieren

Getreu der Philosophie „Transformieren statt abreißen“ modernisiert BENO sukzessive seine Liegenschaften. Für dieses Vorhaben sind digitale Zwillinge ein wertvolles Asset. Das BENO-Portfolio umfasst ausschließlich Light-Industrial-Gebäude älteren Baujahrs. Entsprechend dünn ist oftmals die digitale Datenlage. Genau diese Lücke konnte Scanscape schließen. Im Rahmen des Digitalisierungsprojekts für BENO hat Scanscape 2024 insgesamt zwölf Gewerbeimmobilien in ganz Deutschland mit einer Gesamtfläche von ca. 400'000 m² vollständig erfasst: von außen wie von innen. 

Dabei setzte das Scanscape-Team verschiedene 3D-Laserscanner sowie Drohnenaufnahmen ein. Zur präzisen Einzelpunktmessung werden die Punktwolken mit einem RTK-Rover Georeferenziert. Außerdem wurden zahlreiche 360°-Panoramen in die 3D-Punktwolken integriert, um einen vollständigen visuellen Kontext zu schaffen. Bei jedem BENO-Objekt hat Scanscape auch die technischen Gebäudeausrüstungen (TGA) digital erfasst und mit relevanten Informationen versehen. Denn: Nur wenn das virtuelle Abbild laufend mit Echtzeitinformationen des realen Objekts gefüttert wird, bildet der digitale Zwilling wirklich die Realität des Gebäudebetriebs ab. So können durch Sensoren Live-Daten, wie offene Fenster, Zimmertemperatur oder Luftfeuchtigkeit im Raum, integriert werden.

Nachdem Punktwolken und Modelle zusammengefügt waren, wurden die digitalen Zwillinge aller 12 Gebäude in dTwin von Nemetschek integriert, eine Cloud-basierte SaaS-Plattform zur Visualisierung des Gebäudes. 

Digitale Zwillinge für alles

Die BENO Holding AG verfügt nun über digitale Zwillinge ihres gesamten Immobilienportfolios und kann virtuelle Begehungen, Property Management, Vermessungen und Planungen remote aus der Firmenzentrale in München durchführen, ohne aufwändige Reisen durch ganz Deutschland zu unternehmen. Dies ist ein enormer Effizienzgewinn und trägt auch zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei. Auch Objektbegehungen mit potenziellen Mietern können komplett digital im digitalen Zwilling durchgeführt werden. So beschleunigt und vereinfacht der virtuelle Ansatz den Entscheidungsprozess für beide Parteien und steigert die Attraktivität der Immobilien.

Die digitalen Zwillinge liefern eine gemeinsame, standortunabhängige Informationsbasis, um die Sanierung oder Modernisierung zu planen und zu begleiten. In der Umsetzungsphase werden alle neuen Informationen in die Plattform eingespeist, um den Baufortschritt nachverfolgen zu können. Nach der Bauphase profitieren die Gebäudebetreibenden von BENO von einem vollständigen und aktuellen Modell für den Betrieb, die Wartung oder Reparatur. Zudem können POIs (Points of Interest) integriert und markiert werden, beispielsweise, um einem Handwerker den Ort einer Störung anzuzeigen oder der Feuerwehr den Standort von Feuerlöschern zu markieren.

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Zahlreiche weitere Digitalisierungsprojekte

Die Drohnenkartierung der Dachflächen bei BENO konnte so beispielsweise auch für die Planung der Dach-PV-Anlage auf dem Objekt in der Dortmunder Planetenfeldstraße genutzt werden – ohne dass dafür jemand auf das Dach steigen musste. Scanscape hat nach den ersten Projekten bei BENO bereits zahlreiche weitere Digitalisierungsprojekte durchgeführt. Unter anderem wurde ein weltberühmtes Museum in München digitalisiert und sogar ein ganzer Recyclinghof mit einer Fläche von 100'000 m². |RA

Weitere Informationen: https://scanscape.de

[1] Das Unternehmen besitzt, verwaltet und vermietet deutschlandweit Light-Industrial-Immobilien. Dabei handelt es sich um Lager- und Logistikobjekte, die zusätzliche Flächen für Fertigung oder Büros enthalten. Ziel ist, bestehende Gebäude zu erhalten und entsprechend den Bedürfnissen ihrer Mieter zu transformieren.