Wenn sich Experten in Sachen Building Information Modeling (BIM) treffen, wird schon mal über scheinbar kryptische Begriffe diskutiert: „VDI 3805“, „ISO 16757“, „ETIM“. Dann geht es darum, welcher Standard bei BIM seine Berechtigung hat, wie sich VDI 3805 und ETIM voneinander unterscheiden und Doppelungen vermeiden lassen. Ein genauerer Blick auf die Vor- und Nachteile des jeweiligen Standards zeigt, was dieser in Zusammenhang mit BIM jeweils leistet.
(Quelle: Dmitry Kalinovsky, shutterstock.com)
BIM-Standard: Im Fokus jedes BIM-Prozesses steht das 3D-Gebäudemodell. Es wird von allen Gewerken gleichmäßig genutzt und fortlaufend mit den gewerkspezifischen Daten angereichert. Architekten und TGA-Fachplaner benötigen konkrete Produktdaten der Hersteller, um die technische Gebäudeausrüstung mit BIM zu planen, beispielsweise Daten für die Komponenten des Heizsystems, für Trink- und Abwasser. Diese Informationen lassen sich, ebenso wie das spätere 3D-Modell, in verschiedene Computerprogramme einlesen und den Nutzern für Berechnungen und Kostenermittlungen verfügbar machen. Dann schlägt die Stunde der VDI 3805. (Bild 1)
Grundlage: Daten nach VDI 3805
Experten haben die VDI-Richtlinie 3805 unter dem Titel „Produktdatenaustausch in der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA)“ vor etwa 20 Jahren definiert, um Produktdaten von Herstellern computerlesbar zu machen. Sie beschreibt ein maschinenlesbares Format, mit dem sich technische Hersteller-Produktkataloge per Computer verarbeiten lassen. Ein Produktdatensatz nach VDI 3805 enthält alle Daten für Konstruktion, Planung, Dimensionierung, Simulation und Betrieb der TGA eines Gebäudes:
3D-Geometriedaten in unterschiedlichen Details zur Verwendung der Produkte in CAD-Konstruktions-programmen
technische Daten für Berechnungen aller Art, zum Beispiel für Druckverlustberechnungen in Rohrnetzen, Akustikberechnungen in Lüftungskanälen und für Simulationen von PV-Anlagen
beschreibende Auswahldaten der Produkte wie Gerätetypen, Anschlusskonfigurationen, Dämmstandards usw.
Mediendaten, etwa Explosionszeichnungen, Montage-/Inbetriebnahme-Anleitungen/-videos, Wartungsvorschriften und Produktbilder
Baureihen- oder produktspezifisches Zubehör
(Bild 1: Um die TGA mit BIM zu planen, braucht es Produktdaten von Heizsystemkomponenten wie der Luft-Wasser-Wärmepumpe Logatherm WLW196i. Bild: Buderus)
Daten, die für die TGA relevant sind, werden in das 3D-Gebäudemodell integriert und stehen so während der gesamten Lebenszeit des Gebäudes zur Verfügung. Das ermöglicht auch Um- oder Erweiterungsplanungen während des Gebäudebetriebs. Der BIM-Prozess wird so optimal unterstützt oder überhaupt erst möglich.
Das Deutsche Institut für Normung (DIN) unterstützt deshalb das Verlangen nach Globalisierung. Erste Teile sind über die Normungsorganisationen CEN und ISO bereits als EN ISO 16757 erschienen.
Viele Vorteile durch BIM-Standard VDI 3805
Funktionen und Geometrien sind zwei Besonderheiten der VDI 3805. Zu den Funktionen, die der Nutzer eingeben kann, zählen Druckverlust-, Akustik- oder Leistungsberechnungen. Hier können Hersteller ihre eigenen Auslegungs- oder Berechnungsalgorithmen hinterlegen, die dann von den Anwendungsprogrammen an Stelle von Standardalgorithmen benutzt werden. Beispielsweise lassen sich Leistungsdiagramme von Produkten erstellen. Bild 2 zeigt ein Beispiel für die Kennlinien der Luft-Wasser-Wärmepumpe WLW196i-8 AR E. Damit berechnet ein Simulationsprogramm in beliebigen Zeitschritten für die aktuell nötige systembedingte Vorlauftemperatur und für die aktuelle klimaabhängige Außentemperatur die Parameter Stromaufnahme, Wärmeleistung und Wirkungsgrad der Wärmepumpe.
(Bild 2: Leistungsdiagramme und Geometrie der Luft-Wasser-Wärmepumpe Logatherm WLW196i-8 AR E aus VDI-3805-Funktionen. Bild: Hottgenroth)
Die daraus ermittelten stündlichen oder minütlichen Ergebnisse sind, über das Jahr aufsummiert, viel genauer als etwa eine Norm-Berechnung nach BIM-Standard VDI 4650, bei der mit wenigen Lastfällen und Jahreshäufigkeiten eine Leistungszahl errechnet wird. Zusätzlich sind über die Funktionen auch Artikelnummern generierbar. Für Massenerzeugnisse wie Heizkörper, bei denen aufgrund der hohen Zahl an Längen, Farben und Anschlusspositionen schnell eine sechsstellige Anzahl von Varianten in einer Baureihe zustandekommen, ist das eine praktische Möglichkeit, alle Versionen einer Baureihe abzubilden. Dieses Feature wird auch in der Lüftungstechnik bei Schalldämpfern oder bei Brandschutzklappen gern verwendet. (Bild 2)
Über die Standardfunktion Geometrie lassen sich wiederum parametrisierte Geometrien verwenden. Mit nur einer Geometriebeschreibung kann man so eine komplette Baureihe abbilden. Diese Beschreibung enthält viele unterschiedliche Informationen, die erforderlich sind, um eine TGA und die Rohrnetze für Heizung, Kühlung, Trinkwasser, Abwasser, Löschwasser und Lüftung mit CAD-Programmen zu konstruieren:
Produktraum, Bedienraum, Einbringraum, Montageraum (für Berechnungen zur Kollisionskontrolle)
vier Detailstufen der Produktdarstellung
Farb- und Materialinformationen
umfangreiche Anschlussinformationen (DN, Anschlussformen und -kennungen, Medientypen und -flussrichtungen usw.) (siehe Bild 3)
Hinzu kommen weitere Möglichkeiten der VDI 3805: beispielsweise können Nutzer Systeme oder Produktpakete bilden – über Querverweise zu VDI 3805-Datensätzen anderer Produkte oder auch zu Artikeln anderer Hersteller. Speicher (VDI 3805, Blatt 20) lassen sich so etwa Wärmeerzeugern (VDI 3805, Blatt 3) oder Wärmepumpen (VDI 3805, Blatt 22) zuordnen. Oder der Anwender verbindet die Einstellventile fest mit den Heizkörpern.
Stand: 16.12.2025
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(Bild 3: Heizkreis-Anschluss der Luft-Wasser-Wärmepumpe WLW196i im CAD-Programm RUKON. Bild: Hottgenroth & Tacos)
Schneller zu Artikeln mit ETIM
Das ETIM-Klassifikationsmodell entstammt ursprünglich der Standardisierung von Erzeugnissen der Elektrotechnik. Der ETIM Deutschland e. V. wurde 1999 von neun Elektro-Großhändlern und Einkaufsgemeinschaften gegründet. Elektrotechnische Erzeugnisse werden mit ETIM einheitlich und technisch beschrieben – Produkt- und Katalogdaten zwischen Industrie und Großhandel lassen sich so einfacher austauschen. Die Standardisierung ermöglicht es, lieferantenunabhängig technische Produkte anhand der Klasse oder technischer Merkmale wiederzufinden.
Der BIM-Standard ETIM teilt dabei jedes gehandelte Erzeugnis einer bestimmten Produktklasse zu. Innerhalb dieser werden den Produkten unterschiedliche objektivierbare Eigenschaften wie Material oder Leistungsaufnahme zugeordnet, die sie beschreiben. Diese Klassen sind zusätzlich in der Regel durch Synonyme beschrieben, die die Suche erleichtern. Außer den zur Klassifizierung nötigen Daten werden auch zusätzliche Informationen übertragen. Es ist davon auszugehen, dass es eine umfassende Beschreibung für fast alle elektrotechnischen Produkte gibt, weil der Elektrogroßhandel das ETIM-Klassifikationsmodell seit etwa Anfang 2000 aktiv nutzt.
Der Sektor SHK ist seit September 2017 ebenfalls enthalten, mit der Veröffentlichung der ETIM-Version 7.0 stehen rund 2.700 Produktklassen inklusive definierter Merkmale zur Verfügung. Der Einsatz des Standards in der SHK-Branche wird unterstützt von ARGE Neue Medien, dem Deutschen Großhandelsverband Haustechnik (DG Haustechnik) und der ZVSHK.
ETIM und VDI sind im BIM-Prozess unverzichtbar und ergänzen sich gut. Der BIM-Standard ETIM legt im SHK-Bereich den Fokus überwiegend auf die kaufmännische Seite, während die VDI 3805 den Schwerpunkt auf technische Produktdaten für Konstruktion, Planung, Auslegung und Simulation legt. Gerade bei Massenware wie Heizkörpern überzeugt die Richtlinienreihe VDI 3805: Sie kann komfortabel alle Varianten abbilden, weil diese erst zur Laufzeit des Anwendungsprogramms konfiguriert und mit Artikelnummern versehen werden. Und: Ein nicht komprimierter Heizkörperdatensatz mit rund viereinhalb Millionen Produkten ist kleiner als vier MByte. Dieses sehr kompakte Format ist ein weiterer Pluspunkt.