Im Juni 2019 öffnete nach vier Jahren Bauzeit das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Die Aufgabe, am Ufer der Donau, mitten in der Regensburger Altstadt zu bauen, reizte über 250 Architekturbüros. Aus einem europaweit ausgeschriebenen, öffentlichen und zweistufigen Architekturwettbewerb ging 2013 das Frankfurter Architekturbüro wörner traxler richter als Sieger hervor.
(Quelle: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh; Foto: Frank Blümler)
BIM-Methode in der Praxis: Seit 2006 zählt die Altstadt von Regensburg zum geschützten UNESCO-Weltkulturerbe. Mehr als 1.000 Einzeldenkmäler befinden sich in der Vierflüssestadt. Für jeden Architekten, der hier etwas anpackt, bedeutet das größte Behutsamkeit und Respekt im Umgang mit Bestand und historischem Erbe.
BIM-Methode von Architekten perfekt umgesetzt
So forderte die städtebauliche Situation am ehemaligen Hunnenplatz, auf dem das Museum heute steht, die Frankfurter Architekten auch besonders heraus. In den 1950er-Jahren plante man hier nämlich einen zentralen Verkehrsknotenpunkt. Dafür wichen damals über 40 Gebäude in unmittelbarer Nähe des heutigen Museums. Das Vorhaben wurde aber nie realisiert; stattdessen klaffte für mehr als ein halbes Jahrhundert dort eine Baulücke.
Wörner-traxler-richter-Architekten gaben diesem urbanen Ort durch ihren Entwurf seine Bedeutung zurück. Unter anderem mit der Aufnahme der Dachlinien aus den umgebenden Häusern, die sich auch im Neubau wiederfinden. Das Spiel der Dachlandschaften nimmt ebenfalls Bezug zur heterogenen und über die Jahrhunderte gewachsene Nachbarbebauung. Im Kanon mit der lebendigen Fassadenstruktur und Oberfläche aus Keramik liegt die Qualität des Museums: ein monolithischer Solitär, der prägnante stadträumliche und architektonische Bezüge zum historisch-kleinteiligen Bestand sucht und findet.
(Blick aufs Museum durch die historischen Gassen. Bild: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh; Foto: Frank Blümler)
Funktional und zeitgemäß
Die Architekten setzten sich intensiv mit dem historischen Befund vor Ort auseinander und lassen in ihrem Gebäude den verloren geglaubten Hunnenplatz wiedererstehen. Das Motiv des Platzes als öffentlicher Raum trägt ihren Entwurf. Trotz vieler Reminiszenzen an die Geschichte des Orts, entstand eine zeitgemäße und kraftvolle Architektur.
Projektleiter Torsten Hassenbach: „Das Museum hat eine stark funktionale Ausrichtung. Dennoch wollten wir stets ein skulpturales Gebäude bauen und nicht ein simples Haus mit ablesbaren Geschossen und kopierten Regensburger Motiven. Eine Skulptur war das Ziel, die sich eng in das Umfeld einfügt und sich damit verzahnt. Das war eine große Herausforderung.“ Stefan Traxler, einer der Geschäftsführer von wörner traxler richter und einer der Entwurfsverfasser, ergänzt: „Architektur soll Stellung beziehen. Sie soll ernsthaft sein. Architektur ist keine Satire, sondern gebaute Wirklichkeit. Wir Architekten sollten uns also ernsthaft mit ihr auseinandersetzen und einen Beitrag aus unserer Zeit liefern. Aber stets mit dem nötigen Respekt gegenüber dem, was wir vor Ort finden.“
Zwischen alt und neu
Die zeitgemäße Interpretation des historischen Stadtgrundrisses am Hunnenplatz setzt neue Wegbeziehungen im Quartier. Für die Architekten sind die zentrale, öffentliche Halle im Gebäude und die Gasse, die sich durch den Museumsbau zieht, wichtige Bindeglieder zwischen alt und neu. Dass man dabei sehr aufmerksam Gebäude und Standort verknüpft hat, spiegelt sich auch in den Fassaden wider. Sie entwickeln sich einerseits selbstbewusst und eigenständig, führen aber dennoch Traufen und Maßstäblichkeit der umgebenden Häuser fort. Vertikale, vorgehängte Keramikelemente liegen verbindend wie ein engmaschiges Netz über dem Baukörper und machen ihn als Gesamtstruktur erlebbar.
(Lichtdurchflutetes Foyer im Haus der Bayerischen Geschichte. Bild: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh; Foto: Ralph Thimm)
Ausstellungsarchitektur und Museumskonzept stammen von den Spezialisten HG Merz. Das Büro hat eine Vielzahl von Museen beplant, etwa das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart oder das Richard Wagner Museum, Bayreuth. Die Zusammenarbeit von wörner traxler richter und HG Merz verlief reibungslos. Auch wenn Architekturkonzept und Ausstellungskonzept anfangs keineswegs deckungsgleich waren.
Gute Zusammenarbeit
Für Projektleiter Torsten Hassenbach erwies es sich dennoch als fruchtbare Kooperation: „Es gibt Bereiche, wo wir direkt an den Bestand angeschlossen haben. Da ließen sich zum Beispiel wegen der geringen Raumhöhe bestimmte Exponate gar nicht an die Wände hängen. HG Merz hat den Ausstellungsverlauf dann mit uns umorganisiert und angepasst. Sowas ist ohne eine gute Zusammenarbeit gar nicht möglich.“
Die komplexe Planung und die minutiös durchorganisierte Umsetzung vor Ort bedeutete bei allen Partnern eine offene Kommunikation und perfekte Organisationsleistung. Eine bauteilorientierte Planung kann für Projekte wie das Haus der Bayerischen Geschichte die optimale Lösung sein. Auch wörner traxler richter setzten im Projekt auf eine konsequente Modellierung mit ihrer Planungssoftware Allplan und nutzten die technischen Möglichkeiten des Tools, um die eigenen Projektabläufe zu optimieren. Darüber hinaus erwies sich das Planungsmodell als äußerst hilfreich für die Dimensionierung der aufwendigen Stahldachkonstruktion. Der Tragwerksplaner nutzte das Modell und entwickelte sein Statikmodell daraus.
Stand: 16.12.2025
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Die Architekten generierten vorrangig Grundrisse und keine Schnitte oder Ansichten aus dem Gebäudemodell, was mit der Kubatur zu tun hatte. Torsten Hassenbach: „Die Ansichten sind komplex, weil im Museum praktisch keine zwei Flächen parallel zueinander verlaufen. Und wir standen immer vor der Frage, ob wir Flächen ausgeben, die geometrisch eine Ansicht sind oder die Addition von Abwicklungen. Beides erschien uns unsinnig. Wir wollten es in einer Zeichnung zusammenbringen, sowohl für Präsentationszwecke als auch die Werkplanung.“
(Blick auf die aufwändig gestaltete Lamellendecke des Museums. Bild: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh; Foto: Frank Blümler)
BIM-Methode gehört zum Planungsalltag
Der Einsatz der BIM-Planungsmethode und die bauteilorientierte Planung in Allplan gehört bei wörner traxler richter zum Alltag. In laufenden Projekten setzen die Architekten auf BIM bei der Mengen- und Massenermittlung oder im Austausch mit den Fachplanern. Das Büro arbeitet bereits seit 2003 in 3D, seit 2013 bauteilorientiert. Der Nutzen, so stellt Stefan Traxler klar, muss aber vor allem dem Bauherrn vermittelt werden. Wenn dieser BIM fordert, weil er zum Beispiel aus dem Gebäudemodell sein Betreiber-Modell (FM-Modell) ableiten möchte, muss er den damit verbundenen Prozess verstehen.
Die gängige Planungskultur in Deutschland ermöglichte es Bauherren bisher, auch in fortgeschrittenen Projektphasen für sie kostenneutral umfassende Änderungen durchzusetzen. Die BIM-Methode erfordert jedoch frühe, verbindliche Entscheidungen für eine reibungslose Projektabwicklung. Denn sonst sind die Aufwände für eine Umplanung bei Projektbeteiligten wie den Architekten oder Tragwerks- und TGA-Planern immens – und bleiben leider oft unbezahlt. Diese Disziplinierung sei aber nötig, um die BIM-Methode erfolgreich im Markt zu verankern und den digitalen Aufwand nicht größer, sondern kleiner werden zu lassen, so die Planer.