BIM BIM-Implementierung: 10 Fragen zu BIM im Architekturbüro

Das Gespräch führten Bauen Aktuell mit Daniela Brink und Maksim König 8 min Lesedauer

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2019 begann das Architekturbüro K2 seine Zusammenarbeit mit der Formitas AG, einem Digitalisierungsanbieter für die Baubranche. Ziel war es, Planungsprojekte mithilfe von BIM-Implementierung durchzuführen.

(Bild:  Formitas AG)
(Bild: Formitas AG)

Bauen aktuell sprach mit Daniela Brink, Geschäftsführerin von Architekten | K2, und Maksim König, BIM-Manager und -Berater bei Formitas, über die Grundüberlegungen zur 
Einführung der Software Revit bei K2 und über ihre Erfahrungen mit der Implementierung von BIM.

BIM-Implementierung: Bei welchen Problemen kann es helfen?

Frau Brink, was hat K2 veranlasst, auf BIM zu setzen? Welch konkreten Bedarf hatten Sie?

Daniela Brink: Uns war früh klar, ich glaube, das war bereits 2011, dass BIM, und somit auch Revit, die Zukunft ist. Zu dieser Zeit hat noch kaum ein Planungsbüro damit gearbeitet, aber die Pläne des Bundes und der Länder waren eindeutig. Zudem kamen Bauherren mit immer komprimierteren Terminplänen. Projektabläufe, die sonst mehr oder weniger hintereinandergeschaltet waren, sollten nun parallel laufen. Wer auf dem Markt vorne mit dabei sein will, muss sich frühzeitig mit Digitalisierung befassen. Da wir von Beginn an mit Autodesk/AutoCAD arbeiten, entschieden wir uns letztlich für Revit, das bauteilorientiert arbeitet und jedem Fachplaner das passende Tool zur Verfügung stellt. Neben einem hohen Qualitätsstandard sowie der Konsistenz und Vollständigkeit in Planung und Dokumentation war uns diese reibungslose Zusammenarbeit mit anderen Fachkompetenzen wichtig.

Heute hat sich unsere Wahl bestätigt. Revit wird an den Hochschulen gelehrt, von Großkonzernen präferiert und BIM ist seit Ende 2020 bei öffentlichen Großprojekten Pflicht. Es ermöglicht breit gefächerten Datenaustausch und über die IFC-Schnittstelle auch die Zusammenarbeit mit anderen Programmen (Open BIM). Wir arbeiten inzwischen auf unterschiedlichen Ebenen mit unseren Bauherren: 3D mit allen Gewerken, in der Cloud oder Zentraldatei, mit BIM-Manager auf Bauherrnseite oder BIM-Manager auf unserer.Die eigenständige Implementierung von Revit hat bis zu einem gewissen Grad funktioniert, doch irgendwann gerieten wir an unsere Grenzen und holten Formitas ins Spiel. Gemeinsam haben wir einen Strategieplan mit mehreren Bausteinen aufgestellt: Was sind die Ziele, wo liegen Defizite, wie sieht die Zeitschiene aus? Das fing zum Beispiel an mit Mitarbeitereinschätzungen, Mitarbeiterschulungen oder allgemeinem Support.

Heute sind wir fit und in der Lage, die vielfältigen Anforderungen zu erfüllen. Aber natürlich sind wir noch lange nicht am Ende angekommen, und dafür nutzen wir die Power von Formitas sehr spezifisch. Zum Beispiel machen wir gemeinsam Groß- und Neubauprojekte. Hier geht es um Qualitätsprüfung, BIM-Management und auch das Aufbauen von Modellen aus Punktwolken. Aber auch um Kurzschulungen, die auf die Probleme der Mitarbeiter zugeschnitten sind.

Herr König, welchen speziellen Vorteil bietet die BIM-Implementierung in einem Architekturbüro?

Maksim König: Das fängt zum Beispiel bei der Ableitung der Planunterlagen aus einem zentralen Modell heraus an. Da ich selbst Architekt bin und früher Zeichnungen mit klassischen 2D-CAD-Programmen erstellen musste, weiß ich, wieviel Mühe, Konzentration und vor allem Zeit nötig ist, um Entwurfs- oder Planungsänderungen in allen Grundrissen, Schnitten, Ansichten und sogar Listen fehlerfrei umzusetzen. Eine Arbeit, die durch die Modellierung des Gebäudes und automatisierte Erzeugung der Planunterlagen auf ein Minimum reduziert wird. Unter Umständen sind nur noch kleinere Anpassungen notwendig, zum Beispiel an Bemaßungen oder Beschriftungen.

Ist das Modell einmal erstellt und Planungsinformationen darin konsolidiert, lassen sich daraus natürlich viele weitere Vorteile ziehen, wie zum Beispiel die bauteilbasierte Mengenermittlung und Kostenkalkulation, die Koordinationsprüfung, die mühelose dreidimensionale Visualisierung der Planung und so weiter.

Zu den weiteren vielen Vorteilen zählt noch ein sehr wichtiger strategischer: Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sind oftmals Digital Natives und möchten mit modernen Werkzeugen und Methoden ins Berufsleben starten. Viele lernen außerdem schon im Rahmen ihres Studiums Programme wie Revit oder Archicad kennen und bringen daher bereits etwas Erfahrung mit. Darauf kann man aufbauen und die neuen Kolleginnen und Kollegen durch gezieltes Onboarding integrieren. So bleibt ein Büro attraktiv für junge Talente. Ein Umstand, den K2 erkannt hat und konsequent umsetzt.

Das Maximale aus der Software heraus holen

Wie holt man denn alles aus einem Programm wie Revit heraus? In welchem Umfang wurde Revit von K2 bereits genutzt und was ließ sich optimieren?

König: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Man munkelt, dass Features existieren, die selbst die erfahrensten Revit-User noch nicht entdeckt haben. Aber im Ernst: BIM-Systeme wie Revit bieten sehr viele Möglichkeiten und können zu Beginn einschüchternd wirken. Es ist daher enorm wichtig, das Personal mit gezielten und aufeinander aufbauenden Schulungen auf einen Stand zu bringen, der ihnen ermöglicht, konsistente und möglichst fehlerfreie Modelle zu erstellen. Schlussendlich müssen diese der Zuführung in einen BIM-Prozess standhalten können, der beispielsweise in der Integration der Modelle ins Facility Management des Bauherrn mündet.

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BIM-ImplementierungMaksim König
BIM-Manager und -Berater bei Formitas

Bildquelle: Formitas AG

Wie Frau Brink sagt, hatte K2 Revit schon im Einsatz – das heißt, einige Projekte waren bereits abgeschlossen und andere noch in Bearbeitung. Dies war für uns ein optimaler Ansatzpunkt, um ein Konzept für die Fortführung der Implementierung aufzustellen, da die erstellten Modelle eine gute Grundlage für eine Analyse boten.

Das Ziel der danach aufgestellten Strategie war, die erhofften Vorteile zum Zeitpunkt der Anschaffung von Revit Schritt für Schritt in die Realität umzusetzen und so Vorteile bei der Bearbeitung von Projekten zu schaffen. Wichtige Themen waren dabei die Vertiefung des Verständnisses für die BIM-Methodik und diverser Abläufe in Revit mittels Schulungen, die Optimierung der Revit-Projektvorlage sowie der Bauteilbibliothek und die Verbesserung des Planoutputs aus den Modellen.

Was war das Ergebnis, Frau Brink? Hat die Planung mit Revit Ihnen dabei geholfen, die Effizienz Ihres Unternehmens zu steigern und Ihre Kernkompetenzen auszuweiten?

Brink: Auf jeden Fall! Revit ist an sich schon ein effizientes Programm. Wenn die Mitarbeiter es dann auch noch beherrschen und die Schnittstellen super funktionieren, geht die Effizienz durch die Decke. Und nicht nur das – auch die Motivation der Mitarbeiter. Es macht Freude zu sehen, mit wie viel Engagement und Spaß unser Team mit Revit und BIM arbeitet. Es entstehen im Team eigenständige Ideen, wie wir uns durch die BIM-Implementierung weiterentwickeln und intern weiterbilden können. Zum Beispiel wurde das Thema der internen Dokumentation mit Formitas gemeinsam diskutiert. 

BIM-ImplementierungDaniela Brink
Geschäftsführerin von Architekten | K2

Bildquelle: Architekten K2 GmbH

Wir wollten weg vom aufwändigen und veralteten „Beschreiben“ in einem Word-Dokument und hin zu einem schnellen, zukunftsorientierten Knowledge Sharing. Auch hier hat uns die Zusammenarbeit mit Formitas weitergebracht. Zum Beispiel werden kurze Videosequenzen aufgenommen, um einzelne Themen des täglichen Tuns in Revit zu dokumentieren und für die Kollegen nachvollziehbar zu machen. Diese sind dann für alle zugänglich und können immer wieder angeschaut werden.

Mehrwert für Kunden durch BIM-Implementierung

Wie hat sich dies auf Ihre Wettbewerbsfähigkeit ausgewirkt? Kann die BIM-Methode aus Ihrer Sicht dabei unterstützen, den Kunden einen Mehrwert zu bieten? Haben Sie durch ein erweitertes Leistungsspektrum Aufträge annehmen können, die Sie vorher nicht hätten bedienen können?

Brink: Definitiv: Wenn ein Großkonzern an Ihre Tür klopft und Sie für einen Neubau angefragt werden, Voraussetzung aber Revit/BIM ist, dann können Sie völlig entspannt sagen, dass Sie das können. So in der Vergangenheit nicht nur einmal passiert. Das ist großartig! Und darüber hinaus müssen wir keine Angst vor Lücken haben, da wir mit Formitas einen Partner an unserer Seite haben, der uns unterstützt, diese zu schließen.

Herr König, wie erfolgte die operative Umsetzung und welche Unterstützung benötigt ein Architekturbüro in der Lern- und Einführungsphase?

König: Am Anfang steht für uns immer die gemeinsame Analyse mit dem Kunden. Dadurch holen wir alle Beteiligten mit ihren individuellen Problemen, Fragestellungen und Zielen ab und können konkrete nächste Schritte und Meilensteine festlegen. Hierfür nutzen wir mit großer Vorliebe das Workshopformat und bringen unsere Kenntnisse in BIM-Management und BIM-Gesamtkoordination ein. Diese Praxiserfahrung aus Projekten verschiedenster Größe fließt im Verlauf der Einführungsphase an verschiedenen Stellen ein.

Bei K2 fanden wir ideale Bedingungen vor – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schulungen konnten ihr erlerntes Wissen unmittelbar in Projekten anwenden. Außerdem wurde K2 bei der Bearbeitung durch Formitas-Experten begleitet, indem diese bei Rückfragen schnell unterstützen und Hindernisse ausräumen konnten. Durch die Begleitung wurden aber auch zum Beispiel Potenziale bei der Modellierung festgestellt, die durch Formitas mittels Automatisierungsskripten in Revit erschlossen werden konnten. Unsere Erfahrung zeigt eindeutig: die beiden Bausteine Schulungen und Projektbegleitung durch Experten bilden die beste Grundlage für die erfolgreiche Einführung eines Tools wie etwa Revit.

Frau Brink, wie haben Sie die Einführung und Umsetzung erlebt?

Brink: Wir haben gemeinsam mit Formitas einen Schulungsplan aufgestellt. Zunächst haben wir durch kleinere Tests eine Mitarbeitereinschätzung vorgenommen. Mit den Ergebnissen konnten wir die Mitarbeiter in Gruppen aufteilen und den Schulungsbedarf ermitteln. So gab es Anfänger- und Fortgeschrittenen-Schulungen über zirka drei Tage. Aber auch die Profis wurden geschult in expliziten Themen, bei denen noch Bedarf bestand. Die Schulungen fanden hier bei uns im Hause statt und wurden in Gruppen bis maximal sechs Mitarbeiter durchgeführt. Durch die Kleingruppen war sichergestellt, dass der Stoff auch bei jedem ankommt und sich die Dozenten um jede Person kümmern können. Das hat prima funktioniert. Zum Schluss gab es sogar eine kleine Abschlussprüfung mit Zertifikat. Die Ergebnisse haben uns den Erfolg gezeigt.

BIM-Implementierung kostet nicht viel Zeit

Wie war der zeitliche Aufwand?

Brink: Überschaubar, wobei das nicht heißen soll, dass man hier nicht investieren muss, auch die Mitarbeiter. Die größte Herausforderung war, die gemeinsamen Zeitfenster zu finden, da alle ja in ihren täglichen Projekten eingebunden sind. Sich einfach mal für drei Tage Zeit zu nehmen, war gar nicht so simpel.

Wie beurteilen Sie die finanzielle Investition in die BIM-Implementierung nach aktuellem Stand?

Brink: Vor dem Hintergrund der Projekte, die wir heute bearbeiten dürfen, hat sich das längst amortisiert. Und letztendlich ist es nicht nur eine finanzielle Frage. Darüber hinaus haben wir mit Formitas einen vertrauensvollen und langfristigen Partner an unserer Seite dazugewonnen, mit dem wir gemeinsam immer wieder neue und spannende Wege gehen. Und das spiegelt auch unsere Philosophie wider. Uns ist sehr daran gelegen, unsere Kunden und Bauherren langfristig zu begleiten und gemeinsam die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen und Neues zu schaffen.

Was würden Sie anderen Architekturbüros empfehlen, die an BIM interessiert sind?

Brink: Auf jeden Fall machen! Und ich würde ihnen raten, sich von Anfang an Unterstützung zu holen. Diese Welt ist einfach sehr komplex und kein Unternehmer oder keine Führungskraft hat im Projektalltag Zeit, sich damit im Detail zu befassen. Und auch die Mitarbeiter brauchen hier Beistand. Damit der Prozess funktioniert, muss man einfach von Anfang an richtig mit dem Programm umgehen. Wenn sich Eingabefehler oder Unwissenheit einschleichen, ist Frust garantiert. Hier ist gleich zu Beginn das richtige Fundament zu legen, damit auch der Output stimmt.