Die Abrechnung von Bauleistungen ist zeitintensiv und häufig auch strittig. Neben Aufmaßregelungen, die für Gewerke zu beachten sind, wird diskutiert, ob die Leistung wie geplant ausgeführt wurde oder es notwendige Änderungen gab. Hier soll die „BIM-Öffnungsklausel“ in der ATV DIN 19299 zu Vereinfachungen im Ablauf führen.
(Bild: Mikhail Vorobev, AdobeStock)
Bislang war die Abrechnung der Mengen nur nach den VOB-Regeln zulässig, wobei die Menge aus Zeichnungen zu ermitteln ist. Entspricht die ausgeführte Leistung diesen Zeichnungen, sind die Pläne kontinuierlich im Bauprozess zu aktualisieren. Das Prozedere sieht vor, dass die Leistung nach Fertigstellung aufgemessen, das Aufmaß geprüft und gegebenenfalls korrigiert wird. Deutlich einfacher und schneller ist die Abrechnung nach Real-Mengen. Dies ermöglicht die „BIM-Öffnungsklausel“ der ATV DIN 19299 (VOB-Ergänzungsband 2023). Dieser Prozess ist bereits heute mit dem AVA-System CaliforniaX und dem Zusatzmodul BIM2AVA machbar.
IFC-Modelle bei der Abrechnung von Bauleistungen
Der bauteilorientierte Ansatz von IFC-Modellen findet seine Entsprechung im Raum- und Gebäudebuch (RGB). BIM2AVA visualisiert beim Import der IFC-Datei in CaliforniaX das IFC-Modell und bildet alle Bauteile im RGB als kaufmännisches Gebäudemodell ab. Somit stehen alle Bauteile mit ihren Mengen und Attributen zur Kalkulation zur Verfügung. Um nicht jedes Bauteil einzeln mit den benötigten Leistungen versehen zu müssen, gruppiert CaliforniaX die Bauteile nach anwenderspezifischen Regeln. Die gruppierten Bauteile stehen dann in einem separaten Katalog zur weiteren Bearbeitung/Bemusterung bereit. CaliforniaX verwendet für die gruppierten Bauteile den Begriff „Bauteilvariante“ oder „Kostenelement“.
In der Bauteilvariante/dem Kostenelement ist eine Rezeptur für die benötigten Leistungen und Mengenansätze definiert. Der Vorteil dieser Definition liegt in der Anwendbarkeit auf alle gleichartigen Bauteile, wobei sich die Mengen aus jedem einzelnen Bauteil ergeben.
CaliforniaX bietet darüber hinaus weitere Funktionen, zum Beispiel Bedingungen. Damit legt der Anwender innerhalb einer Rezeptur attributgesteuert fest, ob etwa im Erdgeschoss eine Feuchtigkeitssperre eingebaut werden soll und in den anderen Geschossen nicht. Somit sind nicht nur die Mengen, sondern auch die Attribute innerhalb eines IFC-Modells nutzbar. Diese Vorgänge gelten sowohl für die Planung als auch für die Abrechnung mithilfe von IFC-Modellen.
Bauteilmethode
Bei der Bauteilmethode dient das 3D-Planungs-/As-built-Modell zur Abrechnung. Bei Verwendung des Planungsmodells werden die bereits definierten Bauteilvarianten/Kostenelemente auch für die Abrechnung genutzt. Zusätzliche oder abweichende Leistung ergänzt der Anwender über die Bauteilvariante im Bauablauf nachträglich.
Bei einem As-built-Modell erfolgt die Zuordnung der Leistungen zu den Bauteilen entsprechend der Auftragsvergabe, gegebenenfalls auch nachträglich. Das heißt, die gruppierten Bauteile werden mit dem Auftrags-LV verknüpft und die abzurechnenden Mengenansätze automatisch aus dem IFC-Modell abgegriffen.
Bild 1: Die Bauteilmethode bietet sich an, wenn die Fertigstellung von Bauteilen exakt bestimmt werden kann.
(Bild: G&W Software AG)
Die Verwendung des As-built-Modells berücksichtigt weitere Aspekte des BIM-Prozesses. Neben der Abrechnung dient es dem Gebäudebetreiber als digitaler Zwilling oder zur Berechnung der Lebenszyklus-Energiebilanz. Für die Abrechnung werden die Bauteile bei Fertigstellung „abgehakt“ und so zur Abrechnung freigegeben. Sie referenzieren auf die beauftragte(n) Leistung(en) und übergeben die Realmengen an die entsprechende(n) Position(en). Daraus ergibt sich automatisch die Abrechnungssumme, manuelle Arbeitsschritte entfallen. Die Bauteilmethode bietet sich besonders dann an, wenn die Fertigstellung von Bauteilen exakt zu bestimmen ist. (siehe Bild 1)
Abrechnung von Bauleistungen mit der Blockmethode
Die Blockmethode eignet sich zur Abrechnung von Bauteilen, deren Erstellung einen längeren Zeitraum beansprucht und deren Abrechnung in Etappen erfolgt. Als Beispiel soll eine Aufschüttung für den Unterbau einer Straße dienen. Zur Berechnung der verbauten Massen und zur Prüfung des Baufortschritts überfliegt eine Drohne die Baustelle und erstellt eine Punktwolke der Aufschüttung. Daraus wird in weiteren Arbeitsschritten ein IFC-Modell erstellt, das sich aus vielen kleinen „Blöcken“ zusammensetzt. Die einzelnen Blöcke erhalten Attribute wie „1. Abrechnung“, „2. Abrechnung“ oder „zu 100 Prozent“, „zu 50 Prozent“ fertiggestellt usw. Dieses Modell dient nun unter anderem zum Abgleich mit dem eigentlichen Planungsmodell, um den Baufortschritt zu prüfen oder zur Abrechnung. Für die Abrechnung verwendet CaliforniaX die in dem IFC-Modell hinterlegten Massen und Attribute. Dabei erfolgt eine Gruppierung der Blöcke anhand der Attribute. Jeder dieser Gruppierungen werden einmalig die abzurechnenden Leistungen sowie der dazu gehörende Mengenansatz zugeordnet. (siehe Bild 2)
Bild 2: CaliforniaX verwendet für die Abrechnung die im IFC-Modell hinterlegten Massen und Attribute.
(Bild: G&W Software AG)
Dabei ist es ebenso möglich, einer Gruppierung auch nicht modellierte Leistungen zuzuordnen, deren Abrechnungsmenge sich aus einem Formelansatz aus der Abrechnungsmenge des Blocks ableitet. Der übliche bauteilorientierte Ansatz wird bei Blockmethode von dem Gesamtbauteil – der Aufschüttung – auf viele kleinere Bauteile, die Blöcke, übertragen. Im Ergebnis soll die Summe aller Blöcke mit dem eigentlichen Bauteil identisch sein. Dies ist aufgrund von Rundungsdifferenzen und Modellierungsungenauigkeiten nicht immer gegeben. Die Differenz bewegt sich allerdings im Bereich der zulässigen Abweichungen.
Stand: 16.12.2025
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Differenzmethode
Die Differenzmethode bietet sich zur Abrechnung in ähnlichen Fällen wie denen der Blockmethode an. Hier wird das abzurechnende Objekt als einzelner Körper modelliert. Dies kann etwa direkt durch die Baumaschine passieren, die ihren Arbeitsweg aufzeichnet und an die entsprechende Modellierungssoftware übergibt. Die Modellierungssoftware erzeugt anschließend für die einzelnen abzurechnenden Leistungen Volumenkörper mit Abrechnungsmengen und -attributen. Den einzelnen Abrechnungskörpern sind die abzurechnenden, beauftragten Leistungen sowie die entsprechenden Mengenansätze zugeordnet. Dabei können auch nicht modellierte Leistungen berücksichtigt werden. Ebenso sind Mengenansätze mit Formeln kombinierbar und für weitere Mengenberechnungen nutzbar.
Im Modell sind im markierten Rohrgrabenabschnitt weder Schalung noch Verbau modelliert, diese Leistungen können aber mit abgerechnet werden. Auch hier finden die bereits erwähnten Möglichkeiten der Bedingung häufig Anwendung.
Zusammenfassung: BIM-Öffnungsklausel bei der Abrechnung von Bauleistungen
Bild 3: Nach der Auftragsvergabe ist der Baufortschritt übersichtlich im Soll-Ist-Vergleich angezeigt.
(Bild: G&W Software AG)
Die „BIM-Öffnungsklausel“ ermöglicht ab sofort die Abrechnung nach Modellen und Realmengen. Neben den skizzierten Methoden existieren weitere Ansätze, ebenso sind im Bauprozess die Methoden kombinierbar.
Im openBIM-Prozess sind IFC-Modelle für Planungs- und Abrechnungsmengen in CaliforniaX und BIM2AVA effizient und transparent nutzbar. So zeigt sich nach der Auftragsvergabe der Baufortschritt übersichtlich unter anderem im Soll-Ist-Vergleich. Jede einzelne Menge ist in ihrem Ursprung und in ihrem Abrechnungsstand nachvollziehbar. Mit CaliforniaX und BIM2AVA sind somit alle Vorteile der „BIM-Öffnungsklausel“ sofort umsetzbar und über alle Leistungsphasen der HOAI anwendbar. (siehe Bild 3)
Armin Gandecki BIM-Spezialist bei der G&W Software AG in München