11.10.2021 – Kategorie: Projekt- und Kostenmanagement
Wenn IFC-Schnittstellen an ihre Grenzen kommen
Effiziente Alternative für die Verbindung zwischen CAD- und AVA-Software
- Im Zuge der Digitalisierung bedient sich die Baubranche immer häufiger der Planungsmethode BIM.
- Das bedeutet für die Anbieter von Branchensoftware, dass sich Anwender von den Programmen BIM-Fähigkeit wünschen.
- Dazu gehören auch entsprechende IFC-Schnittstellen für den Datenaustausch von geometrischen Gebäudeinformationen.
- Aber sind Schnittstellen wirklich die einzige und beste Form, Informationen zwischen CAD- und AVA-Software zu vermitteln und welche Optionen gibt es?
Die Planung von Gebäuden ist ein komplexer Vorgang, an dem mehrere Personen beteiligt sind. Durch die wachsende Digitalisierung der Arbeitsprozesse in der Baubranche wird daher auch das Thema Datenaustausch immer wichtiger. Hier sollen Standards Dateiformate festlegen und einen sicheren und vor allem auch kompletten Austausch von Daten und Informationen zwischen allen Projektbeteiligten ermöglichen. Für die digitale Beschreibung von Gebäudemodellen (Building Information Modeling, BIM) hat sich der offene Standard Industry Foundation Classes (IFC) durchgesetzt, der von der US-amerikanischen Dachorganisation BuildingSMART International (bSI) definiert wurde. Über IFC-Schnittstellen tauschen Architekten und Planer komplexe 3D-Planungsdaten mit Bauelementen, logischen Gebäudestrukturen und optionalen Geometrien aus. Vorausgesetzt alle arbeiten mit Bausoftwaresystemen, die BIM-fähig sind, das heißt, das IFC-Format unterstützen.
Arbeiten über IFC-Schnittstelle entspricht nicht immer Ablauf eines Bauprojektes
Obwohl Bauherren immer häufiger den Einsatz von BIM fordern, hat sich die Planungsmethode in Deutschland noch längst nicht durchgesetzt. Das liegt nach Meinung Gérard Sidouns, Gründer der AVA-Software-Entwicklungsfirma Sidoun International, daran, dass das Arbeiten über eine IFC-Schnittstelle nicht dem optimalen Ablauf eines Bauprojektes entspricht, weil davon ausgegangen wird, dass Architekt und Planer getrennt voneinander operieren. „Bei IFC-Schnittstellen geschieht die Übergabe von Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dabei trifft man implizit die Annahme getroffen, dass das Modell zu diesem Zeitpunkt fix und fertig ist. Das heißt, zum Zeitpunkt der Datenübergabe müssen durch den Planer bereits Entscheidungen über Materialien und Ausführung getroffen werden, die er in einem so frühen Stadium noch nicht sinnvoll treffen kann. Er wird gezwungen sequentiell zu arbeiten. Die Arbeitsrealität des Planers jedoch ist eine andere“, erklärt Sidoun.
Naturgemäß kommt es bei Bauvorhaben zu häufigen Änderungen, und eben diese sind beim BIM-Vorgang sehr zeitaufwändig. Denn IFC-Schnittstellen produzieren durch ihren Schnitt immer zwei Datenbestände, die jeweils nicht aufeinander zugreifen können. Will man später Korrekturen vornehmen, dann gilt es, die betroffenen Datenbestände nach jeder IFC-Übertragung manuell zu ändern. Und das gleich zweimal: einmal in der CAD-Datei und einmal in der AVA-Software.
Wann kommen IFC-Schnittstellen an ihre Grenzen?
Mit nur wenigen Klicks aus einer 3D-Zeichnung eines Gebäudes eine Kostenschätzung generieren — ein Traum für Architekten und Planer. Funktioniert das über IFC-Schnittstellen? „Nein, denn es können nur geometrische Daten übertragen werden”, weiß Sidoun. Für eine reale Kostenschätzung brauchen Planer aber auch komplexe Informationen über die Qualität der Bauelemente sowie über spezielle Normen wie die VOB. Die international entwickelten IFC-Schnittstellen berücksichtigen diese Anforderungen deutscher Architekten nicht.
Zudem müssen Planer genau wissen, wie sie Gebäudemodelle zu zeichnen haben, damit es bei der Übertragung in die AVA-Software nicht zu Datenverlusten kommt. Es gibt nichts Schlimmeres, als fehlerhaft übermittelte Informationen. Denn wenn komplexe geometrische Daten wie Wand- und Deckendurchbrüche nicht oder nur teilweise über die IFC-Schnittstelle austauschbar sind, kann das zu einer falschen Kostenschätzung führen.
Alternative für die Verbindung zwischen CAD- und AVA-Software
Näher betrachtet kann sich die IFC-Schnittstelle zu einer Schwachstelle im Bauprojekt entwickeln. Denn Datenübertragungen können den Planer ausbremsen und zu einer Zeit- und Kostenfalle werden. Gibt es eine Alternative für die Verbindung zwischen CAD- und AVA-Software? Beim Softwarehersteller Sidoun ersetzt eine bidirektionale Arbeitsweise die Schnittstelle, so dass die Datenbestände zwischen CAD- und AVA-Software kompatibel bleiben. Anstatt — so wie bei IFC-Schnittstellen — zwei Datenbestände zu produzieren, schafft das so genannte G-BIM eine gemeinsame Datenbasis auf die das CAD-Programm und die AVA-Software synchron zugreifen können. „In Bauvorhaben laufen viele Prozesse parallel und es kommt häufig zu Änderungen. Die gemeinsame Datenbasis kommt dieser Arbeitsweise entgegen, weil der Anwender im Bemusterungsprozess zeitlich sehr flexibel ist. Außerdem können verschiedene Mitarbeiter gleichzeitig durch synchrone Teamarbeit am selben Projekt arbeiten”, so Sidoun.
Immer kongruente Daten für korrekte und exakte Mengenermittlungen
Neben der so gewonnenen Flexibilität gibt es noch weitere Funktionen, welche die Arbeitseffizienz deutlich erhöhen, ein BIM-konformes Ausschreiben ermöglichen und Transparenz schaffen. Der Planer kann in der AVA-Software zum Beispiel Formeln einsehen, korrigieren oder auch völlig neu schreiben. Weil aus diesen Formeln die Mengen für die Kostenstellen definiert werden, führt das zu exakten und korrekten Mengenermittlungen. Ein bidirektionaler Workflow zwischen CAD- und AVA-Software schafft kompatible Daten. Wenn sich während des Bauprozesses Änderungen ergeben, kann der Planer Qualitäten wie Farbe, Materialien oder Herstellerdaten aus dem Leistungsverzeichnis des AVA-Programmes per Klick in die Elemente seiner CAD-Datei zurückschreiben, ohne geometrische Daten zu verändern. So sind die Daten immer kongruent.
Damit der Anwender der Ausschreibungssoftware schnell über Änderungen im CAD-Modell bescheid weiß, bekommt er durch die Funktion Änderungsdienst immer aktuelle Informationen in Langtextform. Für hohe Planungssicherheit und eine einfache Plausibilitätsprüfung sorgt außerdem ein Kostenanschlag nach DIN 276 und den Gewerken, der nicht nur Kosten berücksichtigt, sondern auch Mengen und Materialangaben.
Fazit
Über die IFC-Schnittstelle lassen sich in einer digitalen Planung geometrische Gebäudeinformationen optimal von CAD zu CAD austauschen. Geht es um den Datentransfer von CAD- zu AVA-Software, ist dies allerdings nicht die beste Option, weil sie nicht mit der realen Arbeitsweise in einem Bauprojekt übereinstimmt. Eine bessere Alternative, die große Wettbewerbsvorteile schafft, ist eine bidirektionale Arbeitsweise ohne Schnittstelle. Das CAD-Programm und die AVA-Software können synchron auf eine gemeinsame Datenbasis zugreifen. So entstehen keine zwei Datenbestände, und Übertragungsfehler lassen sich vermeiden.
Autorin: Claudia Ballhause
Weitere Informationen: https://sidoun.de/
Erfahren Sie hier mehr darüber, wie TGA-Anwender von der IFC4-Zertifikat profitieren.
Lesen Sie auch: „Quai Zurich Campus: Was den Gebäudekomplex zu einem der smartesten macht“
Teilen Sie die Meldung „Wenn IFC-Schnittstellen an ihre Grenzen kommen“ mit Ihren Kontakten:
Zugehörige Themen:
Architektur & Bau