Umbau: Alte Kelter in Kirchheim

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Seit 1532 ist die „Alte Kelter“ eine wichtige Instanz in Kirchheim am Neckar. Früher als Kelterei genutzt, dient das Gebäude heute als Kulturstätte und für den wöchentlichen Markt der Gemeinde. Mit behutsamen Eingriffen erneuerten lohrmannarchitekt (Stuttgart) den denkmalgeschützten Bau.

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Seit 1532 ist die „Alte Kelter“ eine wichtige Instanz in Kirchheim am Neckar. Früher als Kelterei genutzt, dient das Gebäude heute als Kulturstätte und für den wöchentlichen Markt der Gemeinde. Mit behutsamen Eingriffen erneuerten lohrmannarchitekt (Stuttgart) den denkmalgeschützten Bau.

Dabei entstandt ein atmosphärischen Raum, der alle Spuren der Vergangenheit bewahrt und zugleich den heutigen Anforderungen gerecht wird. „Um zu alter Schönheit zurückzufinden wurde Überflüssiges entfernt und ein feierlicher Raum geschaffen,“ erklärt Architekt Holger Lohrmann, der für das sensible Konzept verantwortlich zeichnet.

Der größte Eingriff des 2018 fertiggestellten Umbaus erfolgte im Innenraum: Hier entfernten die Architekten die Decke, um das eindrucksvolle Fachwerk freizulegen und der „Alten Kelter“ ihre Gedrungenheit zu nehmen. „Es eröffnet sich dem Betrachter ein sich in die Höhe ausdehnender Raum und verleiht ein fast ehrfürchtiges Gefühl in Anbetracht seiner neuen sakralen Eigenschaften,“ so Architekt Lohrmann. Das natürliche Steinmauerwerk gibt dem Raum gemeinsam mit dem unebenen Betonboden einen rustikalen Charme und erinnert an alte Zeiten. Geschickt gesetzte LEDs markieren Highlights in Fachwerk und Fassade. Das Beleuchtungskonzept aus industriell anmutenden Leuchten strukturiert den Raum durch  Lichtinseln: „Kuppelartig verleiht die sanfte und warme Ausleuchtung dem nun sichtbaren Fachwerk einen wohltuenden Abschluss und Geborgenheit,“ so Lohrmann.

Eine neu eingebaute Bühne mit einem Deck aus urprünglich zur Kelter gehörenden Holzdielen steht für kulturelle Veranstaltungen bereit, die hier regelmäßig stattfinden. Nach dem Vorbild der originalen Metallsprossenfenster wurden diese im historischen Stil von den Architekten renoviert. Ergänzt wurde ein frei stehender Gussofen: „Den schweren und nicht kleinen eisernen Ofen integrierten wir als Herzstück und Hommage an vorangegange Zeiten,“ erklärt der Architekt. Schwarze Bühnenvorhänge aus Samt fassen den Raum optisch wie atmosphärisch ein. „Für uns stand der Erhalt des Bestandes und die Wertschätzung der Jahrhunderte alten Substanz im Fokus unserer Arbeit sowie wie die Ehrlichkeit im Umgang mit neu eingebrachten Materialien,“ fasst Lohrmann sein Konzept zusammen.

Von der Deutschen Bauzeitung wurde das Projekt „Alte Kelter“ mit einer Anerkennung zum Preis »Respekt und Perspektive« ausgezeichnet. In der Jurybegründung heißt es: „Die hohe Kunst bei diesem Projekt bestand darin, den vorgefundenen Raum mit seinem beinahe sakralen Charakter so unverändert wie möglich zu erhalten, inklusive der verwitterten Oberflächen. Die Architekten haben sich vollkommen zurückgenommen und keine Spuren der eigenen Handschrift hinterlassen. Ein cleveres Nutzungskonzept – Wochenmarkt und gelegentliche Kulturveranstaltungen – ermöglichte es, auf störende bauliche Eingriffe wie Fluchttreppen oder Wärmedämmung zu verzichten. Ein raffiniertes Lichtkonzept setzt den Bestand in Szene.“

Ein Jahr dauerte die behutsame Innensanierung, die dem alten Gewand der „Alten Kelter“ neuen Glanz verleiht. Elegant und authentisch erreichten die Architekten eine wirksame Hervorhebung der Potentiale des Raumes – die zugleich fast unsichtbar und doch deutlich spürbar sind.

Bild oben: Um zu alter Schönheit zurückzufinden, wurde Überflüssiges entfernt und ein feierlicher Raum geschaffen. Die Decke wurde entfernt um das eindrucksvolle Fachwerk freizulegen. Foto: A. Dalferth

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