Stadtplanung: Wie Architekten fußgängerfreundlicher entwerfen können

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Stadtplanung: Wie Architekten fußgängerfreundlicher entwerfen können

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Eine fußgängerfreundliche Stadtplanung verlässt sich oft noch auf Intuition. Nun liefert eine frei verfügbare Software handfeste Daten und Fakten.
Stadtplanung für Fußgänger

Jährlich rund 3,3 Millionen und Schäden in Höhe von 121 Milliarden US-Dollar sind weltweit dem motorisierten Individualverkehr anzulasten. Aber wenn Architekten fußgängerfreundliche Umgebungen konzipieren wollen, verlassen sie sich noch immer eher auf ihre Intuition oder ausgefeilte, nur schwer in die Stadtplanung integrierbare Simulationen.

Die frei verfügbare Software Urbano, entwickelt an der Cornell University, soll Abhilfe schaffen. Sie nutzt Daten, Metriken und eine einfach bedienbare Oberfläche, so dass Planer und Architekten Funktionen für die Fußläufigkeit möglichst effektiv hinzufügen und diese bewerten können.

Timur Dogan, Assistant Professor für Architektur und Entwickler von Urbano, erklärt: „Wir wollten etwas schaffen, mit dem Architekten und Stadtplaner ihre Entwürfe simulieren können und schon früh im Prozess irgendein Feedback erhalten. Das lässt sie auf Fakten und Daten basierende Entscheidungen treffen, um so die nachhaltigen und lebenswerte Stadtquartier der Zukunft zu gestalten“.

Prozesse in der Stadtplanung oft schnell, chaotisch und umständlich

Seit dem Launch wurde Urbano weltweit bereits 400-mal von Universitäten und Architekturbüros heruntergeladen. Die Software ging aus einer Zusammenarbeit von College of Architecture, Art, and Planning’s Environmental Systems Lab unter Leitung von Timur Dogan und Department of Civil and Environmental Engineering im College of Engineering hervor. Die Entwickler präsentierten im Juni 2019 am Symposium on the Simulation for Architecture and Urban Design ein Paper zu Urbano, und neue Forschungsergebnisse werden in Kürze im Journal of Technology: Architecture and Design publiziert werden.

Die Entwickler wollten ein Tool schaffen, das gut im Planungsprozess mitschwimmt, der oft schnell, chaotisch und umständlich verläuft. Komplizierte und zeitraubende Simulationen seien da fehl am Platz, wie Dogan feststellt.

„Wir haben uns mit neuen, schnellen Algorithmen beschäftigt. Wir haben an intuitiven Benutzeroberflächen gearbeitet. Und wir haben dafür gesorgt, dass sich die Software leicht in den Designprozess einbinden lässt, so dass man von den allerersten Ideen und Skizzen an Feedback erhält und den Entwurf in die richtige Richtung lenken kann.“

Bild: AmenityScore und WalkScore sind zwei der Metriken in Urbano. Bild: Cornell University

Drei Aspekte, um die Fußläufigkeit zu bewerten

Urbano setzt auf drei Metriken, um die Fußläufigkeit zu bewerten: Streetscore berechnet, wie Straßen für bestimmte Routen genutzt werden; Walkscore bietet ein anpassbares Maß, das bewertet, ob beliebte Lokalitäten von Wohnungen und Arbeitsstätten in Laufweite zu erreichen sind; und bei AmenityScore handelt es sich um ein Tool, das die Demografie betrachtet, um den Nutzen verschiedener Services abzuschätzen.

Das seien wertvolle Informationen, um die Baustellenumgebung zu analysieren, so Dogan. Die Planer können sehen, ob es im Stadtquartier an bestimmten Dienstleistungen und Annehmlichkeitne fehle oder ob diese über Gebühr oder zu wenig in Anspruch genommen werden.

Integration fußgängerfreundlicher Funktionen in die Stadtplanung

Die Fußläufigkeit in der Planung früh zu berücksichtigen macht die Integration fußgängerfreundlicher Aspekte wahrscheinlicher, weil es oft viel kostet und sich kompliziert gestaltet, will man das Ruder im laufenden Prozess noch herumreißen. Während erfahrene Architekten die Fußgänger in ihren Planungen automatisch berücksichtigen werden, liefert Urbano dafür die fakten- und datenbasierte Simulation. Denn oftmals könne man den Nutzen einer Sache nicht in Zahlen ausdrücken und dann sehr es schwer, jemanden von seiner Sache zu überzeugen, gibt Dogan zu bedenken. Dagegen ermögliche es Urbano den Experten, alles zu messen und zu bewerten, so dass Baubeteiligten ihren eigenen Vorschlägen vertrauen können.

Die Entwickler von Urbano schufen Möglichkeiten, Daten zu sammeln und Informationen von GIS-Portalen wie New York City’s Open Data Initiative und Informationen aus weiteren Städten, von Websites und Social Networks, Google und Yelp auszuwerten, die in uneinheitlichen Formaten vorlagen. Weil diese Daten schwer zugänglich sein können, verzichten viele Planer und Architekten auf ihre Nutzung, trotz der Fülle der darin enthaltenen Informationen.

Weitere Tools für Energieverbrauch und städtische Mikroklimate geplant

Nachdem sie die ihrer Ansicht nach wichtigsten Metriken für die Planer ausgewählt hatten, entwickelten die Forscher Algorithmen, um etwa den kürzesten Weg zu bestimmten Einrichtungen und ihre Nutzungsrate zu berechnen. Das Team arbeitet derzeit an einer Software, die den Energieverbrauch in Stadtmodellen bewerten kann, sowie an einem Simulationswerkzeug namens Eddy3D, dass das städtische Mikroklima betrachtet. Dogan hofft, bald einen umfangreichen Softwarebaukasten für nachhaltige Stadtplanung anbieten zu können.

Zu den weiteren an der Entwicklung von Urbano beteiligten Wissenschaftlern gehören Samitha Samaranayake, Assistant Professor of civil and environmental engineering; Nikhil Saraf ’20; und master’s student Yang Yang (M.S. AAD ’19).  

News courtesy of the Cornell Chronicle, Melanie Lefkowitz

Weiter Informationen: https://www.urbano.io/

Erfahren Sie hier mehr darüber, wie Star-Architektur die Städte beeinflusst.

Lesen Sie auch: “Smart-City-Konzepte: Neue Lösungspakete von Arcus, T-Systems und Arthur D Little”.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Anfang dieses Jahres hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) verkündet, dass noch in diesem Sommer die EU-weite Ausschreibung für ein nationales BIM-Kompetenzzentrum erfolgen soll. Ziel sei es, für den gesamten Baubereich die breite Implementierung und Marktdurchdringung der Methode BIM zu beschleunigen und zu etablieren. Im BIM-Kompetenzzentrum sollen dazu Erkenntnisse und Erfahrungen zum Einsatz der digitalen Planungsmethode gebündelt werden. Das Zentrum soll unter anderam auch Leitfäden entwickeln und Schulungen koordinieren, Informationsveranstaltungen koordinieren, juristischen Sachverstand bereitstellen und umfassende Beratung leisten.

Der digitale Wandel bestimmt unser Leben in allen Bereichen. Landwirte nutzen wie selbstverständlich Big Data, um die Ernte zu sichern. Digitale Intelligenz hilft im Alltag Sprachen zu verstehen und vernetzte Sensoren im Auto erleichtern auch bei Wind und Wetter die Fahrt nach Hause. Doch wo bleibt die digitale Revolution an den Orten, an denen wir die meiste Zeit des Tages verbringen – in den Gebäuden? 

Werbung
Werbung

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Werbung
Werbung

Aktuelle Ausgabe

Topthema: Sanierung unter BIM-Einsatz

Industriedenkmal Erfurter Heizwerk

Mehr erfahren

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

* Jederzeit kündbar

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.