09.04.2022 – Kategorie: Bauprojekte
Reproduktives Entwerfen: Ausstellung zeigt das Prinzip am Beispiel Stuttgarter Lücken
Neue Bauten müssen nicht bei Null beginnen. Wie das funktionieren kann, zeigt die Ausstellung Reproduktives Entwerfen in Stuttgart.
- Neue Bauten müssen nicht immer erfunden werden, sondern können sich architektonischer Referenzen bedienen, um eine angemessene Antwort für die Stadt zu erzeugen.
- Wie das funktioniert, zeigt die Ausstellung „Reproduktives Entwerfen“ der Hochschule RheinMain, die das gleichnamige Entwurfsprinzip mit Studierenden am Beispiel Stuttgarter Lücken durchspielt.
- Die Schau ist in Kooperation mit der Bürgerinitiative „Aufbruch Stuttgart“ entstanden.
- Die Vernissage findet am 10. Mai 2022 statt, die Ausstellung läuft bis 7. Juli 2022
Wie viel Historie darf, wie viel muss sogar in einem architektonischen Entwurf stecken? Die Macher von „Reproduktives Entwerfen“ haben dazu eine eindeutige Haltung: Mit ihrem Entwurfsprinzip bekennen sie sich zunächst zu allem in der Architekturgeschichte Vorhandenem, ob gebaut oder nur Papier geblieben. In der festen Überzeugung, nicht immer Neues erfinden und somit immer wieder bei Null anfangen zu müssen (und dies auch gar nicht zu wollen), bedienen sie sich konkreter architektonischer Referenzen, um sie an anderer Stelle neu aufzuführen. Die Auseinandersetzung wird dabei geleitet von der präzisen, möglichst wörtlichen Aneignung des Bestehenden, um daran und daraus für heute zu lernen.
Der Begriff „Reproduktiven Entwerfen“ – im Jahr 2014 von den Architekten Georg Ebbing, Moritz Henkel, Philipp Rentschler und Ulrich von Ey entwickelt – umfasst sowohl eine historische als auch fortschrittlich-produktive Dimension. Denn es ist ein stetiger Prozess sanfter Erneuerung, die Wiederaufnahme und Neukonstruktion von Traditionen mit zeitgenössischem Anspruch. Grundlage für die vorgelegten Entwürfe ist das 2014 formulierte Manifest mit seinen acht Thesen, das Besucher in gedruckter Form zudem aus der Ausstellung mitnehmen können.
Ausstellung in zwei Bereiche gegliedert
Die Ausstellung in der Raumgalerie ist in zwei Bereiche unterteilt: Der erste widmet sich fünf Stuttgarter Lücken, für die Studierende während eines Semesters mithilfe unterschiedlicher Referenzen mögliche Stadtbilder entworfen haben, etwa dem Kaufhof-Areal (Bad Cannstatt), dem Areal der Neckar-Realschule oder dem Parkplatz neben dem Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg. Für den Platz der Deutschen Einheit bei der Liederhalle wurde zudem ein „Haus der Musik“ entworfen. Dazu wurde auf örtliche Referenzen von Paul Bonatz, Richard Döcker oder Rolf Gutbrod zurückgegriffen. Ziel der Entwürfe war, die ausgewählten Orte zu stärken und ihnen eine unverwechselbare Identität zu verleihen.
Der zweite Ausstellungsbereich zeigt eine Auswahl von Arbeiten des Reproduktiven Entwerfens von 2014 bis 2022, die in unterschiedlichen Konstellationen auch mit anderen Hochschulen in der Lehre entstanden sind. Bei einem „PAIRfect-Spiel“ in den Galerieräumlichkeiten können außerdem spielerisch bedeutende Referenzbeziehungen aufgedeckt und entdeckt werden.
Die Ausstellung ist in Kooperation mit der unabhängigen und überparteilichen Bürgerinitiative „Aufbruch Stuttgart e. V.“ entstanden, die sich für eine Zukunft mit besserer Urbanität, Lebensqualität, Kultur und Strahlkraft in Stuttgart einsetzt.
Reproduktives Entwerfen
Stuttgarter Lücken
Vernissage: Dienstag, 10. Mai 2022, Einlass ab 18 Uhr
Um bei der Ausstellungseröffnung das Abstandhalten zu ermöglichen, wird das Get-together möglichst im Außenraum stattfinden. Der Zutritt zur Ausstellung erfolgt zudem nur unter Einhaltung der geltenden Corona-Verordnung der Landesregierung.
Online-Podiumsdiskussion: Termin und Teilnehmer werden noch mitgeteilt
Kuratorenführung: Termin wird noch mitgeteilt
Dauer der Ausstellung: bis 07. Juli 2022
Ort: Die Raumgalerie, Ludwigstraße 73, 70176 Stuttgart
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr
Samstag 13-18 Uhr
Feiertag nach Bekanntgabe
Bild oben: Reproduktives Entwerfen – Stuttgarter Lücken. Beispiel Stadttor am Wilhelmsplatz. Referenz: Hans Poelzigs Entwurf für ein Hochhaus am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin 1921/22. Bild: Seda Ünal, HSRM Wiesbaden, 2022
Weitere Informationen: https://www.derraumjournalist.net/
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