Projekt: Zukunfts-Museum im neuen Augustinerhof

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Ende 2020 soll in der Nürnberger Altstadt das Deutsche Museum Nürnberg mit dem Untertitel Zukunfts-Museum im neuen Augustinerhof eröffnen. Den gesamten Komplex haben Staab Architekten als Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft interpretiert. Das Museum entsteht in einem bautechnisch anspruchsvollen Umfeld. 

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Ende 2020 soll in der Nürnberger Altstadt das Deutsche Museum Nürnberg mit dem Untertitel Zukunfts-Museum im neuen Augustinerhof eröffnen. Den gesamten Komplex haben Staab Architekten als Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft interpretiert. Das Museum entsteht in einem bautechnisch anspruchsvollen Umfeld. 

Einerseits nimmt der Neubau formalen Bezug zu den umliegenden historischen Sandsteingebäuden auf, andererseits erhält er durch zeitgenössische Materialien ein eigenständiges Erscheinungsbild. So bestehen das Zukunfts-Museum und das gesamte Mansarddach aus Sichtbeton. Besonders für die präzise Umsetzung der unregelmäßigen Dachform war die Erfahrung des Bauunternehmens Leonhard Weiss gefragt.

Das Grundstück des Augustinerhofs im historischen Zentrum Nürnbergs ist ein Filetstück. Es liegt nur rund 100 Meter vom Hauptmarkt entfernt, am Rande der Fußgängerzone, und grenzt direkt an die Pegnitz mit Blick auf die idyllische Trödelmarktinsel. Dennoch war das Areal, auf dem ursprünglich ein Kloster des Augustinerordens stand, lange Zeit ein Problem. Nachdem die Druckerei Willmy das Areal verließ, fristete es als Brache und Parkplatz sein Dasein. Erst mit der Zwangsversteigerung 2007 wendete sich das Blatt: Der Nürnberger Immobilienentwickler Gerhard Schmelzer bekam den Zuschlag. Mit seinem Unternehmen, der Alpha Gruppe, hat er sich auf die Revitalisierung von Brachflächen und Problem-Immobilien spezialisiert. Für das Augustinerareal rief er einen Architekturwettbewerb zur Neubebauung aus. Volker Staab, der sich bereits mit dem Neuen Museum einen Namen in Nürnberg gemacht hatte, überzeugte mit seinem Entwurf. Er verbindet das Quartier mit dem Hauptmarkt – dem pulsierenden Zentrum der Altstadt – und schafft zugleich einen Platz am Fluss: Zwei Gebäudereihen schließen an die historischen Baublöcke an und bilden einen trichterförmigen Innenhof. An dessen Ende führen sanfte Stufen zur Pegnitz.

Projekte für die Zukunft

Von Beginn an war eine Mischnutzung für den neuen Augustinerhof vorgesehen: Ein Hotel, Wohnungen, Büros, Restaurants und Geschäfte sollen sowohl Touristen als auch Einheimische unterschiedlichster Couleur locken. Das Glanzlicht wird jedoch das Zukunfts-Museum sein – das erste seiner Art. Auf über 3’000 Quadratmetern beziehungsweise vier Geschossen werden Projekte aus der aktuellen Forschung vorgestellt, die möglicherweise das Leben von morgen beeinflussen. Den erzählerischen Rahmen bildet die Science-Fiction. Denn schon viele Ideen aus SF-Romanen oder SF-Filmen wurden Realität. Ein Holodeck à la Star Trek mit dreidimensionalen Hologrammen darf deshalb nicht fehlen. Aber auch Labore zum Mitmachen, Werkstätten zum Experimentieren, ein Forum für Diskussionen und eine Bibliothek zum Nachforschen sind geplant.

Baustellenorganisation extrem

Ende 2017, fast zehn Jahre nach Auslobung des Architekturwettbewerbes, hat man mit den Bauarbeiten des Rohbaus begonnen. Doch die Lage im historischen Zentrum von Nürnberg brachte viele Probleme mit sich – von konstruktiven über technische bis zu logistischen: Zum einen war die geplante Rohbauzeit von 13 Monaten sehr knapp bemessen für einen Komplex mit etwa 13’000 Quadratmetern Nutzfläche. Zum anderen beschränkten sich die Zufahrtsmöglichkeiten aufgrund der angrenzenden Fußgängerzone und der vorbeifließenden Pegnitz auf zwei Wege. Außerdem waren bestimmte Liefer- und Arbeitszeiten vorgegeben und somit ein Mehrschichtbetrieb nur bedingt möglich. Während des Christkindlesmarkts, der wie jedes Jahr im Dezember auf dem knapp 100 Meter entfernten Hauptmarkt stattfand, durfte sogar nur bis 15.00 Uhr gearbeitet werden. Die beteiligten Bauunternehmen mussten entsprechend flexibel handeln und Planungsgeschick beweisen. Aufgrund von Platzmangel innerhalb und außerhalb des Baufelds montierte Leonhard Weiss beispielsweise den dritten Hochbaukran außerhalb der Baugrube auf einem Portal. Darunter hindurch konnten die Lieferanten ungehindert an die Baustelle fahren, und ein wirtschaftlicher Materialfluss war gesichert. Die Anwohner und Touristen konnten zudem weiterhin die Karlstraße Richtung Hauptmarkt oder Trödelmarkt passieren.

Einschränkungen machen erfinderisch

Die flussnahe Lage beschränkte nicht nur die Zufahrtswege, sie führte auch zu einem hohen Grundwasserstand. Vor dem Baugrubenaushub musste dieser erst mit temporär installierten Brunnen abgesenkt werden – die tiefste Stelle der Baugrube betrug elf Meter unter dem Wasserstand der Pegnitz. Bei der Baugrubensicherung erwies sich der Fluss in Kombination mit der historischen Bebauung ebenfalls als entscheidend: Zum Wasser hin konnte die Baugrubenwand nicht rückverankert werden. Genauso wenig in Richtung denkmalgeschützter Gebäude. Da die mittelalterliche Architektur auf Pfählen im Erdreich gründet, war hier eine Rückverankerung nicht möglich. Die Baugrube musste deshalb nach innen ausgesteift werden, und der Aushub musste schrittweise erfolgen.

Erst wurde ein begrenzter Bereich mit genügend Sicherheitsabstand zum Fluss und zur umliegenden Bebauung ausgehoben. An dieser Stelle betonierte Leonhard Weiss den ersten Teil der Bodenplatte. Darauf verankerte Betonquader dienten schließlich als Widerlager für hydraulische Stützen, die sich von dort aus diagonal gegen die Baugrubenwand stemmten. An den schmaleren Stellen konnten die Stützen direkt horizontal zwischen die Wände gespannt werden. Sie waren mit Sensoren versehen, die jede Verformung registrierten und meldeten.

Nach Absicherung der Baugrube erfolgte mit kleinerem Gerät der restliche Aushub. Beinahe 5’000 Kubikmeter Erde wurden auf diese Weise noch entfernt. Zwischenzeitlich stand nur die 1,20 Meter breite Bohrpfahlwand zwischen Pegnitz und Baugrube. Die Rückstauung des Grundwassers wurde erst wieder aufgehoben, als der Neubau eine gewisse Masse erreicht hatte und ein Hochschwemmen ausgeschlossen war.

BIM-basierte Umsetzung

Außer der Baustellenlogistik und -sicherung brachte auch die konstruktive Umsetzung des Gebäudes viele Komplikationen mit sich. Die Planer von Leonhard Weiss funktionierten ihren Teil der Baustelle deshalb zu einem BIM-Projekt (Building Information Modeling) um. Dadurch hatten sowohl das Bauunternehmen selbst als auch die Architekten und Statiker Zugriff auf ein 3D-Modell, in dem sämtliche für die Umsetzung relevanten Daten hinterlegt waren.

Die gemeinsam nutzbare Datei ermöglichte eine effiziente und sichere Planung, was besonders für die Realisierung des Dachs wichtig war. Stefan Wille, Projektleiter bei Leonhard Weiss erklärt: „Nicht nur das Zukunfts-Museum, sondern das gesamte Mansarddach waren in Sichtbeton der Klasse SB3 geplant. Dabei sollte das Massivdach alle Gebäudeteile des Augustinerhofs überdecken und an die unterschiedlichen Traufhöhen der Umgebungsbebauung anschließen. So entstand eine unregelmäßige Dachlandschaft mit teilweise mehrfach geneigten Flächen.“

Die Vorfertigung der Dachsegmente in Form von Fertigteilen wäre aufgrund der Formvielfalt unwirtschaftlich gewesen, sodass vor Ort betoniert werden musste. Dabei galt es, direkt an die Wände anzuschließen. Im Bereich des Zukunfts-Museums sollte so der optische Eindruck entstehen, dass Wände und Dach scheinbar nahtlos ineinander übergehen. Auch diese Anforderung konnte durch die Schalungsplanung in 3D exakt vorbereitet werden.

Wände und Dach gehen ineinander über

Bei der Ausführung gelang Leonhard Weiss die optische Verbindung der Wände und der schrägen Dachflächen aus Sichtbeton durch eine unkonventionelle Vorgehensweise: In Abstimmung mit dem Auftraggeber setzte das Bauunternehmen für das Dach die gleiche Rahmenschalung wie für die Wände ein, was zu einer einheitlichen Schalungsstruktur führte. Die Schalungselemente für das Dach wurden gekippt, gedreht und auf der betonierten Decke abgestützt. Dabei konnten die unterschiedlichen Neigungen über Gelenke exakt fixiert werden. „Dieses Vorgehen brachte einen erheblichen Zeitgewinn gegenüber der ausgeschriebenen Unterbaukonstruktion aus Holz mit sich – es hätte im Prinzip ein kompletter Dachstuhl gebaut werden müssen“, erläutert Wille. Um das Verfahren zu prüfen und den Ablauf zu optimieren, legte das Bauunternehmen in Abstimmung mit den Architekten und Statikern Musterflächen an. Das Endergebnis kann überzeugen: Wände und Dach erscheinen wie aus einem Guss, sodass eine monolithische Wirkung entsteht. Die ebenmäßige Sichtbetonoberfläche, welche die Experten von Leonhard Weiss erzielt haben, wird für die Ausstellungen im Zukunfts-Museum einen ruhigen Hintergrund bilden.

Wie bereits bei vielen anderen Projekten, die Leonhard Weiss realisiert hat, waren auch beim Augustinerhof sämtliche haustechnischen Installationen in Wände, Decken und Böden zu integrieren. Dazu mussten sie vor dem Betonieren in die Bewehrungslagen eingebracht werden. Außer der Betonkerntemperierung mit schlangenförmig verlegten Heizleitungen sind die Beleuchtung, Rauchmelder und Sprinklerleitungen in den Ortbeton eingeschlossen.

Fazit und Ausblick

Zeit- und Platzmangel, Flussnähe und denkmalgeschützte Bebauung, hohe Ansprüche an Betonqualität und komplexe Dachform wurden in dem Projekt erfolgreich gemeistert. Der Zukunft des Augustinerhofs steht damit nichts mehr im Wege.

Bautafel

  • Projekt: Neubau des Augustinerhofs, Nürnberg
  • Bauherr: Alpha Gruppe, Nürnberg
  • Architekturbüro: Staab Architekten GmbH, Berlin
  • Tragwerksplanung: Goetz – Neun Ingenieure GmbH
  • Bauzeit: Mitte 2017 bis geplant Anfang 2020, davon Rohbau Januar 2018 bis März 2019
  • Bauleistung Leonhard Weiss: Baugrubenaushub und Verbauarbeiten (teilweise), Gerüst, Erstellung des Rohbaus (Böden, Wände, Dach), Fertigteile

Bild oben: Die beengten Verhältnisse verlangten großes Organisationsgeschick von den Bauunternehmen, darunter Leonhard Weiss. Quelle: Leonhard Weiss GmbH & Co. KG

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