Baustoffe: Einfamilienhaus mit Infraleichtbeton

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Architektonische Einfachheit und Finesse im Detail zeigt das Wohnhaus f2 in Freising. Schlicht, aber ausgefeilt gestaltete Architekt Fiedler seinen Wohnbau. Für die massiven einschaligen Wände bot Infraleichtbeton als moderner Hochleistungsbaustoff gute Dämmwerte, Nachhaltigkeit und die gewünschte Sichtbetonoptik.

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Architektonische Einfachheit und Finesse im Detail zeigt das Wohnhaus f2 in Freising. Schlicht, aber ausgefeilt gestaltete Architekt Fiedler seinen Wohnbau. Für die massiven einschaligen Wände bot Infraleichtbeton als moderner Hochleistungsbaustoff gute Dämmwerte, Nachhaltigkeit und die gewünschte Sichtbetonoptik.

Bauwerke aus Leichtbeton rücken immer mehr in den Fokus, erhalten Auszeichnungen, wie unlängst ein raffiniertes Wohnhaus im Schwäbischen oder ein bemerkenswerter Konzertsaal im Bayrischen Wald, die beim Architekturpreis Beton erfolgreich waren. Setzt sich das Interesse an diesem Baustoff fort, dürften künftig immer mehr Bauten die Vorzüge eines leichten Betons nutzen, der durch die Beimischung poröser Gesteinskörnungen wie Bimsstein, Blähschiefer, Blähton oder dem Recyclingstoff Blähglas eine geringe Trockenrohdichte bei sehr guten wärmedämmtechnischen Eigenschaften hat. Durch seine Authentizität und die Möglichkeit, damit monolithisch zu bauen, entspricht Leichtbeton zudem den gestalterischen Vorstellungen vieler Architekten. Auch das Architekturbüro Fiedler + Partner in Freising hat nun ein Wohnhaus aus Infraleichtbeton ohne zusätzliche Dämmschicht, mit einem aufgesetzten Ziegelbau realisiert. Mit dem Projekt f2 gelang es Reinhard Fiedler, seine Vorstellungen einer stimmigen Architektur für diesen Ort umzusetzen. Er konzipierte das Haus als Bauherr und Planer in Personalunion auf einem Grundstück am Ortsrand, flankiert von einem steilen Hang und mit freiem Blick in ein unverbaubares Naturschutzgebiet. Der Baugrund erforderte zunächst eine aufwändige Hangsicherung mit Bohrpfählen. Vor die bewaldete, steil aufragende Kulisse schmiegt sich nun das zweigeschossige Einfamilienhaus, das zusammen mit der Garage und einem verbindenden schmalen Riegel einen einladenden Vorbereich rahmt. 

Eine Wand – ein Material

50 Zentimeter dicke Wände aus Infraleichtbeton umfassen das Erdgeschoss. Die Materialität der massiven Wände zeichnet sich nicht nur an der Fassade ab, sondern prägt auch den Raumeindruck im Inneren. Während sich außen der Abdruck einer individuell gefertigten Holzschalung zeigt, die durch leicht versetzt angeordnete Bretter alternierend vor und zurückspringt, entschied sich Architekt Fiedler innen für eine glatte Schalung, bei der sich gleichwohl die charakteristische Lebendigkeit des Betons prägnant abzeichnet. Bei Berührung wirken die Wände samtig rau und gleichzeitig warm, eine Dämmung ist bei dieser Wand nicht erforderlich. Von außen lassen unterschiedliche Fensterformate die innere Nutzung ablesen, große Verglasungen mit Eichenholzrahmen deuten auf die Wohnräume, ein schmales, liegendes Fensterband lässt den Küchenbereich erahnen.

Architekt Fiedler hatte Lust auf eine dezidierte Detailplanung, die auch integrierte Jalousiekästen einbezog. „Man kann bei einem Sichtbetonbau, etwa beim Einbau von Fenstern in die Laibungen, nichts mehr nachträglich kaschieren, da muss alles auf Anhieb passen.“ Wie bei jedem Sichtbetonbau erfordern auch Projekte mit Infraleichtbeton Baubeteiligte, die sich der besonderen Sorgfalt, die bei der Ausführung nötig ist, bewusst sind. Gut, dass mit der Bauausführung auch Profis befasst waren, die sich im Betonbau und insbesondere im Bauen mit Infraleichtbeton bereits auskannten. Bauunternehmen Adldinger aus Kranzberg konnte auf eine gutachterlich geprüfte Rezeptur zurückgreifen, die Heidelberger Beton in mehreren Versuchen und unter Mitwirkung von Experten der Universität der Bundeswehr München (UniBW) bereits entwickelt hatten.

Infraleichtbeton für Haus f2

Die Betonfacharbeiter von Adldinger bauten das Wohnhaus mit einer Rezeptur, mit der sie bereits Haus Thalmair im oberbayrischen Aiterbach gebaut hatten. Mit 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit größer 8 N/mm² verfügt dieser hochwärmedämmende Infraleichtbeton über eine noch geringere Rohdichte als Leichtbeton. Das Verdichtungsmaß bei dieser Rezeptur entspricht der Klasse C4. Um eine niedrige Wärmeleitfähigkeit von Lambda kleiner 0,185 W/mK zu erzielen, wurden dem Beton ein Blähglasgemisch (Liaver) und Blähton (Liapor) zugeführt. Nötig war außerdem noch ein fein abgestimmtes System aus Zusatzmitteln und Zusatzstoffen von SIKA sowie ein spezielles Zement- und Bindemittelgemisch. Damit war die Rezeptur auf die zu erwartende Hydratationswärmeentwicklung in den 50 Zentimeter starken Wänden abgestimmt. Die Begeisterung für dieses Projekt ist Architekt Reinhard Fiedler beim Rundgang durch das fertige Haus anzumerken. Eine schlichte, offene Bauweise, deren Raffinesse sich an vielen Stellen zeigt: an warmem Eichenholz in Verbindung mit dem Grau der Wände, an deckenhohen Türen in hohen Räumen, an ausgefeilter Küchenplanung und ausgesuchten Beschlägen, vor allem aber in der Fokussierung auf die wesentlichen Elemente Holz, Beton und Glas. 

Zustimmung im Einzelfall

Architekten wie Reinhard Fiedler treiben mit spannenden Entwürfen die Entwicklung von geeigneten Werkstoffen für ihre ästhetischen Vorstellungen voran und fordern so die Entwicklung moderner Baustoffe ein. Für Bauten aus Leichtbeton mit Rohdichten unter 800 kg/m³ und/oder einer Druckfestigkeitsklasse kleiner LC12/13 müssen Architekten derzeit noch eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) einholen. Das hält viele nicht davon ab, sich diesem Baustoff mit Begeisterung zu widmen, wie die steigende Anzahl bemerkenswerter, teils preisgekrönter Bauten zeigt. 

Kein großer Aufwand sei die erforderliche Einholung der nötigen Zustimmung im Einzelfall für seinen Leichtbetonbau durch die Oberste Baubehörde gewesen, erinnert sich Architekt Fiedler. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Materialien so fortentwickelt werden, dass man einfach und effektvoll bauen kann.“

Bautafel

  • Projekt: Einfamilienhaus f2 in Infraleichtbeton, Freising
  • Bauherr: Reinhard Fiedler
  • Architekt: Fiedler + Partner Architekturbüro, Freising
  • Baufirma: Adldinger Bauunternehmen e.K., Kranzberg
  • Lieferant Schaumbildner: Sika, Lightcrete-400
  • Beton: Heidelberger Beton GmbH, Infraleichtbeton in Sichtbetonqualität (LC 8/9   mit Rohdichte von 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit > 8 N/mm²)
  • Energieeffizienz: A +
  • Fertigstellung: 2017

Bild oben: Schlicht, aber ausgefeilt verbindet das Wohnhaus f2 in Freising architektonische Einfachheit und Finesse im Detail. Bildquelle: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs
 

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